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Mit Intelligenz und Werten zur klimafreundlichen Energieversorgung – Ein Beitrag zur nachhaltigen Energiewende

Dr. Thomas Tietz, Leiter des AK Energie und Nachhaltigkeit im BKU, forderte auf der diesjährigen BKU-Bundestagung in Koblenz angesichts von Wirtschaftskrise, Klimawandel und christlicher Schöpfungsverantwortung eine neue Energiepolitik.

von Thomas Tietz

Die Energiewende ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Sie verlangt technologische Innovationen, gesellschaftliche Verantwortung und politische Entschlossenheit. Problembewusstsein reicht nicht. Es braucht den Mut, sich disruptiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Menschen sind eher bereit, sich auf Veränderungen einzustellen, wenn Energiepolitik ehrlich und mit Perspektive kommuniziert wird. Eine erfolgreiche Energiewende und ein starker Wirtschaftsstandort sind dabei kein Widerspruch. Beides kann gelingen.

Energie verstehen – Von der Sonne bis zur Gesellschaft

Albert Einstein erkannte 1905 die Äquivalenz von Energie und Masse. Die Sonne, unser wichtigster Energielieferant, wandelt pro Sekunde Millionen Tonnen Wasserstoff in Energie um und könnte damit den Energiebedarf der Menschheit für eine Million Jahre decken. Diese natürliche Energiequelle zeigt, wie mächtig und zugleich nachhaltig Energie sein kann, wenn sie richtig genutzt wird. Zugleich öffnet sie einen Einblick in die Größe Gottes, der das Universum und unsere Welt erschaffen hat: Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde (Genesis 1,1). Im selben Jahr schrieb Einstein an Conrad Habicht den Satz, ob der Herrgott nicht darüber lacht.

Die Schöpfung bewahren – Laudate Deum und der Mut zur Veränderung

Die Enzyklika Laudate Deum von Papst Franziskus (2023) betont die Dringlichkeit des Klimaschutzes aus moralischer und sozialer Perspektive. Der Klimawandel ist nicht nur ein ökologisches, sondern ein ethisches Problem, das Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit und globale Verantwortung betrifft. Umweltzerstörung trifft besonders jene, die am wenigsten Möglichkeiten haben, sich anzupassen, weshalb Klimaschutz eine Frage von Solidarität und Fairness wird. Die Enzyklika verbindet die Sorge für die Erde mit der Sorge füreinander und unterstreicht, dass ökologische Verantwortung und soziale Gerechtigkeit zusammengehören. Bischöfe aus den USA, der Amazonasregion und Afrika weisen darauf hin, dass Angriffe auf die Natur unmittelbare Folgen für das Leben der Menschen haben. Acht Jahre nach Laudato si’ kritisiert der Papst unzureichende Fortschritte und fordert einen entschlossenen Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien. Diese moralische Perspektive ergänzt technische und wirtschaftliche Debatten und zeigt, dass die Energiewende auch eine Aufgabe der Gerechtigkeit und der Bewahrung der Menschenwürde ist.

Prinzipien für eine nachhaltige Energiewende

Die Energiewende muss sich auf klare Grundsätze stützen. Entscheidungen sollen gemäß dem Subsidiaritätsprinzip möglichst lokal getroffen werden. Das Verursacherprinzip verlangt Verantwortung dort, wo Emissionen entstehen. Ein systemischer Ansatz ist erforderlich, der Technologien und Prozesse ganzheitlich bewertet, etwa mithilfe von Cradle-to-Cradle-Konzepten oder LCOE-Kennzahlen. Ebenso wichtig ist es, mit der Natur zu arbeiten, zum Beispiel durch natürliche Lüftung statt aufwendiger Technik. Erneuerbare Energien bieten die Chance, CO₂-Emissionen zu reduzieren und die Energieautarkie zu stärken.

Not tut eine Energiepolitik, die Subsidiarität, Verursacherprinzip und systemische Ansätze verbindet, den Energiemix zwischen zentraler und dezentraler Versorgung neu austariert und stärker mit der Natur arbeitet statt gegen sie. Ziel ist eine bezahlbare und klimafreundliche Energieversorgung, die Importabhängigkeiten reduziert und mit minimalem Ressourceneinsatz maximale CO₂-Einsparungen ermöglicht.

