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Werte, Weltraum und Wirtschaftliche Zusammenarbeit: Der BKU auf dem Katholikentag 2026

Der BKU war beim Katholikentag 2026 in Würzburg mit einem Wirtschaftspolitischen Empfang und zwei hochkarätig besetzten Podien vertreten. Bereits jenseits des offiziellen Programms des Katholikentags, zu dem die zwei stark frequentierten BKU-Podien zählten, folgten zahlreiche christliche Führungskräfte, Unternehmer und Verbandsvertreter so der Einladung zum Wirtschaftspolitischen Empfang des BKU beim Katholikentag 2026 – und trafen sich am Donnerstag, dem 14. Mai, im Spitäle an der Alten Mainbrücke in Würzburg.

Christliche Werte und Soziale Marktwirtschaft als Antwort auf die Krise – BKU-Empfang zum Katholikentag 2026 im Spitäle an der Alten Mainbrücke in Würzburg

Angelika Back, Unternehmerin und Vorsitzende der BKU-Diözesangruppe Würzburg, begrüßte die Gäste an ihrem Wirkungsort. Durch den Abend führte BKU-Geschäftsführer David Dekorsi. Den wirtschaftspolitischen Impuls setzte Daniel Trutwin, Unternehmer und stellvertretender BKU-Bundesvorsitzender. Die eigentliche Krise, so Trutwin, sei nicht konjunktureller, sondern geistiger Natur: Bürokratie, Fachkräftemangel und Energiepreise seien real – aber das eigentliche Problem liege tiefer. „Es fehlt ein gemeinsames Bild davon, wohin dieses Land will. Gestaltung wurde durch Verwaltung ersetzt.“

Sr. Katharina Ganz OSF, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, berichtete aus der inspirierenden Geschichte der Gründerin ihres Ordens, Antonia Werr. Werr hatte die Ordensgemeinschaft im 19. Jahrhundert als Zuflucht für strafentlassene und verwahrloste Frauen gegründet – eine Gruppe, der sonst kaum jemand helfen wollte. Dank ihres unternehmerischen Muts und Geschicks und Förderer aus Kirche und Gesellschaft wurde das – von Ganz mit einem Startup verglichene – Kloster zu einem Erfolgsprojekt, dem heute die unternehmerische Transformation und Neuerfindung gelingt, ohne den „Markenkern“ aus dem Blick zu verlieren. Den Gästen des Empfangs gab Ganz davon ausgehend zwei wichtige Botschaften mit. Einerseits verwies sie auf die Folgen des demografisch bedingten Klostersterbens für unsere Gesellschaft, die für viele noch kaum vorstellbar seien. Zudem plädierte sie für Mut in Sachen Glauben und Evangelisierung: „Keine Marke hat eine bessere Botschaft als Christus!“ Statt den christlichen Glauben nur schlechtzureden, gelte es ihn auch zu verteidigen.

Prof. Dr. August Stich, tropenmedizinische Koryphäe und Vorsitzender des Missionsärztlichen Instituts MedMissio, betonte: Die Wirtschaft sollte dem Menschen dienen – gerade der Mittelstand sei von diesem Credo geprägt, das in Zeiten der Krise Vertrauen schaffen könne.

Den Abschluss des Abends gestaltete Andree Brüning, ebenfalls stellvertretender BKU-Bundesvorsitzender. Demokratie und Soziale Marktwirtschaft, betonte Brüning, lebten von derselben Voraussetzung: dem Vertrauen darauf, dass Freiheit, Verantwortung und Gemeinwohl zusammengehören. Den Rahmen für diese Voraussetzung findet Brüning in der Katholischen Soziallehre: „Subsidiarität, Solidarität, die Würde jedes einzelnen Menschen – das sind keine abstrakten Begriffe, sondern Leitlinien, die zeigen, wie Freiheit und Gemeinwohl zusammenwachsen können. Diese Tradition ist nicht alt und verstaubt. Sie ist heute dringlicher denn je.“

Die Debatten des Donnerstagabends setzten sich am Freitag, dem 15. Mai, auf einem anderen Schauplatz fort – mit einer Frage, die den Blick buchstäblich in den Himmel lenkte.

Krieg, Frieden und Kapital im Weltraum – 1. BKU-Podium beim Katholikentag 2026 in Würzburg

Ohne Satellitentechnologie bricht unser Alltagsleben zusammen – und der Weltraum ist längst ein Ort wirtschaftlichen und militärischen Wettbewerbs. Wer die Satelliten kontrolliert, beherrscht die Kommunikation. Aber wer wacht über die gerechte Verteilung der informationstechnischen Ressourcen – und ab wann ließe sich von einem Krieg im Weltraum sprechen? Unter dem Titel „Wem gehört der Himmel? Star Wars ist keine Fiktion mehr“ lud der BKU gemeinsam mit dem Katholischen Militärbischofsamt zum Podium in die Neubaukirche in Würzburg ein. BKU-Geschäftsführer David Dekorsi moderierte die Diskussion. Als „Anwälte des Publikums“ brachten Lisa-Marie Holzschuh und Hans-Peter Meinhardt die Perspektive der Zuhörer in die Debatte ein.

Brigadegeneral Rainer Simon, stellvertretender Abteilungsleiter Operationen und J6 im Kommando Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr, machte deutlich, wo die Schwelle zwischen bereits vorkommenden Akten von Satellitenstörungen und Weltraumspionage und tatsächlichen Kriegshandlungen im All liegt. Letztlich müsse auch im Weltraum ein Verteidigungsfall durch den Bundestag festgestellt – und gegenüber der NATO ausgerufen werden.

