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Dialogveranstaltung äUnternehmenskultur im 21. Jahrhundertô

17.06.2016 Wirtschaft N.E.U. denken

Unter den Aspekten „Vielfalt erkennen und leben – Werte schöpfen“ kamen am 17.06.2016 in den Räumlichkeiten der Aachener Bank e.G. 90 Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region mit anderen Interessierten zusammen, um nach einem Impulsvortrag im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit anschließender Fragerunde in Diskussion und Austausch zu treten.

Die deutsche Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Werte und Normen stehen vermehrt auf dem Prüfstand. Diese Entwicklung nahm die DG Aachen mit ihrem Vorsitzenden Andree Brüning, der ebenso Mitglied des BKU-Bundesvorstands ist, zum Anlass,
Aachen - sich mit der Thematik „Wirtschaft N.E.U. denken – Unternehmenskultur im 21. Jahrhundert“ in Form eines Diskussionsabends auseinanderzusetzen.

Mit der einfachen Frage „Was verstehen wir eigentlich konkret unter dem Jahresmotto des BKU ‚Wirtschaft NEU denken‘?“ eröffnete Brüning die Veranstaltung. Aufbauend auf den drei Säulen der katholischen Soziallehre - Subsidiarität, Solidarität, Personalität – sollten Veränderungen im Kleinen, d.h. in der eigenen Stadt oder Region, angestoßen werden, der Blick auf das Große aber dennoch nie aus den Augen verloren werden, so Brüning weiter.

Im Anschluss hießen die Schirmherren Marcel Philipp, Oberbürgermeister der Stadt Aachen, und Dr. Andreas Frick, ständiger Vertreter des Diözesanadministrators, hießen die etwa 100 Teilnehmer der Veranstaltung, die in Kooperation mit der Stadt sowie dem Bistum Aachen organisiert wurde, willkommen. Philipp setze bereits in seinen Eröffnungsworten erste thematische Impulse und betonte die Bedeutung des Grundverständnisses des Einzelnen als Ausgangspunkt für Entwicklungen der Gesamtwirtschaft. Trotz des Wissens über moderne Auswüchse der Wirtschaft werde nicht gehandelt und zu viele Menschen verschlössen sich vor den Fakten und den daraus zu ziehenden Konsequenzen. Gerade deshalb seien Veranstaltungen zu Austausch und Diskussion von großer Bedeutung, um den „Samen zum Umbruch“ pflanzen zu können. Andreas Frick griff diesen Faden auf und fügte hinzu, dass Gesellschaft grundsätzlich Vernetzung brauche. Diese entstehe durch Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Den thematischen Einstieg gestaltete BKU-Mitglied Dr. Michael Metten, Geschäftsführer von METTEN Stein+Design, mit einem Impulsvortrag zur dort beispielhaft gelebten Unternehmenskultur vor dem Hintergrund der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts wie der digitalen Transformation, des demografischen Wandels oder der Migration. Als Antwort auf die Frage, was Unternehmen in unserer Zeit erfolgreich mache, nannte Metten Menschen, Strategie, Produkte, Kreativität, Familie und Mut.

Großen Einfluss auf den Erfolgsfaktor Mensch habe vor allem die Unternehmenskultur, die einem Zitat von Jill Schmeichel zufolge als „die Summe aller Selbstverständlichkeiten in einem Unternehmen“ definiert werden könne. Die prägenden Werte einer solchen Kultur - Handschlagqualität, Langfristigkeit, Leistung, Ehrlichkeit, Wertschätzung, Loyalität - hätten konkreten Einfluss auf das Tagesgeschäft von METTER Stein+Design. So stellten flache Hierarchien, Selbstverantwortung der Mitarbeiter und Offenheit gegenüber Innovationen elementare Bausteine der gemeinsamen Arbeit dar. Werte würden aber nicht nur durch das Unternehmen von den Mitarbeitern eingefordert sondern beruhten auf Gegenseitigkeit. So berichtete Metten von der positiven Resonanz auf die offene und nicht beschönigende interne Informationskultur zu Zeiten der Finanzkrise. „Wenn Werte wirklich gelebt werden und zur Unternehmenskultur gehören, müssen sie situationsunabhängig wirken – und nicht nur dann, wenn sie gerade nützlich sind.“, so Metten wörtlich. Weitere Beispiele sind für ihn die Abschaffung der Berichtskultur und der erfolgsabhängigen Vergütung.

