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Bund Katholischer Unternehmer (BKU) (Startseite)Deutschland neu erfinden – Bericht von der BKU-Bundestagung 2026

Bericht von der BKU-Bundestagung 2026

Deutschland kann neu erfunden werden – und der BKU kann einen entscheidenden Beitrag dazu leisten! Mit diesem Fazit des BKU-Bundesvorsitzenden Dr. Martin Nebeling endete die BKU-Bundestagung vom 1. bis zum 3. Oktober 2026 im Düsseldorfer Lambertushaus. Unter dem Motto „Deutschland neu erfinden“ lieferten spannende Keynotes und Podien die Impulse dazu. Der ausführliche Bericht folgt dem Tagungsprogramm: Mit einem Klick auf die jeweilige Überschrift öffnet sich der Abschnitt zum Programmpunkt Ihrer Wahl. So können Sie gezielt zu den Themen springen, die Sie besonders interessieren, oder die Tagung Punkt für Punkt von der Eröffnung bis zum Ausblick nachlesen. Der Bericht erscheint außerdem im BKU Journal 2/2026. Bilder von Norman Gebauer, der die Bundestagung als Fotograf begleitet hat, finden Sie unten auf dieser Seite.

Die Beiträge und Diskussionen der BKU-Bundestagung 2026 im Überblick

Auftakt durch Dr. Stephan Keller, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf, Begrüßung und Impulse aus dem BKU

Eröffnet wurde die BKU-Bundestagung 2026 am Freitag, dem 2. Oktober 2026, durch ein Grußwort des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Dr. Stephan Keller (CDU), der betonte: „Der BKU ist eine wichtige Plattform für Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.“ Der BKU verbinde in seiner Haltung soziale Verantwortung mit dem Streben nach unternehmerischem Erfolg. Passend zum Tagungsthema „Deutschland neu erfinden“ hatte Keller den im Düsseldorfer Lambertussaal anwesenden Freunden und Mitgliedern des BKU dabei sogleich auch einen konkreten Handlungsimpuls mitgebracht: „Die marktwirtschaftliche Stimme in der CDU ist sehr leise – helfen Sie dabei, sie wieder lauter zu machen!“ Schließlich würden die Prinzipien der Katholischen Soziallehre und der Sozialen Marktwirtschaft, wie Keller betonte, auch heute noch als Orientierungspunkte dienen. Auf dieser Wertegrundlage gelte es, Bewährtes zu erhalten und zugleich neue Antworten auf aktuelle Herausforderungen zu finden.

Auf das ermutigende und klar an die tradierte christliche Wertegrundlage der Sozialen Marktwirtschaft appellierende Grußwort des Düsseldorfer Oberbürgermeisters folgten weitere Grußworte – einerseits von Dr. Martin Nebeling, der noch am selben Vormittag in seinem Amt als BKU-Bundesvorsitzender bestätigt wurde, und andererseits von Maria Fischer, der Vorsitzenden der BKU-Diözesangruppe Düsseldorf – sowie inhaltliche Impulse aus dem Maschinenraum des BKU. So stellte der BKU-Geschäftsführer David Dekorsi etwa die Ergebnisse der ersten großen BKU-Konjunkturumfrage vor. Die Umfrage verdeutlichte: Aus eigener Kraft halten die im BKU befragten Unternehmen Kurs. Für neues Wachstum sind sie jedoch klar auf bessere Rahmenbedingungen angewiesen. Zugleich fiel das Urteil der befragten Unternehmer über den Wirtschaftsstandort Deutschland, seine Rahmenbedingungen und die Verankerung christlicher Werte in der Politik deutlich kritischer aus. Eine konstruktive Diskussion über Sozialpartnerschaft sollte wiederum die im Anschluss vom BKU-Vorsitzenden Dr. Martin Nebeling und dem Mitherausgeber Prof. Dr. Timo Meynhardt vorgestellte, von verschiedenen renommierten Autoren verfasste BKU-Zukunftsschrift unter dem Titel „Alte und neue Formen der Sozialpartnerschaft – Ein Blick nach vorn“ anstoßen.

Eröffnungskeynote „Deutschland 2035: Wie wir wieder Wachstum schaffen“ von Prof. Dr. Michael Hüther

Mit diesen Impulsen aus Statistik und Sozialpartnerschaft waren die Tagungsteilnehmer gewappnet für den offiziellen Eröffnungsimpuls der BKU-Bundestagung 2026, den Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW Köln), unter dem handlungsorientierten Titel „Deutschland 2035 – Wie wir wieder Wachstum schaffen“ lieferte. Dabei scheute sich Hüther nicht davor, wirtschaftspolitisch dicke Bretter zu bohren. Die Marktwirtschaft, so Hüther, sei nicht nur eine Wirtschaftsform, sondern auch „ethische Fundierung der Freiheitsgesellschaft“, die auf dem Einklang von Freiheit und Verantwortung basiere. Angesichts multipler wirtschaftlicher und politischer Krisen und radikal veränderter Marktbedingungen sei es aber „nicht mehr die Zeit ordnungspolitischer Predigten“. Es gelte zwar, „normative Kernbestandteile“ der Ordnungspolitik in die Zukunft zu führen – doch könnten die Probleme von heute nicht mehr mit den Rezepten des späten 20. Jahrhunderts gelöst werden.

