Einen besonderen Einblick in das Herz der Hamburger Justiz erhielten die Mitglieder der Diözesangruppe Hamburg des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) bei ihrem Treffen am 4. November 2025. Tagungsort war diesmal nicht ein klassischer Veranstaltungsraum, sondern das Haus der Gerichte am Lübeckertordamm in Hamburg – ein Ort, an dem täglich Recht gesprochen und der Rechtsstaat konkret gelebt wird.
Unter dem Motto „Hinter die Robe geschaut“ folgte die BKU-Diözesangruppe Hamburg der Einladung von Christoph Schoenfeld, Vizepräsident des Hamburgischen Verfassungsgerichts und Präsident des Hamburgischen Finanzgerichts. Schoenfeld, selbst engagierter Katholik, Familienvater und Sprecher des Freundeskreises der Katholischen Akademie Hamburg, eröffnete den Abend mit einem persönlichen wie fachlich fundierten Zugang zur Bedeutung der Gerichtsbarkeit für Wirtschaft und Gesellschaft.
Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die Rolle der Justiz als verlässlicher Ordnungsrahmen für wirtschaftliches Handeln. Gerade für Unternehmerinnen und Unternehmer sei Rechtssicherheit eine unverzichtbare Grundlage, betonte Schoenfeld. Besonders anschaulich wurde dies am Beispiel des Hamburgischen Finanzgerichts, dessen Zuständigkeit im Zollrecht weit über die Stadtgrenzen hinausreicht: Für Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist es die zentrale Instanz in zollrechtlichen Streitfragen – und damit für sämtliche Küstenländer der Bundesrepublik von erheblicher Bedeutung.
Vor dem Hintergrund aktueller weltwirtschaftlicher Entwicklungen, in denen Zölle zunehmend wieder als politisches Instrument eingesetzt werden, gewann dieses Thema zusätzliche Brisanz. Schoenfeld machte deutlich, wie stark globale Handelskonflikte, europäisches Recht und nationale Gerichtsbarkeit miteinander verwoben sind – und welche Verantwortung Gerichte dabei tragen, wirtschaftliche Interessen und rechtliche Prinzipien in Einklang zu bringen.
Der Rundgang durch das Haus der Gerichte war ein besonderes Erlebnis. Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in sonst nicht öffentlich zugängliche Bereiche, wie etwa die Arrestzellen, besichtigten Sitzungssäle und erfuhren mehr über die Sitzordnung der Prozessbeteiligten. Dargestellt wurde auch der Grundsatz der Öffentlichkeit von Verhandlungen sowie die Bedeutung der Mitwirkung ehrenamtlicher Richter bei der Entscheidungsfindung. Dabei wurde greifbar, wie sehr räumliche Gestaltung, Verfahrensabläufe und richterliche Unabhängigkeit zusammenwirken, um faire und transparente Entscheidungen zu ermöglichen.
Der Abend bot damit weit mehr als eine klassische Führung: Er war eine Begegnung mit dem Rechtsstaat aus nächster Nähe – sachlich, persönlich und mit Blick auf die Verantwortung, die Unternehmer wie Juristen gleichermaßen tragen. Für die BKU-Diözesangruppe Hamburg wurde einmal mehr deutlich, dass wirtschaftliches Handeln, ethische Orientierung und eine funktionierende Justiz untrennbar miteinander verbunden sind.
Am Ende verließen alle Teilnehmenden – wie augenzwinkernd angekündigt – das Gerichtsgebäude wieder als freie Menschen, bereichert um neue Perspektiven auf einen Ort, der sonst meist nur aus der Distanz wahrgenommen wird. Schoenfeld schloss seinen Blick hinter die Robe mit dem Appell an uns, für unseren Rechtsstaat zu werben. Dass wir unabhängige Gerichte haben, die im Rahmen eines rechtsstaatlichen Verfahrens entscheiden, sei ein kostbares Gut. Dafür einzustehen sei Verpflichtung aller Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt und dieses Landes.
Text: Frank Liedtke
Bild: Staro1, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons