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Macht. Geld. Glücklich? Bericht von der Jahrestagung des Jungen BKU 2026

Vom 24. bis 26. April 2026 veranstaltete der Junge BKU in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung seine Jahrestagung in Frankfurt – unter dem Motto „Macht. Geld. Glücklich? Christsein zwischen Profit und Nächstenliebe“. Mit rund 120 Teilnehmern war es die bisher größte Veranstaltung des Jungen BKU. Schauplätze der erfolgreichen dreitägigen Tagung waren der historische Rittersaal des Deutschordenhauses in Sachsenhausen und der Giebelsaal des Hauses am Dom.

Geld, Glück und der innere Kompass – SAP-Finanzchef von Weyhe eröffnet die Tagung

Den Auftakt gestaltete am Freitagabend, dem 24. April, Dr. Carl-Christian von Weyhe, CFO Middle & Eastern Europe bei SAP, im Gespräch mit Moderator Clemens Schweren vom Jungen BKU. Nach Grußworten von Lioba Müller, Vorsitzende des Jungen BKU, Dr. Georg Schneider von der Konrad-Adenauer-Stiftung und Pater Jörg Weinbach vom Deutschorden, der in die Geschichte des Hauses einführte, schlug von Weyhe einen historischen Bogen vom antiken Glücksverständnis zum Glücksverständnis der modernen Psychologie.

Mit Blick auf die Gegenwart stellte er fest, dass ein hohes Einkommen zwar durchaus einen Glücksindikator darstellen könne, Konsum aber nur begrenzt und zumeist nicht nachhaltig das persönliche Glück erhöhe. Stattdessen betonte er: „Gute Beziehungen machen uns glücklicher und gesünder.“ Den Teilnehmern des Jungen BKU riet er: „Ihr müsst das ganze Leben an Eurem Wertegefühl, an Eurem inneren Kompass arbeiten – und hört auf den!“ Zugleich lud er dazu ein, sich grundsätzlich zu fragen: „Wem diene ich denn eigentlich? Was ist wirklich wichtig in meinem Leben?“

Im Anschluss folgte ein gemeinsames Abendessen im Rittersaal, das Jasmin Kucia vom Jungen BKU mit einem interaktiven Kennenlernformat begleitete.

Der Banker,  die Theologin und die Frage nach dem Maßstab – Personalität als Kern der Katholischen Soziallehre

Der zweite Tag begann am Samstag, dem 25. April, im Giebelsaal des Hauses am Dom mit Grußworten von Lioba Müller, Felix Kraft, Landesbeauftragtem der Konrad-Adenauer-Stiftung und Leiter des Politischen Bildungsforums Hessen, Clemens Nebel, Sprecher der BKU-Diözesangruppen und Vorsitzender der Diözesangruppe Rhein-Main, sowie Sigrid Marz, Präsidentin von UNIAPAC International, und BKU-Bundesvorsitzendem Dr. Martin Nebeling. Nebeling betonte in seinem Grußwort die Bedeutung der „Personalität als eines der Kernelemente der Katholischen Soziallehre“ – den Menschen als Ebenbild Gottes als Maßstab unternehmerischen Handelns.

Nach einem Gebetsimpuls von Abt Dr. Mauritius Wilde OSB von der Abtei Maria Laach standen zwei Keynotes zum Tagungsthema auf dem Programm, moderiert von Lioba Müller. Jürgen Fitschen, Vorsitzender der Deutschen Bank Stiftung, und die Theologin Dr. Aleksandra Brand beleuchteten das Tagungsthema aus unterschiedlichen Perspektiven. Während Fitschen aus seiner Karriere als Banker und Manager berichtete und über Geld und Politik sprach, erklärte Brand, welche Rolle Geld im Neuen Testament einnimmt.

Fitschen stellte klar: „Wir sollten nicht sagen: Reichsein ist schlecht, Macht ist nicht akzeptabel. Für mich sind das neutrale Begriffe.“ Kritik übte er jedoch an der wachsenden und demokratisch nicht legitimierten Macht weltweiter Tech-Konzerne – er befürchte eine Welt, in der die Macht des Geldes unkontrolliert bliebe. Brand hingegen entfaltete anhand einer neutestamentlichen Bibelexegese Ansätze einer „Theologie des Geldes“: „Geld ist kein Gott. Weil es nicht göttlich ist, kann es als Medium ernst genommen werden und gestaltet, sowie zur Gestaltung genutzt werden.“ Ihr Fazit: „Geld und Bibel – das geht zusammen!“

Sind Panzer nachhaltig? Braucht die Kirche mehr Unternehmertum? Haushaltspolitik, Kryptowährungen und das Gleichnis von den Talenten