So sei es, etwa angesichts der geoökonomischen Stärke Chinas und des gleichzeitigen Endes des einst geradezu monolithisch transatlantischen Westens immer schwerer zu vermitteln, dass Demokratie und Marktwirtschaft zusammengehörten. Zugleich gelte die Losung „Investitionen von heute sind die Arbeitsplätze von morgen“ in Zeiten, in denen durch KI-Agenten Humankapital durch Fiktion ersetzt wird, nicht mehr so eindeutig wie früher. In diesem multiplen Krisengemenge und der damit verbundenen Atmosphäre der Unsicherheit gelte es Hüther zufolge, von der Politik mehr zu verlangen: Sie solle ihre Fehler eingestehen. Eine Politik, die sich der Fehleranalyse verweigert, erzeuge Frust.

Hüther beließ es aber nicht bei Analyse und Kritik, sondern gab der Politik auch konkrete Handlungsempfehlungen zur Hand. Eine Politikstrategie für die lange Frist, so Hüther, dürfe kurzfristige Herausforderungen nicht ignorieren. Deshalb bedürfe es einer Planungssicherheit durch Konstanz der Wirtschaftspolitik. Dafür müssten nach Hüther erstens Energie-, Klima- und Industriepolitik auf das gemeinsame Ziel der Transformation und Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet werden. Zweitens dürften Genehmigungen, Netzausbau und öffentliche Infrastruktur nicht länger zum Engpass der Transformation werden. Drittens müssten bürokratische Lasten und steuerliche Belastungen sinken, damit Unternehmen investieren, innovieren und Beschäftigung sichern könnten. Viertens müssten kritische Abhängigkeiten diversifiziert und die europäische Handlungsfähigkeit gestärkt werden. Fünftens müsse das Arbeitsvolumen durch bessere Erwerbsanreize, Qualifizierung und Fachkräfteeinwanderung gesichert werden.

Die nächste Generation im Arbeitsmarkt: Warum junge Talente anders ticken – und was Unternehmer jetzt wissen müssen

Das erste Podium der BKU-Bundestagung 2026 widmete sich unter Moderation von Lioba Müller, Bundesvorsitzende des Jungen BKU, wiederum dem Thema der nächsten Generation im Arbeitsmarkt – denn wer Deutschland neu erfinden möchte, wie die BKU-Bundestagung 2026 es sich zum Ziel gesetzt hatte, darf schließlich die Interessen und Sorgen nachfolgender Generationen nicht aus dem Blick verlieren. Ferdinand Herfeldt, Geschäftsführer Anytime Invest GmbH und Bundesvorsitzender des Jungen Wirtschaftsrats, betonte, er lerne viele motivierte junge Menschen kennen – nur seien die Rahmenbedingungen für junge Leistungsträger in Deutschland nicht gut. Das Vertrauen in die Soziale Marktwirtschaft erodiere, wenn nicht mehr gelte: „Wenn ich Leistung bringe, kann ich besser leben und habe ein Aufstiegsversprechen.“ Die Folge sei oft physische oder innere Emigration. Leopold Born, Generalsekretär der CDU Hessen, ergänzte, dass zu den größten Sorgen vieler junger Menschen Lebenshaltungskosten und die Stabilität der Sozialversicherungen zählten. Ohne dringende Reformen eines demografisch kippenden Systems würden viele Junge ihr Vertrauen in die Politik verlieren. Dr. Oliver Perschau, Geschäftsführer des Forums Marktwirtschaft und des Instituts für Sozial- und Wirtschaftspolitische Ausbildung, meinte, dass die Politik hier trotz eines lange vorhersehbaren Zustands Reformen zu lange verschoben habe.

Wie hoch die Sozialversicherungsbeiträge in der Konsequenz seien, merkten viele erst bei der ersten Lohnabrechnung, wie Lutz Thimm, Inhaber und Geschäftsführer des thimm-Instituts für Bildungs- und Karriereberatung, anmerkte. Das Nachdenken über die Sozialsysteme solle darum auch Bildungsthema sein, so Thimm weiter. Auch Cosima Kissel, Gründerin Social Seventy7 GmbH und Reverse Mentor im Digital-Native-Netzwerk DIGITAL8, plädierte für eine Anpassung des Bildungssystems an die Gegebenheiten der Arbeitswelt – sowohl mit Blick auf Finanzbildung als auch auf immer wichtigere Kompetenzen im Umgang mit KI. Mit Blick auf die Kommunikation zwischen den Generationen in der Arbeitswelt betonte Herfeldt: „Es sind Werte, die einen durchs Leben bringen.“ Zudem brauche es Vertrauen, Augenhöhe, viel Übergabe von Verantwortung und eine Kultur des Scheiterns. KI stoße an Grenzen bei „Werten und Traditionen, die uns Menschen auch ausmachen“. Born fügte hinzu, dass der Begriff der „Führung wieder positiv besetzt“ werden müsse. Es brauche „Führungspersönlichkeiten, die einen Weg vorzeigen und Werte definieren und vorleben“. „Wir haben eine unfassbar starke junge Generation in der CDU“, betonte er. Die sogenannten „Rentenrebellen“ der Jungen Gruppe der CDU-Abgeordneten seien für ihn „Rentenretter“.

Kissel forderte: „Wir müssen die junge Generation mit an den Tisch nehmen, wenn wir über sie reden.“ Ihr konkreter Tipp an Führungskräfte, um die jüngere Generation besser kennenzulernen: einfach mal mit einem Azubi essen zu gehen. „Es geht ganz viel um Kommunikation und Wertschätzung auf Augenhöhe.“ Thimm wies zudem auf eine doppelte Herausforderung in der Passung hin: Einerseits hätten Unternehmen oft Mühe, Aufgaben zu definieren. Andererseits sehe er bei heutigen Abiturienten wenig Lernbereitschaft. Perschau erklärte zugleich, es sei „ureigenes Interesse der Unternehmen“, für die Fachkräfte von morgen zu sorgen. Etwaige Potenziale gelte es nicht nur aufgrund von Lebensläufen abzuschreiben. Unternehmen müssten die Vielfalt der Berufswelt auch in Schulen mehr vermitteln.

