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Markt Macht Mensch – was kostet die Moral?

AEU/BKU Veranstaltung am 26.11.2009

Treffpunkt an diesem Abend war die Börse Stuttgart. Nicht ganz ohne Hintergedanken. Etwa 70 Teilnehmer, Mitglieder des AEU und des BKU sowie Gäste, erwartete ein spannender Dialog. Zunächst jedoch wollten die Anwesenden wissen, wie denn die Börse funktioniert. Stuttgart ist nach Frankfurt der größte Handelsplatz in Deutschland. Trotz Computerhandel braucht es bei vielen Transaktionen doch noch Händler als Marktmacher. Und die saßen auch nach 18 Uhr noch vor ihren vielen Bildschirmen.

Nach Begrüßung und Einführung durch Jessika Dannenmann (AEU) und Reinald Wolff (BKU) startete Claus Maier, ehemaliger Regionalbischof der Württembergischen Landeskirche, mit dem Satz „Gut wenn Theologie, Geist und Geld sich treffen“ und einem Blick in die Bibel. Dort gibt es „gute Reiche“ wie den weisen Salomo und es gibt die schlechten. Es kommt immer darauf an, wie die „Freiheit des Christenmenschen“ gelebt wird und wie die mit Unternehmertum und Kapital verbundene Macht genutzt wird. Auch die Kirche steckt mit ihren Sozialunternehmen in diesem Marktsystem.
Christen und Unternehmer: Beide leben mit dem Risiko

Prälat Meier sprach aus Erfahrung. Lange Jahre war er Vorsitzender des Diakonischen Werkes in Württemberg. Gemeinwohl vor Eigennutz. Ist das noch gelebte Wirklichkeit in unserer Marktwirtschaft? Unbehagen mit Auswüchsen des Kapitalismus und unreflektierte Wachstumsideale stiften heilsame Unruhe. Im Markt sind Menschen tätig. Sie brauchen für ihr Handeln ethische Grundsätze. Wir erleben heute manchmal das Fehlen des „ehrbaren Kaufmanns“ und wir hören die Forderung nach strukturellen Änderungen unseres kapitalistischen Systems. Es gibt aber keine Vollkommenheit: „Christlicher Glaube und unternehmerisches Handeln treffen sich darin, dass beide mit dem Risiko, der Unsicherheit, dem Unverfügbaren zu tun haben und mit dem Scheitern“.
Brocker und der "soziale Untertan"

Dr. Ulrich Brocker, Hauptgeschäftsführer beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall, ging in seinen zehn Thesen, dem Zusammenhang von Markt, Macht und Mensch auf den Grund. „Der Markt dient dem Menschen.“ Ein wettbewerbsstarker Markt hat eine soziale Qualität. Darüber hinaus beinhaltet Soziale Marktwirtschaft die Zusage, dass in unserer Gesellschaft niemand durch den Rost fällt. Als Verbraucher nimmt der Mensch wesentlich Einfluss auf Produkte und Erzeuger. Das Prinzip der Selbstverantwortung spiegelt das menschliche Streben nach Freiheit unter der Bedingung gleicher Chancen für alle. Ein Führsorgestaat dagegen macht den Menschen zum „sozialen Untertan“ (Ludwig Ehrhard). In dieser Gefahr befinden wir uns heute. Menschen streben nach Aufstieg, Anerkennung, Wohlstand und Selbstverwirklichung. Das ist die Triebfeder für die Marktwirtschaft. Sie führt aber auch zu überzogenem Eigennutz und zu Gier. Daher sind äußere Regeln und persönliche Wertgrundsätze notwendig: „Personen und Unternehmen, die nicht tugendhaft agieren, erhalten früher oder später die Quittung und müssen aus dem Markt ausscheiden.“ Diese Kraft der Selbstreinigung ist unserem Wirtschaftssystem eigen.

Der AEU in Württemberg und die DG Stuttgart des BKU treffen sich einmal jährlich zu einer gemeinsamen Veranstaltung. Es hat eine gewisse Tradition immer zwei Persönlichkeiten und Standpunkte zu Wort kommen zu lassen, um so zum Dialog anzuregen. Auch dieses Mal gab es reichlich Diskussionsstoff und manche inhaltliche Position erfuhr nicht nur Gegenrede, sondern Schärfung mit Beispielen und persönlichen Erfahrungen.
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