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Leihmutterschaftskongress der ALfA in Berlin: „Deutschland muss Leihmutterschaft konsequent bekämpfen“

Kurz vor der in Berlin geplanten Verkaufsmesse Wish for a Baby, auf der Frauen als Leihmütter und Kinder als Handelsware präsentiert werden, fand am 6. März 2026 im Haus der Bundespressekonferenz der ausverkaufte internationale Fachkongress „Kinder und Kommerz“ statt. Fachleute aus Recht, Medizin, Politik und Ethik sowie Betroffene forderten ein konsequentes Vorgehen Deutschlands gegen jede Form der Leihmutterschaft.

Cornelia Kaminski, Bundesvorsitzende der ALfA, betonte in ihrer Begrüßung, dass die Sehnsucht nach einem Kind zutiefst menschlich und legitim sei. Menschen, die einen Ausweg aus dem Leid der Kinderlosigkeit suchen, dürften daher nicht verurteilt werden. Wohl aber sei es geboten, die Auswege darauf hin zu überprüfen, ob sie nicht neues Leid schaffen. Dies, sowie die Frage nach Alternativen, sei Gegenstand des Kongresses.

Hochkarätige Fachleute aus Recht, Medizin, Politik und Ethik sowie Betroffene forderten ein konsequentes Vorgehen Deutschlands gegen jede Form der Leihmutterschaft.

Die UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen, Reem Alsalem, war zugeschaltet. Sie bezeichnete Leihmutterschaft klar als „Gewalt gegen Frauen“ sowie „Sklaverei“ und forderte einen internationalen Aktionsplan gegen den globalisierten Leihmutterschaftshandel.

Eine Betroffene, die 34-jährige Olivia Maurel wurde selbst durch eine gekaufte Leihmutterschaft geboren: “Meine erste lebenswichtige Bindung mit meiner Mutter war von Anfang an auf ein Ende ausgelegt. Leihmutterschaft vergisst immer die Kinder – ihr Wohl, ihre Beziehungen und ihre Identität. Ich bin ein solches vergessenes Kind“, sagte die durch Leihmutterschaft geborene Autorin unter Tränen.

Die internationale Expertin und Kinderpsychiaterin Dr. Anna Kováčová berichtete über die Ergebnisse einer anonymisierten Fallstudie: Das Kind litt an mangelnder Konzentration, Sprachproblemen und mangelnder sozialer Kompetenz.

Den rechtlichen Rahmen für Leihmutterschaftsvereinbarungen beleuchteten Dr. Felix Böllmann (ADF International) und Eva Engelken (Frauenheldinnen e.V.): Die notwendigen Gesetze zur Durchsetzung eines vollständigen Verbots in Deutschland seien vorhanden – doch es fehle der Wille, dieses Verbot auch konsequent durchzusetzen.

Auch die sogenannte „altruistische Leihmutterschaft“ sei keine Option, hob Birgit Kelle, Bestsellerautorin, hervor. Nur Agenturen, Ärzte und Rechtsanwälte verdienten bei dieser Form – lediglich die Frau, die alle gesundheitlichen Risiken trage, müsse dabei auf eine Entlohnung verzichten.

Aus philosophisch-theologischer Perspektive sprachen der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Peter Schallenberg(Paderborn) sowie der Theologe und Medizinethiker Prof. Dr. Dorian Winter (Freiburg). Winter betonte, dass der Handel und Besitz von Menschen („Recht auf ein Kind“) Merkmale der Sklaverei seien.

Medizinische Fachexpertise boten PD Dr. Dr. Kai Witzel und Dr. Andreas Weber. Witzel sprach über die Gefahren der Kommerzialisierung in der Medizin, bei der der Leihmutterschaftsmarkt durch enorme Wachstumsraten und Renditen für Investoren hervorsteche, während Weber über medizinische Risiken und Folgen für die Leihmutter referierte.

Im abschließenden Podium mit Weber, Eva Demmerle (Stiftung Tagespost), Witzel und Roxane Köhler (Jugend für das Leben) wurde deutlich: Leihmutterschaft widerspricht dem Schutz von Frauen, Kindern und Familien – und gehört weltweit verboten und geächtet.

 „Dass mitten in Deutschland, trotz Verbot dieser Praxis, auf Babywunschmessen Leihmutterschaftsgeschäfte angebahnt werden, ist ein skandalöses Unrecht. Deutschland muss jetzt handeln und sich an die Speerspitze einer internationalen Bewegung setzen, die dies auf höchster Ebene zur Sprache bringt“, forderte Cornelia Kaminski, Veranstalterin und Bundesvorsitzende der ALfA, am Ende des Kongresses.

 

Text: Michael von Ketteler | Bilder: Norman Gebauer