Resilienz als Führungsaufgabe: Was Unternehmen krisenfest macht – Erkenntnisse aus der Praxis

Nach dieser inhaltlich vielfältigen und in der Ausführung dennoch konzentrierten Tour de Force zu jungen Fachkräften und Führung, aber auch Reformen und Rente, ging es im zweiten Podium des Tages um das Thema „Resilienz als Führungsaufgabe“. In seiner Besetzung und inhaltlichen Ausrichtung offenbarte das von Tom Schmidtgen, Reporter für Wirtschaftspolitik bei POLITICO, dem offiziellen Medienpartner der BKU-Bundestagung 2026, moderierte Podium dabei drei grundlegende und miteinander verbundene Ebenen der Resilienz: die Resilienz der menschlichen Person, die Resilienz des Unternehmens und schließlich die Resilienz des Landes.

Dr. Johannes Hartl, Gründer des Gebetshauses Augsburg und SPIEGEL-Bestseller-Autor, rückte mit Blick auf die Dimension der persönlichen Resilienz vor allem die Tugenden Mut und Fokus ins Zentrum. In einer zunehmend entmutigenden, mutlosen und auch unternehmerfeindlichen Kultur und Zeit, so Hartl, seien Führungskräfte besonders gefragt. Für diese Führungskräfte werde angesichts einer omnipräsenten digitalen Reizüberflutung persönlicher Fokus zum neuen Intelligenzquotienten. Als „Fähigkeit, die innere Stimme, auch die Stimme Gottes, wieder zu hören“ und sich „im Dschungel tausender Stimmen wieder zu besinnen“ sei Fokus heute eine der Hauptführungsqualitäten. Neben einer allgemeinen Entmutigung und medialen Überreizung diagnostizierte Hartl aber auch eine „massive Sinnkrise unter jungen Leuten“, die in der Folge vielfach Schwierigkeiten hätten, Verantwortung zu übernehmen und resilient zu sein – auch, „weil es uns lange zu gut gegangen war“ und die Sinnfrage als Basis jeglicher Resilienz so kaum gestellt werden musste. Nun würden genuin religiöse Sinnfragen bei der jungen Generation jedoch wieder an Bedeutung gewinnen: „Wofür lohnt es sich zu leben – und auch zu leiden?“ Hier kommt die zweite Resilienztugend Hartls ins Spiel: der Mut, „sich Herausforderungen zu stellen“. Resilienz entstehe durch Reibung und nicht durch leere Selbstliebepredigten, wie sie in den letzten Jahrzehnten in Mode gekommen seien – ohne, dass sie tatsächlich auch zu mehr Selbstliebe geführt hätten. Jüngere Leute, so Hartl, würden heute vor allem „mehr Herausforderung“ brauchen, aber zugleich auch „mehr persönlichen Bezug“ für eine Ermutigung, die bereits in der Familie beginnen müsse.

Thomas Müller, Senior Advisor TM Risk Advisory & Services und ehemaliger Chief Risk Officer des Bundeswehr-IT-Dienstleisters BWI, bestätigte, dass wichtige Tugenden der Resilienz wie Fokus und Mut zwar elementar seien, sich jedoch in keinem Notfallplan finden lassen würden. „Pläne sind die Pflicht, Tugenden die Kür“, so Müller. Seinem eröffnenden Impuls zur Podiumsdiskussion war es zu verdanken gewesen, dass die Diskutanten nicht nur einen spannenden Einblick in Prüfsteine unternehmerischer Resilienz erhielten, sondern sofort auch auf einen praxisfähigen Grundkonsens von Resilienztugenden im unternehmerischen Kontext zurückgreifen konnten: Verantwortung, Vertrauen und Verzicht. Die Tugenden Fokus und Mut, die Hartl sodann in die Diskussion eingebracht hatte, ergänzten diesen Grundkonsens komplementär und schärften ihn zugleich auf persönlicher, kultureller und spiritueller Ebene. Die Grundlagen resilienter Führung, die Müller vor der Diskussion dargelegt hatte, konnte Paul Niclas von Ambüren, Partner und Mitgründer des jungen Kölner Resilienz-Startups BlueRock Security & Resilience Strategies GmbH, mit Erfahrungen aus Mittel- und Osteuropa bereichern. So berichtete von Ambüren auch von eigenen Reisen in die Ukraine und der beeindruckenden Resilienz und auch Höflichkeit, die er dort erlebt habe. BlueRock hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erkenntnisgrundlagen dieser Resilienz auch nach Deutschland zu importieren. In Mittel- und Osteuropa seien etwa quartalsweise kurze Übungen üblich, in denen „der Stecker gezogen“ würde, um zu überprüfen, wie Mitarbeiter eines Unternehmens tatsächlich in akuten Krisensituationen reagieren. Liegt der Notfallplan des Unternehmens in der Schreibtischschublade oder nur in der digitalen Cloud? Solche Fragen sind in derlei Übungsszenarien nicht mehr nur graue Theorie. „Die Resilienz der Mitarbeiter erfährt man vor allem dann, wenn man sie erprobt“, betonte von Ambüren. Resilienz, so mahnte er, sei „eine Fähigkeit, die man lernen, aber auch wieder verlieren kann, wenn man sie nicht beübt.“ Deutlich wurde dabei, dass Resilienz nicht nur ein Thema jedes einzelnen Unternehmens für sich ist, sondern breiten Wissens innerhalb der deutschen Unternehmerschaft bedarf – wobei Erkenntnisse und Praktiken aus Mittel- und Osteuropa entscheidende Orientierung bieten können.