Aufgabe eines Unternehmens sei nicht lediglich das Erzielen von Gewinnen sondern ebenfalls die Sinnstiftung. So könne durch das Zusammenbringen unterschiedlicher Menschen, der Bereitschaft, jeden Einzelnen als Individuum zu akzeptieren und Verschiedenartigkeit zuzulassen, ein Klima des gegenseitigen Respekts und Vertrauens entstehen, das das Unternehmen für die kommenden Herausforderungen wappnet. So könnten sich Kreativität und Leidenschaft entfalten. „Wichtiger als Strategie ist die Kultur.“, fasste Metten seine Position zusammen.

Aufbauend auf diesen Gedanken, leitete Rica Reinisch, die Moderatorin des Abends, über zur Podiumsdiskussion, die durch Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Kirche und Familie verschiedene Blickwinkel auf die Thematik behandelte. Professor Dr. Margot Ruschitzka, TH Köln, Jens Ulrich Meyer, Vorstand der Aachener Bank e.G. und Gastgeber des Abends, Marie-Luise Dött MdB, BKU-Bundesvorsitzende,  Dr. Andreas Frick und Dr. Elisabeth Müller, Bundesvorsitzende des Verbandes kinderreicher Familien, legten dar, dass der offene Dialog sowie die Erfahrungen jedes Einzelnen dazu beitragen, Ängsten und Chancen im Wandel zu begegnen und hieraus gemeinsam neue Denk- und Lösungsansätze für eine Orientierung im Führungsalltag zu entwickeln.

Frick forderte, das Vorleben christlicher Werte wie Glaubwürdigkeit, Menschlichkeit und Ehrlichkeit nicht auf das Private zu beschränken sondern auch in der Rolle als Arbeitgeber zu praktizieren. Dort wo Menschen sich begegnen, entstehe die Grundlage ethischen wirtschaftlichen Handelns. Dött  betonte die Bedeutung der Kommunikation zwischen verschiedenen Generation für ein gesundes Zusammenleben, ging auf die Rolle der Politik beim Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein und erläuterte insbesondere, wie diese in Familienunternehmen praktiziert wird. Müller unterstrich die Relevanz dieses Themas für den wirtschaftlichen Fortschritt und wehrte sich gegen eine Polarisierung der Rolle der Frau in Bezug auf berufliche Tätigkeit.

Ruschitzka sah in Strukturierung und Standardisierung einen der Hauptansatzpunkte des deutschen Mittelstandes, um sich modernen Entwicklungen anzupassen und auf neue Strömungen zu reagieren – jedoch ohne den Menschen zu vergessen. Unter der Voraussetzung von reziprokem Respekt und Verantwortung könnten Freiräume für Kreativität geschaffen werden, die den Mittelstand als Stütze der Wirtschaft festigen. Beim Thema der Unterschiede zwischen verschiedenen Generationen, stellte Jens Ulrich Meyer die Herausforderung gängiger neuer Karriereentwürfe heraus. Weiterhin erläuterte er das genossenschaftliche Grundprinzip, das basierend auf Vertrauen und Transparenz in der Aachener Bank e.G. einen elementaren Baustein der Unternehmenskultur und des Wertegerüstes ausmache. Die Diskussion schloss mit dem zusammenfassenden Aufruf, Mut zu haben, Kreativität zu wagen und Werte durchzusetzen.

Durch anschließende Argumentationsbeiträge und Nachfragen aus dem Publikum hatten auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, ihre persönlichen Positionen einbringen. Auch nach Abschluss der ausgiebigen Fragerunde war die Diskussionslust der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht gestillt: Beim anschließenden Get-together bildeten sich zahlreiche Kleingruppen, die die verschiedenen Positionen aber auch mögliche Lösungsansätze und Antworten bei einem Glas Wein erörterten.

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