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Das jüdische Erbe Deutschlands am Beispiel des Coco-Schumann-Projekts

Unter dem Titel „Das jüdische Erbe Deutschlands am Beispiel des Coco-Schumann-Projekts“ lud die BKU-Diözesangruppe Hamburg am 4. November 2026 zu einer hybriden Veranstaltung ins Hotel Reichshof ein.

Der Abend hatte zwei Schwerpunkte: das Leben und musikalische Erbe von Coco Schumann, der als Jazzmusiker Theresienstadt und Auschwitz überlebte und sich als „Musiker, der im KZ war“ verstand, sowie die Arbeit der Israelstiftung in Deutschland. Beide Themen sind durch gemeinsame Veranstaltungen inzwischen miteinander verwoben, etwa als das Ensemble von Alexander Kranich die Verleihung des Zukunftspreises der Israelstiftung im Düsseldorfer Landtag in Anwesenheit des israelischen Botschafters begleitete. Beide stehen auch im politischen Fokus, nicht zuletzt wegen der angespannten Sicherheitslage rund um jüdische Themen in Deutschland.

Alexander Kranich, Vorstandsmitglied BKU-Diözesangruppe Hamburg, ordnete den Jazz als Ausdruck von Opposition im NS-Regime ein: Die Nationalsozialisten verfemten ihn als „undeutsch“, Musiker tarnten Titel und Rhythmen. Er schilderte zudem Propaganda-Jazz, die alliierten „Victory Discs“ und die Ghetto Swingers in Theresienstadt, deren vom NS-System propagandistisch inszenierte Auftritte ein stark geschöntes Bild der Lagerverhältnisse vermittelten.

Ausgangspunkt des Projekts war eine gemeinsame Musiksession mit Coco Schumann 2017, kurz vor dessen Tod. Zum 100. Geburtstag 2024 rekonstruierte Alexander Kranich nie aufgenommene Kompositionen. Mit dem gerade veröffentlichten zweiten Album stehen jetzt – nach rund 40 Konzerten mit dem ersten Album – im April die Elbphilharmonie und danach das Berliner Konzerthaus und weitere Auftritte auf dem Plan.

Frank Liedtke, Vorstandsmitglied [der …], stellte die Israelstiftung in Deutschland vor (mit Sitz in Münster, gegründet 2005 auf Initiative von Karl-Heinz Volkert). Unter dem Leitgedanken „Für das Erinnern. In Zukunft!“ fördert sie Erinnerungsarbeit und Engagement gegen Antisemitismus, etwa mit dem Zukunftspreis (5.000 Euro). Zuletzt ging er an Daniel Lörcher (BVB) für die Fahrten von BVB-Fans zur KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Frank Liedtke berichtete von Begegnungen in Israel, darunter mit Gabriel Bach, dem stellvertretenden Ankläger im Eichmann-Prozess, und von wachsenden Gräben zwischen Israelis und Palästinensern. Seit dem 7. Oktober 2023 habe der Antisemitismus weltweit zugenommen, auch in Hamburg; die Familie des früheren Hamburger Antisemitismusbeauftragten sei nach Bedrohungen nach Israel gezogen. Frank Liedtke unterschied klar zwischen Israels Existenzrecht und Kritik an der Kriegsführung der Regierung von Benjamin Netanjahu. Sein Fazit: „Nie wieder“ brauche gelebtes, gemeinsames Engagement und eine stärkere Vernetzung der Menschen guten Willens.

Heinrich von Wulfen