Ein Unternehmer aus dem BKU, der als Gründer und CEO der Cologne Chip AG unternehmerische Resilienz selbst vorlebt, ist Dr. Michael Gude. Der langjährige BKU-Schatzmeister bereicherte die Diskussion um praxiserprobte Erfahrungswerte und Weitsicht. Sein Resilienzansatz erinnerte geradezu an Carl von Clausewitz, der bereits im 19. Jahrhundert in seiner programmatischen Schrift „Vom Kriege“ schrieb: „Der Krieg ist das Gebiet der Ungewissheit; drei Viertel derjenigen Dinge, worauf das Handeln im Kriege gebaut wird, liegen im Nebel einer mehr oder weniger großen Ungewissheit.“ Als Unternehmer weiß auch Gude um die nötige Einsicht in diese Ungewissheit, die – keineswegs nur im Krieg – Fundament jeglicher Resilienz ist. „Sie können nur dann Notfallpläne schreiben, wenn Sie ein klares Szenario haben“, betonte Gude. Daneben gebe es aber auch vollkommen unvorhersehbare Szenarien, etwa plötzliche Lücken in Lieferketten, auf die sich resiliente Unternehmer vorbereiten müssten. Dabei kam Müller wieder auf die Tugend des Verzichts zu sprechen, die gerade dann geboten sei, wenn Lieferketten infrage stünden. Dennoch dürfe die Resilienztugend des Verzichts keineswegs einen Verzicht auf Wirtschaftswachstum implizieren, wie Hartl wiederum klarstellte. Diese ergiebige Diskussion, die Moderator Schmidtgen gekonnt zu moderieren und zu strukturieren wusste, markierte aber noch lange nicht das Ende des ersten Tages der BKU-Bundestagung 2026.

Künstliche Intelligenz in der Praxis: Was KI in Unternehmen heute schon leistet

Bevor sich die Tagungsteilnehmer zur feierlichen Festmesse in der Kirche St. Maximilian – die dazugehörige Predigt von Pater Johannes Zabel OB werden Sie im kommenden BKU Journal nachlesen können – und dem abschließenden Festabend im Maxhaus begaben, erwartete sie noch ein Deep Dive in ein Thema, das sowohl die Zukunft der nächsten Generation im Arbeitsmarkt als auch die Zukunft unserer Resilienz entscheidend prägt: jenes der Künstlichen Intelligenz. Luca Samlidis, Gründer und CEO des Unternehmens NextGen AI, führte unter dem Titel „Künstliche Intelligenz in der Praxis – Was KI in Unternehmen heute schon leistet“ in die Chancen und Möglichkeiten, aber auch Grenzen von KI-Anwendungen ein. In seinem Impuls verband Samlidis Praxisnähe mit grundsätzlichen Überlegungen. „Ob KI uns verändert, ist entschieden“, schlussfolgerte er. Offen sei jedoch, wer die Richtung bestimmt. „Wer sich nicht damit beschäftigt, lässt andere entscheiden. Für Unternehmer, die sonst jede wichtige Entscheidung selbst treffen, wäre das eine seltsame Position.“ Dabei würden gerade Unternehmer mitbringen, was die Maschine nicht hat: „Sie kennen ihre Kunden und ihre Branche, sie wissen, wann ein Angebot gut ist und wann es nur gut klingt. Dieses Urteil braucht die KI, denn ohne liefert sie nichts als Durchschnitt.“ Für Samlidis sei dies der Kern des Tagungsthemas „Deutschland neu erfinden“: Veränderung, damit das Gute erhalten bleibt. „Wir bewahren unsere Werte und treiben den Fortschritt bei Produkten, Prozessen und Werkzeugen voran. Genau dort gehört KI hin, in jedem Betrieb.“

Unternehmerische Verantwortung weltweit

Der zweite Tag der BKU-Bundestagung 2026 begann nicht weniger ganzheitlich als der Vortag: Ging es bei der Tagung grundsätzlich auch darum, Deutschland neu zu erfinden, so kann – sowohl gemäß der Tradition der Katholischen Soziallehre als auch jener des BKU selbst – das eigene Land nie vom Rest der Welt unabhängig neu erfunden werden. Unter dem Titel „Unternehmerische Verantwortung weltweit“ eröffneten dementsprechend Daniela Tscherpel, Geschäftsführerin der aus dem BKU hervorgegangenen AFOS Stiftung für Unternehmerische Entwicklungszusammenarbeit, Erzbischof Anthony Muheria aus Nyeri, Kenia, und Prof. Dr. Dr. Ulrich Hemel, BKU-Ehrenvorsitzender und Leiter des BKU-Arbeitskreises International den ereignis- und themenreichen Samstag der BKU-Bundestagung 2026. Deutlich wurde dabei: Der Blick in die Welt ist nie nur ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus, sondern grundlegend, wenn es darum geht, Deutschland neu zu erfinden. Zumal nicht zuletzt die Entwicklungen in der – teilweise ehemaligen – „Dritten Welt“ auch verdeutlichen können, wo Deutschland nach wie vor stark aufgestellt ist, aber auch wo es jetzt bereits großen Nachholbedarf hat. Das Grußwort von Erzbischof Muheria zeigte dabei exemplarisch, welche entscheidende Rolle die moralischen und geistigen Grundlagen einer Wirtschaftsordnung mit Blick auf ihren Erfolg in Form von Wohlstand und Freiheit spielen.

