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Fachfrauen gegen Fachkrńftemangel

BKU und Wirtschaftsf÷rderung Stuttgart luden zum Unternehmerdialog

Führungsstarke Frauen aus der Wirtschaft standen im Mittelpunkt des Stuttgarter Unternehmerdialogs 2011 am 11. November. Auf Einladung der BKU-Diözesangruppe Rottenburg-Stuttgart und der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart diskutierten sie über den drohenden Fachkräftemangel. Es moderierte Carla Sappok vom Radiosender SWR1.

Martina Lehmann von der Stuttgarter Bundesagentur für Arbeit brachte es auf den Punkt: Derzeit gebe es lediglich einen punktuellen Mangel an Fachkräften. „Jetzt müssen wir daran arbeiten, dass er nicht flächendeckend wird", sagte die Geschäftsführerin für die Arbeitslosenversicherung. Ein möglicher Beitrag dazu wäre es, Mütter in der Erziehungszeit dabei zu unterstützen, dass sie den Anschluss an den Beruf nicht verlieren. Das gelte insbesondere für Bereiche, in denen der technische Fortschritt zu schnellen Veränderungen am Arbeitsplatz führe.

Weitere mögliche Gegenmaßnahmen beschrieb die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie in Allensbach, Prof. Dr. Renate Köcher. Deutschland könne sich keine verfestigte Unterschicht leisten, die aus dem Arbeitsmarkt herausfalle, sagte sie. Die gezielte Förderung benachteiligter Menschen müsse daher verstärkt werden. Qualifizierte Zuwanderung, die Erhöhung des Rentenalters und eine höhere Erwerbsquote der Frauen seien weitere Punkte. Ein klares Nein setzte Köcher allen „planwirtschaftlichen" Forderungen nach Frauenquoten entgegen: „Die Personalauswahl ist ein eminent wichtiges Instrument, dasUnternehmen sich nicht vom Staat vorschreiben lassen wollen!"
Vertrauen schaffen, Ängste abbauen

Ein besonderes Problem des Standortes Stuttgart erlebt BKU-Mitglied Monika Röther als Geschäftsführerin der Vinzenz von Paul Kliniken. Oft merken ihre neuen Mitarbeiter erst nach einiger Zeit, wie teuer das Leben in dieser Stadt ist - und möchten dann über Gehaltserhöhungen verhandeln. In der Klinik arbeiten rund 70 Prozent Frauen, für die zahlreiche Teilzeitmodelle angeboten werden. Darüber hinaus hat sich die Klinikgruppe dem Audit „Beruf und Familie" der Hertie- Stiftung unterzogen, wobei Röther aber Wert auf die Reihenfolge legt: erst Beruf und dann Familie. Dennoch erlebt sie selbst bei Kandidaten für Führungspositionen einen Wertewandel: Die Karriere ist nicht mehr alles im Leben vieler Bewerber, die schon im Vorstellungsgespräch Freiräume für die Familie einfordern.

Als gestandene Unternehmerin weiß Renate Pilz, dass es für Unternehmen immer schon schwierig war, gute Mitarbeiter zu finden. Nicht nur deshalb ist sie stolz darauf, dass die Pilz GmbH Co. KG alle Mitarbeiter durch die Finanzkrise tragen konnte. Zur Firmenkultur gehöre es, dass die Mitarbeiter offen alle wichtigen Quartalszahlen zur wirtschaftlichen Lage amschwarzen Brett einsehen können. In der Finanzkrise wurde diese Information in deutlich kürzeren Abständen aktualisiert - um Vertrauen zu schaffen und Ängste abzubauen.
Gelungener Abend

Als Gastgeber im Hause der BW-Bank meldete deren Bereichsleiter Unternehmenskunden, Markus Linha, ein Alarmsignal: In Deutschland seien in diesem Jahr 30 000 Lehrstellen unbesetzt geblieben, sagte er. Hinter dieser Zahl stünden noch mehr Lehrstellen, die nur mit Kompromisskandidaten besetzt wurden, glaubt er und befürchtet ein sinkendes Niveau bei den Mitarbeitern.Über einen gelungenen Abend konnte sich am Ende der Vorsitzende der BKU-Diözesangruppe Stuttgart, Reinald Wolff, freuen. Das Raster der Veranstaltung aus einführendem Vortrag, rotierenden Gesprächen in Stuhlkreisen und abschließendem Podium hat sich bewährt, eine Wiederholung ist geplant.

Peter Unterberg
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