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Christiane Woopen berichtet von der Arbeit des deutschen Ethikrats

Das Gewissen der Nation?

Ein spannender Vortrag und eine lebhafte Diskussion - das ist das Fazit von Prof. Dr. Christiane Woopen, Vorsitzende des deutschen Ethikrats, bei der DG Köln.
Christiane Woopen (Vors. deutscher Ethikrat) wird von Anton Bausinger (DG Köln) begrüßt.

Zahlreiche BKU-Mitglieder und Gäste nutzten am 15. September die Gelegenheit, sich im Konferenz-Zentrum der Friedrich Wassermann GmbH über die Arbeit des deutschen Ethikrats zu informieren. Dessen Vorsitzende, Prof. Dr. Christiane Woopen (Uni Köln), berichtete über Aufgaben, Arbeitsweise und Themen des Gremiums. Als Ärztin und Philosophin vermochte Frau Prof. Woopen die Zuhörer durch Darstellung des Facettenreichtums aktueller Themen – etwa aus der Medizin und dem Gesundheitswesen – in Bann zu ziehen und dem Publikum relevante Aspekte in ihren ethischen und lebenswissenschaftlichen Dimensionen verständlich näherzubringen.

Stellungnahmen und ad-hoc-Empfehlungen
Über seinen gesetzlichen Auftrag ist der deutsche Ethikrat als Beratungsgremium der Bundesregierung und des deutschen Bundestages legitimiert. Er verfolgt und thematisiert naturwissenschaftliche, medizinische, theologische, philosophische, ethische, soziale, ökonomische und rechtliche Entwicklungen hinsichtlich ihrer Folgen für das Individuum und die Gesellschaft. Zur Erfüllung dieses lebenswissenschaftlich orientierten Auftrags werden 26 Mitglieder dieser Disziplinen für maximal zwei vierjährige Perioden in den Rat berufen. Die Mitglieder versammeln sich zu regelmäßigen Treffen und Tagungen. Sie erarbeiten umfassende Stellungnahmen zu selbstgewählten Themen – beispielsweise zur anonymen Kindesabgabe, zum Kosten-Nutzenkalkül im Gesundheitswesen, zum Umgang mit Demenz, zum Problem der Intersexualität oder zu Mensch-Tier-Mischwesen in der Forschung – oder legen zu aktuellen Anlässen, etwa dem Beschneidungsverbot oder dem assistierten Suizid, ethische Orientierungen in Form von Ad-hoc-Empfehlungen dar. Die Äußerungen des Ethikrats bringen dabei den Pluralismus der ethischen Ansätze seiner Mitglieder zum Ausdruck. Das Verfassen dieser Stellungnahmen zählt neben der Politikberatung zu den Hauptaufgaben des Ethikrates. Darüber hinaus trägt der Rat zur öffentlichen Debatte über relevante Themen bei und macht die ethischen Implikationen aktueller Vorgänge einem breiten Publikum verständlich. Auch die internationale Kooperation mit anderen Foren und Ethikräten zählt zu seinen Aufträgen.

Instrument des ethischen Pluralismus
Das ‚Gewissen der Nation‘ kann und will der deutsche Ethikrat jedoch nicht sein. Zwar wirkt er auf gesellschaftliche Normen ein und kann die Rahmenbedingungen unseres Handelns mitprägen, er trifft jedoch weder Entscheidungen im Gesetzgebungsprozess noch stellt er eine Instanz dar, welche die letztgültige Wahrheit hinsichtlich ethisch korrekten Urteilens und Handelns präsentiert. Vielmehr bildet er in seinen Äußerungen das Tolerieren von ethischem Pluralismus und individuellen Lebensentwürfen ab. Sein Ziel ist keine deutsche ‚Einheitsethik‘, die über die Einigkeit hinsichtlich der grundlegenden Menschenrechte hinausgeht, sondern die Förderung der öffentlichen Auseinandersetzung und der Pluralität ethischer Ansätze in wechselseitiger Toleranz. Dazu beobachtet er laufende Diskussionen, schätzt Chancen und Risiken aktueller Entwicklungen hinsichtlich ihrer Auswirkung auf Leben und Gesellschaft ein, stellt unabhängige, begründete Konsense zur Verfügung und bereitet so ein an ethischen Maßstäben orientiertes Handeln vor.

Lebhafte Diskussionen
Christiane Woopen berichtete lebendig und anschaulich von der ebenso abwechslungsreichen wie zeit- und kräftefordernden ehrenamtlichen Tätigkeit im deutschen Ethikrat. Die Vielzahl an beispielhaften Themen ließ die Zeit wie im Flug vergehen und regte schon während des Vortrags zu zahlreichen Diskussionsbeiträgen an, die im Privatgespräch nach dem Vortrag lebhaft fortgesetzt wurden. Der Vortrag erfuhr eine durchweg positive Resonanz. Jeder, der den Abend persönlich nachbereiten oder wegen Abwesenheit Versäumtes nachholen möchte, findet unter
www.ethikrat.org eine große Zahl an Dokumenten und Informationen.

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