Nach der Mittagspause folgte ein weiteres Panel unter der Moderation von Dr. Martin Konstantin Thelen, das die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dimensionen des Tagungsthemas vertiefte. Emilie Höslinger, Doktorandin am ifo Zentrum für Makroökonomik und Befragung, Prof. Dr. Sebastian Omlor, Universität Marburg, Wolfgang Altenrath von der Pax-Bank für Kirche und Caritas, Abt Dr. Mauritius Wilde OSB und Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit & Corporate Governance bei Deka Investment, diskutierten Fragen, die – wie Omlor es auf den Punkt brachte – immer „rund gehen“: „Geld ist ubiquitär – mit Geld als Thema kann man alle locken.“

Höslinger kritisierte, dass politische Gestaltung nicht nur über zusätzliches Geld gehe – ein Punkt, der in der öffentlichen Debatte zu kurz komme. Der deutsche Staat nehme immer neue Schulden auf; würden diese jedoch nicht für Investitionen mit künftiger Rendite, sondern konsumtiv eingesetzt, steige das Zinsrisiko stetig. „Ursprünglich gab es das Versprechen einer nachhaltigen Finanzpolitik. Politiker müssen merken: Man darf das Vertrauen der Wähler nicht brechen.“ Wilde beobachtete in Klöstern eine „Korrelation zwischen spiritueller und wirtschaftlicher Lebendigkeit“ und stellte fest, dass die Kirche „das Unternehmerische verloren“ habe: „Es fehlt an ökonomischer Kompetenz und Unternehmertum.“ Altenrath bezog sich auf das Gleichnis von den Talenten – „Wir sind aufgefordert, mit unserem Geld etwas zu tun“ – und stellte die Positionierung der Pax-Bank als christlich-ökologische Bank vor, die ihre Kunden bisweilen auch von nicht nachhaltigen Investments abrät. Die Frage, ob Panzer ein nachhaltiges Investment seien, blieb dabei nicht unwidersprochen: Höslinger verwies darauf, dass Panzer sehr wohl als nachhaltig gelten dürften, zumal sie der Verteidigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung dienten. Speich betonte, dass Geld Macht bringe – und mehr Macht mehr Spielraum für ethische Entscheidungen bedeute. Omlor schließlich gewährte einen kundigen Einblick in die Welt der Kryptowährungen.

Unternehmergespräche in Kleingruppen und Ausflüge in Kunst und Stadt

Im Anschluss lud der Junge BKU zu Unternehmerkreisen ein – Gesprächen in Kleingruppen mit erfahrenen Unternehmern und Führungskräften, darunter Dr. Wolfgang Böllhoff, Ehrenvorsitzender des Beirats der Böllhoff-Gruppe, Maria Fischer, Guido Gröning von Kirche in Not, Bernd Kreuter von Palladio Partners, Tobias Liminski, Clemens Nebel, Uwe Rieken, Franziska Weidner, Dr. Rüdiger von Stengel und Dr. Michael Gude. Parallel dazu erhielt eine Gruppe einen exklusiven Einblick in die Economy of Francesco durch Daniele Lonardo, Anwalt und Mitglied von UCID Italien, während eine weitere Gruppe eine exklusive Führung durch die Kunstsammlung der Deutschen Bank genoss. BKU-Geschäftsführer David Dekorsi gestaltete zudem eine eigene Stadtführung durch Frankfurt.

Den Abend beschloss ein Abendessen im Rittersaal des Deutschordens mit einem begeisternden Impuls von Dr. Wolfgang Böllhoff, gefolgt von einem Elevator-Pitch-Format unter der Leitung von Clemens Schweren und Robin Walther. Der Ausklang fand in Altsachsenhausen statt.

Hochamt im Dom und Abschlusspodium zum Tagungsthema „Macht. Geld. Glücklich?“

Im Anschluss versammelten sich die Teilnehmer ein letztes Mal im Rittersaal des Deutschordens zum Abschlusspodium „Macht. Geld. Glücklich?“, moderiert von Robin Walther vom Jungen BKU, mit Ella Heising, Expertin für Startups und Innovations-Ökosysteme, Dr. Andreas Frick, Geschäftsführer von Misereor, Markus Müller, Chief Investment Officer Sustainability und Global Head of Chief Investment Office der Deutschen Bank, Burkhard Leffers, ehemaliges Mitglied des Erweiterten Vorstands der Commerzbank, Franziska Schade, Referentin Politik & Public Affairs bei den Wirtschaftsjunioren Deutschland e.V., sowie Dorian Wetter von Endon Blutbild.

Dank gebührt dem Planungsteam des Jungen BKU um Lioba Müller, Clemens Schweren, Robin Walther, Sviatoslav Marynin, Klaus Müller, Jasmin Kucia, Dr. Martin Thelen und Jan Zupan sowie der Konrad-Adenauer-Stiftung für die Organisation – und den vielen Teilnehmern, die der Einladung nach Frankfurt gefolgt sind.