Marktgerechte Steuerung statt Bürokratie

Eine erfolgreiche Energiewende erfordert eine intelligente und marktkonforme Steuerung. Bürokratieabbau gelingt durch klare Zielvorgaben, die detaillierte Regulierung ersetzen. Der Preis muss als zentrales Steuerungsinstrument wirken, um Motivation und Effizienz zu erhöhen. Maßnahmen sollten nach ihrer Wirkung priorisiert werden, im Sinne einer 80/20-Regel. Ein CO₂-Preis, der schrittweise steigt, setzt verlässliche Anreize. Fördermittel sollten dezentral wirken, um regionale Unterschiede zu berücksichtigen. Eine entschlackte Gesetzgebung ist notwendig, um technisch, wirtschaftlich und sozial sinnvolle Lösungen zu ermöglichen.

Es braucht klare Zielvorgaben statt Detailregeln, eine kluge Nutzung von Preis- und Förderinstrumenten und einen regulatorischen Rahmen, der Innovationen wie das bidirektionale Laden von E-Autos ermöglicht.

Neue Technologien sinnvoll einsetzen

Die Digitalisierung verändert die Energiewelt grundlegend. Verbraucher entwickeln sich zu Prosumern, die Energie gleichzeitig erzeugen und nutzen. Dezentrale und virtuelle Einheiten gewinnen an Bedeutung, verbessern Stabilität und erhöhen die Effizienz des Gesamtsystems. Wasserstoff muss gezielt eingesetzt werden, besonders im Schwerlastverkehr und der Luftfahrt. Kleine Elektrolyse-Einheiten können als dezentrale Speicherlösungen dienen. Regulierung und technische Möglichkeiten müssen in Einklang stehen, damit Innovationen nicht blockiert, sondern gefördert werden.

Es braucht eine punktgenaue Förderung von Wasserstoff, den Ausbau dezentraler Speicherlösungen und regulatorische Rahmenbedingungen, die technologische Entwicklungen nicht behindern, sondern ermöglichen.

Anpassung an neue Marktstrukturen

Erneuerbare Energien wie lokale PV-Anlagen eignen sich besonders für Sektoren mit niedriger bis mittlerer Energieintensität wie Wohnungsbau und mittelständische Unternehmen. Die energieintensive Industrie benötigt hingegen großflächige Lösungen wie z.B. Offshore-Parks. Leistungsfähige Speicher und moderne Netze erweitern die Einsatzmöglichkeiten erneuerbarer Energien erheblich, wenn sie marktwirtschaftlich betrieben werden.

Ausblick – Mut zum Paradigmenwechsel

Die Energiewende ist möglich, sozialverträglich, wirtschaftlich sinnvoll und ökologisch notwendig. Sie erfordert Mut zur Veränderung, Ehrlichkeit, interdisziplinäre sowie internationale Zusammenarbeit und eine klare Vision. Eine gelingende Energiewende braucht mehr Risikobereitschaft, kommunikative Offenheit und eine Soziale Marktwirtschaft, die auf Verantwortung und Innovation setzt. Mit Intelligenz und Werten kann dieser Wandel gelingen.

Über Dr.-Ing. Thomas Tietz

Dr. Tietz ist Managing Partner und verfügt über mehr als 30 Jahre internationale Berufserfahrung. Zuvor arbeitete Dr. Tietz bei Booz, Allen & amilton(heute: PWC Strategy&) sowie als Director bei Arthur D. Little im Bereich Digital Mobility.

Beratungsschwerpunkte sind die Unterstützung von Unternehmen aus der Energiewirtschaft, der Immobilienwirtschaft sowie der Telekommunikation und IT.

Kernkompetenzen liegen in der Strategieentwicklung, dem Multiprojekt­management sowie den Bereichen Digitalisierung und Wasserstoff.

Dr. Tietz studierte der RWTH Aachen Maschinenbau und promovierte im Bereich Triebwerkstechnik. Er besitzt einen Master of Science (USA) im Bereich Aerospace Engineering – Stationen der beruflichen Weiterbildung führten ihn an die Hochschule St. Gallen (HSG) sowie die Stanford Business School.