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BKU Köln diskutiert über ethische Unternehmensführung – von gestern oder unabdingbar?

„Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral?!“

Ist Ethik noch ein Bestandteil einer verantwortungsbewussten Unternehmenskultur? Schon beim kurzen Blick in die Tageszeitung könnte man darüber ins Zweifeln geraten: Skandale im Banken-Sektor, Enthüllungen in der Automobilbranche ¬ Bestechungen und Machtmissbrauch scheinen nicht nur in diesen Branchen an der Tagesordnung zu sein. Ideen und Werte treten scheinbar in den Hintergrund. Doch Ehrlichkeit und Moral sollten auch heute wesentliche Bestandteile einer gesunden Unternehmenskultur sein, denn sie führen nachweislich zu nachhaltigem Erfolg. Und das nicht nur in der Führungsetage, die Orientierung schaffen sollte, sondern auch bei den Mitarbeitern, die das ganze Unternehmen mittragen.

Die Frage, wie eine verantwortungsvolle ethische Unternehmungsführung gelingen kann, diskutierte die DG Köln mit Freunden und Gästen in der Kanzlei Hecker Werner Himmelreich.

Prof. Manfred Maus (Vors. DG Köln), Dr. Norbert Reuber (Gastgeber), Prof. Dr. Justinus Pech, Tobias Graff von Bernstoff
Köln, Kanzlei Hecker Werner Himmelreich -

Die beiden Referenten Pater Prof. Dr. Dr. Justinus Pech (Gründer und Leiter des Instituts für Führungsethik im Kloster Stiepel in Bochum und Professor für Fundamentaltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. im österreichischen Heiligenkreuz) und Tobias Graf von Bernstorff (Bankhaus Metzler, Leiter der Geschäftsstelle Köln/Bonn) gaben Einblick in ihre auch sehr praktischen Erfahrungen. Die Veranstaltung moderierte unser Vorstandsmitglied Dr. Oliver Schillings.

Mit der Diskussion eröffnete die DG Köln eine Reihe von Veranstaltungen rund um das Thema einer ethischen Unternehmensführung. Am Jahresende, so der Plan, sollen konkrete Ansätze vorliegen, ob und wie sich eine solche Führung implementieren lässt – ob als Zertifikat oder in Form einer Akademie. Tenor herrschte auf jeden Fall darüber, dass es den Bedarf gibt und dass der BKU in der Lage ist, einen solchen Standard zu definieren.

Den Einstieg machte Prof. Dr. Justinus Pech, der die Bedeutung von Führungsethik ausführte und diesen Begriff inhaltlich füllte, wie man sich als Unternehmer und Entscheider im Alltag an Normen und Werten orientieren soll(te). Eine klare Absage gab es an das angebliche Konkurrenzverhältnis zwischen ethischem Verhalten und Unternehmens- respektive persönlichem Erfolg.

Pech zeigte stattdessen auf, dass Fehlverhalten zum einen personenbezogen ist. Damit ist ein Lösungsansatz mit der Antwort auf die Frage gegeben, wofür man etwas tut („purpose“ oder der Zweck des eigenen Handelns). Zum anderen hängt eigenes Verhalten immer vom Umfeld ab – ein zweiter Ansatz: Manager können auf dieser Metaebene die Zwänge reflektieren, die zum Beispiel durch die Eigentümerstruktur oder Gesellschaftsform gegeben sind. Aktiengesellschaften müssen viel stärker und transparenter argumentieren, um deutlich zu machen, warum sie welche Strategie wählen. Einfacher ist die Kommunikation natürlich, wenn es „lediglich“ um eine weitere Steigerung der Quartalszahlen geht.

Tobias Graf von Bernstorff zeigte am Beispiel seiner eigenen Erfahrungen, dem Erleben beim Bankhaus Metzler, wie diese beiden Aspekte sinnvoll zusammengeführt werden können. Für ihn sind sie die Eckpunkte für ethischen, nachhaltigen und langfristigen Erfolg, zusammengefasst als die vier D’s: den Kunden dienen, den Mitarbeitern dienen, den Eigentümern dienen und der Gesellschaft dienen. Wird allen vier Anforderungen entsprochen, so ist es ethisches gutes Handeln und im Sinne eines langfristigen Unternehmenserfolgs.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Rahmenbedingungen in verschiedenen Branchen sehr unterschiedlich sind – und eine entsprechend differierende Ausrichtung erfordern. Hier will die DG Köln in einer nächsten Veranstaltung versuchen, die branchenspezifischen Anforderungen genauer in den Blick zu nehmen.

Viele Wortmeldungen drehten sich um die Person des Unternehmers, wie eine Führungspersönlichkeit eine eigene Führungsethik entwickeln und sich damit innerhalb des Unternehmens positiv positionieren kann.

Generell war spürbar, dass sich viele BKU-Freunde diesem wichtigen Thema weiter widmen wollen. Wie brachte es einer der Gäste auf den Punkt: Wenn nicht wir, wer dann?

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