Grußworte: Caroline Bosbach MdB und Nathanael Liminski MdL

Nach diesem Blick in die Welt ging es aber sogleich auch zurück in die Mühlen der Bundespolitik, die Caroline Bosbach als CDU-Bundestagsabgeordnete schließlich aus nächster Nähe kennt – genauso wie die Reaktionen der Bürger auf die Ergebnisse dieser Mühlen. So erklärte Bosbach in ihrer Keynote: „Ich glaube, dass viele Menschen in den vergangenen Jahren schon das Gefühl entwickelt haben, dass der Staat immer größer geworden ist, immer übergriffiger geworden ist, und, dass die Eigenverantwortung des Einzelnen, des Bürgers, des Unternehmers immer weiter abgeflacht worden ist – und ich teile diesen Eindruck komplett.“ Dies sei einer der Gründe gewesen, warum Bosbach persönlich in die Politik gegangen sei. Ihre Schlussfolgerung: „Wir brauchen einen Staat, der sich viel mehr zurücknimmt, weil der Staat niemals der bessere Unternehmer ist.“ Diese Forderung exemplifizierte sie an einem konkreten Beispiel: der Gegenfinanzierung von Entlastungen für Bürger und Unternehmen. Die Politik greife dabei viel zu oft nur auf Steuererhöhungen oder Schulden zurück, obwohl es auch eine dritte, politisch weniger populäre Option gebe: „mal kräftig den Rotstift anzusetzen“. Als potenzielle Kürzungsfelder nannte sie dabei eine ausufernde staatlich gelenkte Subventionspolitik, aber auch Nichtregierungsorganisationen, sogenannte NGOs: „Wir finanzieren mit unfassbaren Summen NGOs, die uns bekämpfen wollen, die aktiv gegen uns arbeiten.“ Auch die Kosten des Bürgergelds gelte es in dem Kontext in den Blick zu nehmen. Bosbach sei zwar für soziale Gerechtigkeit. Diese müsse aber nicht nur für jene gelten, die Transferleistungen beziehen, sondern vor allem auch für jene, die dafür sorgen, dass Leistungen überhaupt bezahlt werden können. „Dann“, so Bosbach weiter, „werden wir auch wieder zu Wohlstand kommen“, wobei auch das Leistungsprinzip eine Rolle spiele. Schulen müssten zu den „besten öffentlichen Einrichtungen dieses Landes“ werden – und Leistung müsse endlich wieder als etwas Positives verstanden werden.

Mit den Mühlen der Landespolitik bestens vertraut wiederum war der zweite prominente Impulsgeber des Samstagvormittags der BKU-Bundestagung 2026: Nathanael Liminski, ebenfalls CDU-Politiker, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes NRW und Chef der NRW-Staatskanzlei. Die Erneuerung des Wohlstandsversprechens der Sozialen Marktwirtschaft war auch eines der tragenden Themen seiner Keynote. Auch Liminski machte, wie schon Hüther am Vortag, deutlich, wie ernst die Lage in dieser Hinsicht ist. Zugleich skizzierte er anschaulich und entlang konkreter, teils in NRW bereits in der Umsetzung begriffener Maßnahmen, welchen Paradigmenwechsel es braucht, damit der für neuen Wohlstand grundlegende Bürokratieabbau gelingen kann. Einerseits brauche es eine umfassende Staatsmodernisierung, andererseits aber auch eine Beweislastumkehr hinsichtlich der Bürokratie, die – wie auch die BKU-Konjunkturumfrage gezeigt hatte – unsere deutschen Unternehmen so wesentlich belastet. Konkret stellte Liminski eine Begründungspflicht für Berichtspflichten vor. Erst, wenn ein Umdenken in den staatlichen Behörden durch konkrete landespolitische Maßnahmen veranlasst wird, wird Bürokratieabbau möglich, so der Tenor seiner Keynote. Das Tagungsmotto „Deutschland neu erfinden“ passe, wie Liminski ausdrücklich betonte, sehr gut zur heutigen Zeit und ebenso gut zum Tag der Deutschen Einheit, der 2026 auf den zweiten Tag der BKU-Bundestagung fiel. Liminskis Impuls schlug dabei implizit einen Bogen zum Beginn des Tages: Deutschland neu zu erfinden, heißt nicht nur, Deutschland und die Welt in den Blick zu nehmen, sondern auch die deutschen Bundesländer zu berücksichtigen. Im besten Fall können sie als gleichermaßen föderale wie agile Zukunftslabore gerade in entscheidenden Punkten wie Bürokratieabbau und Staatsmodernisierung Vorreiterrollen einnehmen und etwaige Modelle auf ihre Bundestauglichkeit hin erproben.

Steuern, Vermögen, Unternehmertum: Vermögen-, Erbschaft-, Unternehmenssteuer – was ist gerecht, was ist ökonomisch sinnvoll?

