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Herbstreise nach Breslau, Tschenstochau, Krakau und Kreisau

Regensburg meets Polen

Nach der Barcelona-Reise im letzten Jahr (bku-journal 3_2008, S. 40) zog die Diözesangruppe Regensburg diesmal ostwärts: mit dem Bus quer durch Schlesien und Kleinpolen. Eine Woche lang (vom 26. September bis zum 3. Oktober 2009) suchten und besuchten die 19 Mitglieder und Freunde des BKU aus ganz Deutschland nicht nur die üblichen touristischen Sehenswürdigkeiten, sondern über das persönliche Gespräch mit zahlreichen Personen und Persönlichkeiten den persönlichen Kontakt mit einem Land, das nicht mehr so katholisch ist wie früher und seine wirtschaftliche Mitte noch nicht gefunden hat.
Reisefreudig: Mitglieder der DG Regensburg in Polen
Der BKU in Breslau

Persönlicher Höhepunkt war freilich die Begegnung mit Erzbischof Alfons Nossol, dem berühmten „Brückenbauer“ zwischen Deutschland und Polen, dem 1997 der Augsburger Friedenspreis verliehen wurde, 2005 der Deutsch-Polnische Preis und 2008 der Mérite Européen in Gold. Die BKUler konnten den soeben pensionierten Nossol ganz „privat“ in seinem Palais in Kamień Śląski (deutsch: Groß Stein) besuchen, das der dienstälteste Diözesanbischof Polens nach 32 Amtsjahren in der oberschlesischen Diözese Oppeln bezogen hat.

Nossol erzählte nicht nur von der Geschichte des im 20. Jahrhundert abgebrannten Schlosses aus dem 11. Jahrhundert, in dem der heilige Hyazinth geboren worden sein soll, sondern auch von dessen Wiederaufbau und Nutzung als Kongress- und Tagungszentrum - zum Schloss- und Parkkomplex gehört nunmehr sogar ein Kneipp-Sanatorium („Sebastianeum Silesiacum“). Als echter Unternehmer erwies sich Nossol aber nicht nur hierbei, sondern auch mit Blick auf die Universität, die Oppeln ihm verdankt. Nossol hatte zunächst - ohne Zustimmung der Behörden - eine Filiale der Katholischen Universität Lublin gegründet; nach dem Zusammenschluss mit der Pädagogischen Hochschule entstand daraus die Universität Oppeln, wo der Erzbischof ebenso als Professor der Theologie wirkte wie in Lublin und Mainz.

Aber nicht nur Bildung braucht Unternehmergeist, sondern auch Versöhnung: 1980 hatte Nossol dem damaligen Augsburger Bischof Josef Stimpfle ermöglicht, die erste deutsche Predigt seit dem Zweiten Weltkrieg auf dem oberschlesischen St. Annaberg zu halten. Im Juni 1989 feierte Nossol dort selbst, trotz polnischer Vorbehalte, einen deutschsprachigen Gottesdienst und führte solche Gottesdienste in seiner Diözese ein – wieder trotz einiger Widerstände in den eigenen Reihen. Im November 1989 nahmen auf seine Initiative Bundeskanzler Helmut Kohl und der polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki an einem Versöhnungsgottesdienst in Kreisau teil. Dort hatte sich der zivile Widerstand gegen Hitler um Helmuth James Graf von Moltke mehrfach getroffen, und dort schloss sich auch für die Regensburger DG der Kreis ihrer Polenfahrt.
 Bilder aus und auf dem "Kreisauer Kreis", in dessen Mitte das Kreuz steht

Zuvor hatten die Mitglieder und Freunde des BKU nicht nur in Schweidnitz (Friedenskirche) die größte Holzkirche Europas gesehen, sondern auch in Krakau (Marienkirche) den größten spätgotischen Schnitzaltar (von Veit Stoß). Am Grab der Heiligen Hedwig - Schutzpatronin Schlesiens - im Zisterzienserinnenkloster von Trebnitz und im Angesicht der Schwarzen Madonna von Tschenstochau (Paulinerkloster) feierten sie die Heilige Messe.

Welche Probleme die Katholische Kirche in Polen 20 Jahre nach der Wende hat, wurde nicht nur im Gespräch mit Agnieszka Sabor (Redakteurin bei Tygodnik Powszechny, der Katholischen Wochenzeitung im kommunistischen Polen) deutlich, sondern auch in der Begegnung mit Pfarrer und Business-Seelsorger Jacek Stryczek. Dieser bezeichnete die polnische Wirtschaft in ihrer augenblicklichen Situation offen als „Chaos“, das von einer sozialen Marktwirtschaft, wie wir sie kennen (oder kannten), weit entfernt sei. Die katholische Kirche, der die Gläubigen ebenso weglaufen wie der katholischen Wochenzeitung die Leser, muss sich hier ganz neu definieren, um ihrer modernen Rolle in einem europäischen Polen gerecht zu werden.
Polen vor globalen Herausforderungen

Dass Polen gleichwohl den globalen Herausforderungen zur Zeit besser trotzt als manch andere Volkswirtschaft, mag nicht zuletzt daran liegen, dass Mitteleuropas größte Volkswirtschaft sich ungleich weniger von der Globalisierung abhängig gemacht hat. Ob demnach der Euro 2014, 2015 oder gar erst 2016 kommen mag, ließen auch Generalkonsul Bernhard Brasack und seine ständige Vertreterin Heidrun Jung offen, die die BKUler in Breslau besuchten. 2012 kommt jedenfalls die Fußball-Europameisterschaft nach Polen (u.a. nach Breslau), wo die Fußballfreunde darauf spekulieren, dass das Co-Austragungsland Ukraine die dort geplanten Stadien nicht rechtzeitig fertigstellt, so dass es zu weiteren Spielen in Polen käme (evtl. auch in Krakau).
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