Dr. Silke Launert MdB, Parlamentarische Staatssekretärin im Raumfahrtministerium, berichtete aus der Arbeit ihres Ministeriums. Wie auch in der Sicherheitspolitik habe man den Finanzierungsbedarf für Innovationen in diesem Zusammenhang lange unterschätzt. Entsprechende Vorstöße Markus Söders habe man in Deutschland verlacht. Dennoch zeigte sie sich mit Blick auf die Innovationsfähigkeit Deutschlands im Luft- und Raumfahrtbereich optimistisch und stellte mehrere lokale Beispiele aus dem Raum Würzburg vor. Ebenfalls investiere die Bundesregierung nun stärker als zuvor in die Raumfahrt.

Auch Dr. Thomas Tietz, Leiter des BKU-Arbeitskreises Energie und Nachhaltigkeit und Luft- und Raumfahrtingenieur, bestätigte, dass Deutschland in diesem Sektor sowohl als Wissenschafts- als auch als Wirtschaftsstandort viel zu bieten habe. Im Zusammenspiel von Elon Musks den Sektor prägenden Unternehmungen – SpaceX, Starlink und X – sieht er zugleich einen Gamechanger, da somit auch privates Kapital und nicht mehr nur der Staat zunehmend in die Weiten des Alls vorstoße.

Astronaut Gerhard Thiele, der den Blick auf die Erde aus dem Orbit aus eigener Erfahrung kennt, ordnete unter anderem die Höhe der Investitionen der Bundesregierung ein und berichtete aus seiner Arbeit für die NASA. Die eigene Arbeit habe er stets als eine vordergründig wissenschaftliche – und nicht politische oder militärische – wahrgenommen.

Trotz des Hightech-Themas des Podiums zeichnete sich unter den Diskutanten die Sorge vor einem uralten Phänomen ab: dem Krieg. Sie alle verband jedoch gleichzeitig tiefe Dankbarkeit und Demut, in Friedens- und Wohlstandszeiten aufgewachsen zu sein – und die Hoffnung, diese auch für nachfolgende Generationen zu erhalten.

Den Abschluss des BKU-Programms beim Katholikentag 2026 bildete am Samstag, dem 16. Mai, ein Podium, das den Blick vom Weltraum zurück auf die Erde lenkte: auf eine Frage, die dafür jedoch nicht minder grundsätzlich ist.

Vertrauen statt Kontrolle als Grundlage der Entwicklungszusammenarbeit? – 2. BKU-Podium beim Katholikentag 2026 in Würzburg

Wem gehört die Welt? Dieser Frage stellte sich der BKU gemeinsam mit Misereor beim Katholikentag in Würzburg – mit einem Podium in der Kirche St. Johannis. Die Moderation der Diskussion übernahm Dr. Bernd Villhauer, Geschäftsführer des Weltethos-Instituts. Als „Anwalt des Publikums“ brachte Helena Raspe (Misereor) die verschiedenen Perspektiven der Zuhörer in die Podiumsdiskussion ein.

Den Impuls setzte Dr. Andreas Frick, Hauptgeschäftsführer von Misereor und ZdK-Mitglied: Auch Misereor begrüße die Reform der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, wirksamer, strategischer und marktwirtschaftlicher zu gestalten. Gleichzeitig müssten Lieferketten dennoch aus der Warte der Menschenrechte und Nachhaltigkeit geprüft werden.

Dr. Hubertine Underberg-Ruder, Unternehmerin und BKU-Mitglied, bekannte mit Blick auf die Diskussion um das Lieferkettengesetz: „Ich glaube einfach nicht daran, dass irgendein Kontrollregime, das eben auf Misstrauen und nicht auf Vertrauen beruht, uns da weiterhilft.“ Im Gegenteil führe ein Mehr an Bürokratie letztlich zu weniger zeitlichem Freiraum für unternehmerische Verantwortung für gerechte Liefernetzwerke.

Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Ulrich Hemel, Ehrenvorsitzender des BKU und ZdK-Mitglied, forderte passend dazu ein „Fairtrade-Label für Rohstoffe“ als niedrigschwellige Alternative zum Lieferkettengesetz. Schon die Einführung von Arbeitsschutzmaßnahmen in Steinbrüchen könne Lieferketten nachhaltiger und menschlicher machen.

Reem Alabali-Radovan MdB, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, betonte, die wichtigste Grundlage erfolgreicher Entwicklungszusammenarbeit sei Vertrauen. Wirtschaftliche Zusammenarbeit müsse stets im Sinne nachhaltiger Entwicklung vor Ort stattfinden. Die Debattenkultur des Podiums lobte die Ministerin: Selten habe sie eine so differenzierte Diskussion zum Lieferkettengesetz erlebt.

Dr. Emeka Ani, Bundespastoralrat der Katholiken anderer Muttersprache, mahnte, dass wirtschaftliche Beziehungen zu Entwicklungsländern nicht in Neokolonialismus umschlagen dürften. Rohstoffe würden tonnenweise exportiert, die Umwelt vor Ort zerstört und die Menschen, die in Minen und auf Feldern arbeiteten, könnten sich kaum das Nötigste leisten.

Das Fazit des Podiums aus BKU-Perspektive: Eine gerechte und nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit braucht sowohl Augenhöhe und Werte als auch Vertrauen, das auch eine ehrliche Kommunikation eigener wirtschaftlicher und politischer Interessen erfordert. Gleichzeitig dürfen politische Maßnahmen die dafür notwendige unternehmerische Verantwortung nicht durch zusätzliche Bürokratie erschweren.