Wie Deutschland im Hinblick auf sein vieldiskutiertes Steuersystem neu erfunden werden kann, war das Thema des ersten, vom BKU-Geschäftsführer David Dekorsi zugleich tiefgründig und kurzweilig moderierten Panels des zweiten Tages der BKU-Bundestagung 2026 unter dem Titel „Vermögen-, Erbschaft-, Unternehmenssteuer – was ist gerecht, was ist ökonomisch sinnvoll?“. Impulsgeber Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, eröffnete die Diskussion mit einer klaren Ansage an die deutsche Steuerpolitik. Trotz einer massiven Neuverschuldung würde ein normaler Arbeitnehmer auf einen verdienten Euro etwa 53 Cent an staatlichen Abgaben abführen. „Steuern, Sozialabgaben, Rundfunkbeitrag – das Geld ist nicht weg, aber es haben andere.“ Wenn über 50 Prozent des Einkommens versteuert werden, gelte es „auch die Frage der Freiheit zu stellen“, so Holznagel. „Ob wir unter diesen Bedingungen wirklich auch Wirtschaftswachstum generieren.“ „Wir haben in den letzten Jahren ein Einkommensteuerrecht kreiert, das unter dem Strich Mehrarbeit und Mehrleistung bestraft.“ Das würden nicht nur Unternehmer, sondern auch Arbeitnehmer spüren. In diesem Zusammenhang adressierte Holznagel auch die Teilzeitdebatte. Die Menschen seien weder faul noch doof, sondern könnten schlichtweg rechnen. Die Einkommensteuer funktioniere überhaupt nicht mehr als Anreizsystem. „Die Menschen retten sich in Teilzeit, sie verzichten auf Überstundenausgleich beziehungsweise bezahlte Überstunden. Deswegen haben wir natürlich auch ein Problem bei den geleisteten Arbeitsstunden. Und deswegen müssten wir eigentlich viel mehr eine Einkommensteuerreform diskutieren, die Leistungsanreize wieder belohnt, die dazu beiträgt, dass Investitionen wirklich getätigt werden und, dass Arbeit als solche auch wieder eine Wertschätzung, auch was die Steuern anbetrifft, erfährt“, führte Holznagel aus. „Aber das, was wir sehen an Einkommensteuerreformen, ist wirklich nichts. Gar nichts. Im Gegenteil. Es sind sogar Steuererhöhungen. Nicht einmal die kalte Progression wird abgebaut.“ Holznagels Appell an Berlin: „Wenn Politik nicht anfängt, bei sich selbst zu sparen, dann wirken Reformversprechen nicht authentisch.“

Eine Gegenposition bezog Simon Rock, Sprecher für Haushalt und Finanzen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag NRW, demzufolge nicht die Steuern selbst in Deutschland zu hoch seien, sondern vielmehr die Kombination aus hohen Steuern und hohen Abgaben problematisch sei: „Wir haben ein Problem mit Sozialabgaben, nicht primär mit Steuern, auch nicht mit der Einkommensteuer.“ Eine Senkung der Einkommensteuer komme Rock zufolge nur größeren Vermögen als Entlastung zugute. „Wenn Sie aber die breite Mitte in unserer Gesellschaft entlasten wollen, dann kann ich nur dafür plädieren, weiter bei den Sozialabgaben anzusetzen, dass wir endlich was tun bei der Krankenversicherung, bei der Rentenversicherung und bei der Pflegeversicherung, möglicherweise auch durch eine höhere Steuerfinanzierung in diesem System“, so Rock.

Sozialabgaben, erklärte Holznagel daraufhin, seien längst zur zweiten Steuer geworden, da die Sozialversicherungen gar nicht mehr ohne Steuerzuschüsse auskommen würden. Darum gelte es zu hinterfragen, ob das bewährte duale System in dieser Form überhaupt noch sinnvoll sei. Gleichzeitig entgegnete er auf Rocks Kritik an einer Senkung der Einkommensteuer: „Wir brauchen Entlastungswirkungen sowohl unten als auch oben. Wer aber ausschließt, dass wir obere Einkommen entlasten dürften, der bestraft die Falschen und setzt auch ein falsches Signal.“ In der aktuellen wirtschaftlich prekären Situation Deutschlands sei gerade die obere Einkommenshälfte dafür verantwortlich, zu investieren und zu modernisieren. „Und wenn sie das Gefühl hat, dass sie das, etwa durch zu hohe Steuern, nicht kann, haben wir ein Problem.“ Mit Blick auf die Gegenfinanzierbarkeit von Entlastungen betonte Holznagel: „Wer Entlastungen will, der muss akzeptieren, dass beim Staat weniger ankommt und beim Bürger und Betrieb mehr bleibt.“

Mit Blick auf das Verhältnis von Staat und Bürgern ergänzte Thomas Hoppe, Bundesvorsitzender von „Die Jungen Unternehmer“, dass in vielen anderen Ländern der Staat Unternehmen grundsätzlich mehr ermögliche, als sie zu behindern. Eine Umfrage des Verbands der Familienunternehmer habe hingegen gezeigt, dass knapp 53 Prozent der Unternehmer aufgrund zu hoher Bürokratie nichts mehr in Deutschland investieren. Eine mögliche konkrete Unterstützung für Unternehmer wäre – neben einem entschiedenen Bürokratieabbau – eine Abschaffung der Berichtspflichten für Gründer, so Hoppe. Deutschlands Problem sei keineswegs eine zu geringe Steuerlast, sondern vielmehr, wie Steuererträge ausgegeben würden. „Unsere Infrastruktur vergammelt. Die Politik muss mehr leisten, bevor sich Leistung wieder lohnt“, so Hoppe. Marcus Wilp, Leiter des Arbeitskreises Steuerrecht im BKU, nahm wiederum Arbeitseinkommen in den Blick. Diese gelte es Wilp zufolge niedriger zu besteuern und niedriger zu verbeitragen, was die Sozialversicherungen anbetrifft. Ebenso gelte es sich politisch darum zu bemühen, junge Leute früher in den Arbeitsmarkt zu bringen, etwa durch Steuerprämien. Aus seiner Erfahrung als Steuerberater betonte er jedoch, dass für die meisten seiner Unternehmerkunden nicht die Komplexität des deutschen Steuersystems oder die Steuerbelastung das Hauptproblem sei, sondern vielmehr die schiere Menge an immer neuen Dokumentationspflichten.

