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17.09.17 | Bericht von Richard Schütze

Ausgewildert in Neuzelle

Nun sind sie wieder da und wollen erneut sesshaft werden. Eine erste Vorhut aus dem Kloster Heiligenkreuz bei Wien ist vor wenigen Wochen eingetroffen. Nach einer rund zweihundertjährigen Pause wagen zunächst vier Mönche in Sichtweite der polnischen Grenze einen Neuanfang: Pater Simeon Wester aus dem Rheinland als Prior, Pater Kilian Müller aus Hessen verantwortet die ökonomischen Grundlagen, Pater Philemon Dollinger aus Ulm arbeitet als Religionslehrer in

In Brandenburg gibt es jetzt wieder Zisterziensermönche (Cartoon: Bernhard Rindt)
den örtlichen Schulen und Pater Aloysius Maria Florin Zierl aus Marktoberndorf im Allgäu kümmert sich um den Haushalt und die Sakristei.

Vor 750 Jahren hatten sich die Zisterzienser das erste Mal in Neuzelle niedergelassen. Damit begann eine wechselvolle Geschichte. Der katholische Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt, hat sie nun eingeladen und gebeten, sich wieder in Neuzelle anzusiedeln. Und auch die Bevölkerung rund um die hochbarocke Stifts- und Klosterkirche heißt die Mönche willkommen: „Gott sei Dank, dass Ihr wieder da seid!“ Viele Beter in der Gemeinde haben sich nach dem Fall der Mauer (1989) dieses zweite Wunder gewünscht: Die Rückkehr der Mönche.

Voraussetzung ist allerdings, dass das im Entstehen befindliche Priorat Neuzelle unabhängig von der Mutterabtei in Heiligenkreuz auch ökonomisch eigenständig auf die Beine kommt. Und die Mönche nicht mehr im Pfarrhaus Unterschlupf finden müssen, sondern nah bei der Stiftskirche eine eigene, auf Zuwachs angelegte und ausbaufähige Immobilie erwerben können. „Wenn alles gut geht, werden in den kommenden Monaten weitere Mönche nach Neuzelle gesandt und – so Gott will – wird im September 2018 feierlich und offiziell das ‚Priorat Neuzelle‘ kanonisch errichtet; beten Sie mit uns für diesen hoffnungsfrohen Neuanfang!“ so der Prior.

Gott wirft die Netze aus

Auch Pfarrer Ansgar Florian freut sich über die Neuansiedlung der Zisterzienser. Er empfängt die rd. 20 Mitglieder, Gäste und Freunde des „Bundes Katholischer Unternehmer“ (bku) bei deren Ausflug nach Neuzelle am 17. September 2017. Kenntnisreich und mit Stolz führt er durch die im 17. Jahrhundert errichtete, mehrfach um- und ausgebaute und prachtvoll ausgestaltete Barockkirche. Seine Führung nutzt er zugleich für eine kleine Katechese, die entlang der Deckenmalereien zu einer vertieften Betrachtung des Lebens Jesu und der Mysterien der Kirche anregt.

Beim Flanieren durch die in Terrassen gestaltete Parklandschaft rund um die Anlage kommen die Gäste des bku ins Gespräch mit den Mönchen und dem Pfarrer, der die Zisterzienser vorerst in seinem Pfarrhaus beherbergt. Den Geistlichen geht es vor allem darum, die Sakramente zu spenden und sich dafür in Dienst nehmen zu lassen. Im 21. Jahrhundert wollen die Mönche ein zeitgerechtes Glaubenszeugnis geben, aber auch pastorale Arbeit leisten und das Gebetsleben neu erwachen lassen. Wo bereits zu DDR-Zeiten ein Priesterseminar be- und den realen Sozialismus nebst SED-Diktatur überstand, sollen die christliche Perspektive und Vision neue Kraft gewinnen. „Gott ruft und beruft – und endlich hört mal wieder jemand hin“, erläutern die Mönche am Nachmittag in geselliger Runde mit Kaffee und Kuchen im Pfarrhaus ihren Auftrag.

Nach guten Gesprächen laden sie dann am Abend noch zur Komplet in die Kirche. „Im Singen kommt die Anthropologie des Menschen zum Ausdruck“, sind sich die Zisterzienser sicher. Am Ausgang der Kirche liegen Postkarten: Zwei Wölfe betrachten eine Zeitungsseite und der eine sagt zum anderen: „Haste schon gelesen? In Neuzelle sollen wieder echte Mönche ausgewildert werden!“ Das ist kein Fake - Gott sei Dank.

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Foto: Norman Gebauer  |  Fotocollage: Fides Mahrla

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