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Kommentar von Prof. Dr. Dr. Ulrich Hemel

Zwischen Gewinnstreben und sozialer Verantwortung



In einem Kommentar für die Kölner Kirchenzeitung, der dort am 16. April in einer leicht gekürzten Fassung erschienen ist, hat sich der BKU Bundesvorsitzende mit der Situation des Unternehmers zwischen Gewinnstreben und sozialer Verantwortung befasst. Hier noch einmal der Beitrag in voller Länge zum Nachlesen. 
Selbstverständlich muss ein Unternehmer immer die Wirtschaftlichkeit seines Betriebes im Blick haben. Allerdings darf die Absicht, Gewinne zu erzielen, nicht dazu führen, dass der notwendige Gleichklang von Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung aus den Fugen gerät. Der Unternehmer, der aus christlicher Verantwortung heraus führt und handelt, orientiert sich in aller Regel an den Prinzipien der Christlichen Gesellschaftslehre. Dieses Fundament gibt ihm im besten Fall die Freiheit, kreativ zum Wohle seiner Kunden und seines Unternehmens zu handeln und den Wohlstand aller Beteiligten zu mehren. Dabei gehen wirtschaftlicher und ethischer Mehrwert Hand in Hand. Schließlich geht es auch im Wirtschaftsleben darum, Vertrauen zu schaffen, zu erhalten und zu mehren. Genau darin besteht der „ethische Mehrwert“ eines gut geführten Unternehmens: Es schafft Vertrauen.

Führungskräfte, die nach christlichen Grundsätzen tätig sind, geben ihren Teams den notwendigen Raum und Rückhalt, um nicht nur wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten, sondern auch die eigene Leistung als schöpferischen Beitrag zum gemeinsamen Erfolg des Unternehmens zu erkennen. Arbeit ist ja immer auch Teilhabe und Ausdruck von Menschenwürde. Um das sicher zu stellen, schafft der Arbeitgeber attraktive Arbeitsplätze. Der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin wird so in die Lage versetzt, in seinem oder ihrem Bereich Verantwortung für sich selbst und die Gemeinschaft zu übernehmen. Das geht aber nur dann, wenn der Unternehmer sich seiner sozialen Verantwortung bewusst ist. Deshalb wird er alle, die zum Erfolg des Unternehmens beitragen, in einer angemessenen Weise daran beteiligen. Die Ausgestaltung dieser Beteiligung variiert in der Praxis stark.

Der Mensch ist keine Maschine, deshalb gehört es zur unternehmerischen Verantwortung, ihn mit seinen Sorgen und Ängsten ernst zu nehmen. Viele Mitarbeiter machen sich heute zunehmend Gedanken um die Folgen, die die Digitalisierung für ihren Arbeitsplatz mit sich bringt. Auch hier fällt es christlich denkenden Führungskräften leichter, sich in die neue Rolle einzufinden, die die Digitalisierung von ihnen erfordert, beispielsweise weil das Prinzip der Personalität Grenzen für den ethisch fragwürdigen Umgang mit Daten setzt. Denn christlicher Glaube bietet hierbei konkrete Handlungsempfehlungen: Das Prinzip der Führung als Dienstleistung oder der dienenden Führung („Servant Leadership“) ist entscheidend durch ihn geprägt. Heilige wie Elisabeth von Thüringen oder Sankt Benedikt mit der Benediktregel dienen hier als Vorbilder.

Die Werte christlichen Denkens helfen dabei, konkret herauszufinden, was Digitalisierung  für das Unternehmen bedeutet: Vertrauensvolle Führung senkt beispielsweise Transaktionskosten und fördert die Fähigkeit, durch die notwendigen Veränderungsprozesse zu führen. Insoweit ändern sich vielleicht die Wege der Unternehmensführung, aber nie die soziale Verantwortung des Unternehmers. Und dies gilt auch in Härtefällen. Denn wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin nicht in die Welt der Anforderungen eines Unternehmens passt, ist das „Mitschleppen“ nicht die beste Lösung. Oft ist es ehrlicher, sich wechselseitig einzugestehen: „Hier ist nicht der richtige Ort, um gemeinsam zur besten Leistung zu kommen.“ - Entscheidend ist also nicht ein falsch verstandener romantischer Kuschelkurs, sondern die sinnvolle Kombination von Wertschätzung und Wertschöpfung. 

Dieser Beitrag erschien in leicht gekürzter Fassung am 16. April in der Kölner Kirchenzeitung.

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