Gleichzeitig plädierte Wilp für eine Reform der Erbschaftsteuer. Statt der bisherigen Verschonungsregeln gelte es gemäß dem Vorschlag des BKU-Arbeitskreises Steuerrecht, eine Flat Tax von 10 Prozent auf Betriebsvermögen einzuführen, die über zehn Jahre gestundet wird oder abgezinst werden kann. Die Bewertung des Betriebsvermögens solle dabei nach einem einfachen, realitätsnahen Verfahren erfolgen, bei dem vermieden werden müsse, dass eine Überbewertung stattfinde. Die Verschonungsbedarfsprüfung würde entfallen, an die Stelle der Freibeträge träte ein indexierter Lebensfreibetrag. Dieses Modell wurde während des Podiums lebhaft und kontrovers diskutiert. Hoppe betonte dabei, dass es in Politik und Öffentlichkeit immer noch ein falsches Bild von Unternehmenserben gebe, die – gerade in linken Kreisen – vielfach als Empfänger eines leistungslosen Einkommens und geschenkter Millionen wahrgenommen würden. „Was dabei vergessen wird, ist, dass viele die Verantwortung gar nicht sehen, die ich als Unternehmer übernehme, wenn ich einen Betrieb behalten möchte.“ Die Steuerlast sei in Deutschland ohnehin sehr hoch und steuerliche Freibeträge für Unternehmensnachfolger in der Regel zu gering, um wirklich zu entlasten. Viele junge Unternehmenserben würden es sich deshalb sehr genau überlegen, ob sie die Nachfolge wirklich antreten. Die drohende Folge seien unzählige Betriebe, die nicht übergeben und in der Folge ins Ausland verkauft oder mangels Investoren geschlossen werden, womit auch zahlreiche Ausbildungsplätze wegfallen würden. Der Wirtschaftsstandort Deutschland brauche Hoppe zufolge jedoch gerade jetzt mehr Gründer, Unternehmer und auch Nachfolger. Deshalb gelte es zu diskutieren, wie man junge Menschen zu unternehmerischer Verantwortung ermutigen könne, anstatt sie mit „hohen Steuern und einem negativen Unternehmerbild“ zu traktieren.

Ist die Energiewende gescheitert? Wie gestalten wir sie bezahlbar, klimafreundlich und versorgungssicher?

In der finalen Podiumsdiskussion der BKU-Bundestagung 2026 ging es schließlich um ein Thema, das nicht fehlen darf, wenn Deutschland neu erfunden wird: die Energiepolitik. Unter dem Titel „Ist die Energiewende gescheitert? Wie gestalten wir sie bezahlbar, klimafreundlich und versorgungssicher?“ und der Moderation von Sebastian Sasse, Redakteur bei der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“, entfaltete sich eine trotz sehr unterschiedlicher Perspektiven sowohl kritische als auch konstruktive Diskussion. Katharina Beck, finanzpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, merkte gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion an: „Es ist gut, dass Sie das Unternehmerische mit dem Christlichen verbinden.“ Gleichzeitig erklärte Beck, sowohl selbstkritisch als auch mit Blick auf die heutige Bundesregierung, dass die Energiewende in der Vergangenheit politisch oft zu sehr „von oben“ betrieben wurde und wird. Stattdessen fordert Beck nun eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Beteiligten: „Alle sollten dazu beitragen, nach Lösungen zu suchen, dass die Energiewende nicht scheitert.“ Statt sich von Verbrennungsenergien abhängig zu machen, gelte es dabei auf smarte Netze sowie nachhaltige und innovative Energielösungen zu setzen. Besonders brach Beck dabei eine Lanze dafür, die Energien zu nutzen, „die wir hier haben“ – sowohl im Sinne der geopolitischen Souveränität als auch im Geist christlicher Eigenverantwortung. Mit Blick auf die Energiedebatte wünschte sich Beck: „Es ist wichtig, dass wir den gemeinsamen Boden in der Diskussion nicht verlieren.“ Es gelte „aufgescheuchten Angstdebatten“ zu entfliehen und stattdessen alle Optionen sachlich und faktenbasiert zu prüfen, wobei sie beispielhaft auch auf die hohen Kosten von Erdgas und Atomenergie verwies.

Prof. Dr. Estelle Herlyn, Vorstandsmitglied bei Global Energy Solutions e. V., sah wiederum den Bedarf einer ganz grundsätzlichen Debatte: „Die Energiewende gehört unbedingt auf den Prüfstand.“ Die hohen Energiekosten seien einer der wesentlichen negativen Standortfaktoren in Deutschland. Zudem habe die deutsche Energieversorgung seit dem Atom- und Kohleausstieg an Zuverlässigkeit verloren, während gleichzeitig nur der Anteil an volatilen und damit unzuverlässigen Energien gewachsen sei. Darüber hinaus sei der CO₂-Ausstoß in Deutschland immer noch hoch – trotz des vielen in die Energiewende investierten Geldes. Die Erderwärmung zu stoppen, so Herlyn, könne nicht auf der nationalen, sondern nur auf der internationalen Ebene gelingen. Dabei sei eine zuverlässige Energie Grundlage unseres Wohlstands. Herlyn zufolge gelte es, Ineffizienzen in der Energieversorgung zu tilgen, statt weiterhin zu viel Geld in Subventionen zu investieren. Einig war sich Herlyn mit Beck hinsichtlich der zu hohen Komplexität der Klimaziele sowie der damit einhergehenden KPIs. Beide forderten eine „Verschlankung und Reflexion“, wie Beck es formulierte, derselben.

