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Gespräch der ehemaligen Ministerpräsidenten Böhmer und Beck

Geschichte und Politik

Am 22. Januar lud die Diözesangruppe Magdeburg gemeinsam mit dem Roncalli-Haus, der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Katholischen Akademie zu einem hochkarätig besetzten Podiumsgespräch über Geschichte und Politik ein: Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, Ministerpräsident a.D. Sachsen-Anhalt und Kurt Beck, Ministerpräsident a.D. von Rheinland-Pfalz, sprachen über ihre Sicht auf die politischen Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten. Moderiert wurde das Gespräch von Kathrin Budde, der Landesvorsitzenden der SPD in Magdeburg.
Großes Rahmenthema waren Veränderungen, gesehen aus dem Blickwinkel von 25 Jahren seit der friedlichen Revolution in der DDR, die in den Kirchen ihren Ausgangspunkt nahm. Prof. Böhmer stellte seinen persönlichen Berufungsweg vom Mediziner in Wittenberg an den neugebildeten Landtag in Magdeburg und später an die Spitze des Landes in das Licht der allgemeinen Ereignisse von damals und verknüpfte dies mit den aktuellen Herausforderungen, die keineswegs geringzuschätzen seien. So wie damals eine gute Konstellation der Weltpolitik mit Glasnost in Russland und Annäherung der Parteien des Kalten Krieges den Boden für die Wiedervereinigung Deutschlands geebnet hätten, sei es jetzt die Aufgabe des starken einigen Deutschlands, den Prozess der Europäischen Integration  federführend voranzutreiben und dabei alle im Boot zu halten, dies auch mit Blick auf Griechenland und aktuelle politische Äußerungen zu Bulgarien und Rumänien.

Kurt Beck verwies auf seine Erfahrungen als Heranwachsender mit den zu Freunden werdenden französischen Nachbarn. Der Westwall, der mitten durch sein Heimatdorfgeführt hatte, sei für ihn eins der Warnsymbole gewesen, die ihn bis heute zu einem Kämpfer für ein freies und tolerantes Europa machten.

Aus dem Publikum wurde die Richtung des Gesprächs auch auf innenpolitische Fragestellungen gelenkt. Wer bei den Rednern zu Themen wie Mütterrente bzw. abschlagsfreie Rente mit 63 ein Streitgespräch erwartet hatte, hatte sich getäuscht. Auch beim Thema Aufhebung der Unterschiede bei privater und Gesetzlicher Krankenversicherung wurde von beiden Politikern der Koalitionsfrieden gewahrt: Es müsse etwas gegen die entstandene bzw. im Entstehen begriffene Zweiklassenmedizin getan werden, so die einstimmige Aussage.

Wie ein kleines Wunder nach dem großen der Wiedervereinigung wirkt es, dass alle Ministerpräsidenten des Landes Sachsen Anhalts seit Gründung Christen sind, bei weniger als 20 Prozent Getaufter im Bevölkerungsdurchschnitt.

Im Anschluss an die Veranstaltung warben die beiden für das unter Federführung des Bischofs Gerhard Feige Anfang des Jahres unter großem Medieninteresse gegründete Flüchtlingshilfswerk Sachsen-Anhalt, mit dem ein konkreter Beitrag geleistet werden soll, Gräben zu überwinden und Mauern einzureißen.

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