Florian Wagner, Geschäftsführer von Heimatwurzeln e. V., setzte in der Diskussion wiederum einen anderen, weltanschaulicheren Schwerpunkt. Programmatisch war dabei sein Satz: „Im Ahrtal ist Heimat zerstört worden.“ Der Schutz von Klima, Umwelt und Natur sei „ein zutiefst konservatives Thema“. Deshalb forderte der Heimatwurzeln-Geschäftsführer: „Wir brauchen einen bürgerlich-konservativen Ansatz von Klimaschutz, der auch die Wirtschaft in den Blick nimmt und auf Subsidiarität setzt.“ Klimaziele seien zu erfüllen, jedoch unternehmerisch. Angesichts der großen gesellschaftlichen Spaltung beim Thema brauche es einen neuen gemeinsamen Grundkonsens, damit „aus Deutschland ein Impuls in die Welt geht, wie man Energiewende gestaltet.“ Daran – und an Becks Forderung nach einer konstruktiveren Debatte – anknüpfend, formulierte Prof. Dr. Riccardo Wagner, Professor für Nachhaltiges Management und Kommunikation an der Hochschule Fresenius in Köln, den Titel des Panels um: „Ist das Reden über die Energiewende gescheitert?“ In der deutschen Nachhaltigkeitskommunikation gäbe es „Tabus und Ideologiefallen“, weshalb sie den „Kampf der Bilder“ verloren habe. Kommunikation könne die Realität nicht beliebig überschreiten, so Wagner weiter. „Jeder weiß, dass es keinen empirischen Beleg dafür gibt, dass man mit teurer Energie Wohlstand erhalten kann.“ Wer sich weigere, die Gesamtkosten der Energiewende zu beziffern, dürfe sich nicht wundern, wenn er die Deutungshoheit verliert. Um Klima- und Umweltschutz bemühte Kräfte müssten sich mehr darum bemühen, gemeinsam sprechfähig zu werden. Das verdeutliche schon die Komplexität der Podiumsdiskussion. Die Energiewende gelinge nach Ansicht des Kommunikationsexperten Wagner gleichzeitig nur dann, wenn „Unternehmen sich committen und transparent sind“. Die meisten Unternehmen seien schließlich nicht von sich aus nachhaltig. Wagner zufolge könne dabei die Katholische Soziallehre als nötige Wertegrundlage und Kompass dienen.

Dr. Thomas Tietz, Leiter des BKU-Arbeitskreises Energiepolitik und seit der Delegiertenversammlung am Vortag auch BKU-Vorstandsmitglied, fasste zusammen: „Die Energiewende ist nicht gescheitert. Sie erfordert jedoch einen konsequenten Paradigmenwechsel.“ Bei der komplexen Aufgabe, die Energie- und Industrielandschaft neu zu denken, „liefern uns die Prinzipien der Katholischen Soziallehre durchaus gute Orientierung.“ Es gelte, so viel dezentral wie möglich, so viel zentral wie nötig zu organisieren, Ziele statt Detailbürokratie vorzugeben, neue Wege zu gehen, vorhandene Infrastruktur zu nutzen und Synergien zu heben, Wasserstoff zielgenau auszubauen, Partikularinteressen zu erkennen und richtig einzuordnen und schließlich den Energiepreis als zentralen Steuerungs- und Motivationsfaktor sozial ausgewogen zu nutzen. Nachhaltiger Erfolg entstehe dort, wo drei Ziele gemeinsam erreicht werden: bezahlbare Energie, mehr europäische Energieautarkie und Versorgungssicherheit und Klimaneutralität durch maximale CO₂-Einsparung pro investiertem Euro. „Der innovative Ausbau erneuerbarer Energien bietet in Zusammenspiel mit Verbrauchern und Speichern die Chance, die Abhängigkeit von Energieimporten zu reduzieren und gleichzeitig CO₂-Emissionen zu senken. Das stärkt Gesellschaft, Klima sowie die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas gleichermaßen“, so Tietz.

Unternehmensnachfolge, Tagungsende und Ausblick

Den inhaltlichen Abschluss der Tagung bildete nach intensiven Diskussionen ein ganz persönliches und zugleich für die Zukunft Deutschlands nicht minder relevantes Thema: Nachfolge in Unternehmen. Aus dem BKU-Arbeitskreis Unternehmensnachfolge sprach Dr. Hubert Koch, Berater und Coach, und nutzte die Gelegenheit, um eine Neuausrichtung des AK Nachfolge zu verkünden. Für den neuen AK Nachfolge hätten Koch und AK-Leiterin Lioba Heinzler sich als Ziel gesetzt, den praktischen Nutzen für die BKU-Mitglieder in den Mittelpunkt der Arbeit zu stellen. Die zwei Basiselemente des Konzepts: eine persönliche Austauschplattform für Unternehmer vor, während und nach dem Übergabeprozess sowie praxisrelevante Webinare mit Kurzimpulsen zu relevanten Themen im Übergabeprozess, mit Fachreferenten aus Reihen des BKU. Im Anschluss an den Impuls zur Unternehmensnachfolge war es für den BKU-Vorsitzenden Dr. Martin Nebeling an der Zeit, den inhaltlichen Teil der BKU-Bundestagung 2026 zu beschließen: „Wir haben nicht nur Analyse betrieben, sondern am Ziel mitgearbeitet, Deutschland neu zu erfinden.“ Die BKU-Bundestagung, so Nebeling weiter, habe gezeigt, dass gerade auch die Politik bereit zum kritisch-konstruktiven Dialog mit dem BKU und gespannt auf die Vorschläge des Verbands sei. Nebelings Fazit zur BKU-Bundestagung 2026: „Deutschland kann neu erfunden werden – und der BKU kann einen entscheidenden Beitrag dazu leisten.“ Dass Deutschland nicht in wenigen Tagen neu erfunden werden kann, ist klar. Deshalb hatte Lioba Müller, Vorsitzende des Jungen BKU, auch sogleich den Tagungsort der BKU-Bundestagung 2027 angekündigt: die Bundeshauptstadt Berlin.