Wirtschaft N.E.U. denken
BKU-Jahresthema 2016/17:
Wirtschaft N.E.U. denken



Den Beitrag
"Jahresthema Wirtschaft N.E.U. denken - Arbeitskreis stellt Zwischenstand vor"
aus BKU-Journal 4/2016, S.20 finden Sie hier.


Die Zusammenfassung des Zwischenstandes, der im Herbst 2016 in Fulda der Delegiertenversammlung vorgestellt wurde, finden Sie nachfolgend:

2016:         Warum ist Wirtschaft neu zu denken?
                  Bestandsaufnahme und Analyse
2017:         Wie kann Wirtschaft neu gedacht werden?
                  Grundlinien neuen Denkens aufzeigen und in den Diskurs einbringen

Leitfrage 2016:
An welchen Veränderungen zeigt sich, dass Wirtschaft neu gedacht werden muss, weil ein hergebrachtes Verständnis nicht mehr greift?

1.    Digitalisierung
a.    Digitalisierung = Überführung analoger in binäre Information
b.    Augenblickliche globale Verfügbarkeit und Verarbeitbarkeit von Information
c.    Daten als Wertschöpfungs- und Produktionsfaktoren
d.    Dematerialisierung der Wirtschaft
e.    Neue Geschäftsmodelle (internetbasiert)
f.     Neue Qualität der Interaktion zwischen Mensch und Maschinen (Industrie 4.0),
       Maschinen und Maschinen, Menschen untereinander
g.    Zunehmende Standardisierung, Zertifizierung, Dokumentarisierung

2.    Kommunikation
a.    Weltweite Kommunikation und Information ohne Zeitverzug
b.    Vereinfachung und Beschleunigung zeitraubender Vorgänge
c.    Kommunikation nicht mehr kontrollier- oder steuerbar
d.    Weltweite Transparenz
e.    Verlust an persönlicher Begegnung
f.    Verlust von persönlichem Vertrauen – gesteigertes Bedürfnis nach Transparenz
g.    Verschwimmen der Grenzen zwischen Beruf und Privatleben, permanente
       Verfügbarkeit
h.    Manipulierbarkeit durch Informationskulissen

3.    Globaler Handlungsraum
a.    Wohlstand und Notstand werden global transparent
b.    Gleicher Zugang für alle weltweit – echte globale Diskurse entstehen
c.    Neue Produktionsmethoden, Produkte, Verhaltensweisen, Moden werden weltweit
       ausgetauscht: beginnender Prozess der Nivellierung, Vereinheitlichung
d.    Ungekannte Dimensionen von Migrationsbewegungen zeichnen sich ab
e.    Nationalstaaten und Grenzen verlieren langfristig an Relevanz, werden aber
       kurzfristig vielfach betont
f.    Einzelne Nationalstaaten sind global agierenden Unternehmen nicht gewachsen –
      gravierendes Defizit in der Wahrnehmung der dem Staat nach der Soziallehre
      zukommenden Funktionen (Rahmen für alle sichern)
g.    Interkulturelle Kompetenz und Integrationsfähigkeit gewinnen Bedeutung
h.    „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ einerseits, Wunsch nach Geborgenheit
      und Abgrenzung andererseits
i.    Diskussion „Arm und Reich“ von wachsender Bedeutung
j.    Globale Blockbildung auf Basis der Durchsetzung von nationalen Eigeninteressen
k.    Projekt Europa gefährdet: zwar von nationalen Volkswirtschaften zum europäischen
      Binnenmarkt (28 Länder) übergegangen, Schritte zu einer Wirtschafts- und
      Währungsunion, aber Krisen, Brexit, unübersehbare Erschöpfungserscheinungen
l.    Nicht ausgefüllte strategische Rolle Europas im globalen Kontext: vermittelnde
      Position zwischen (angelsächsischem) Individualismus und (asiatischem)
      Kollektivismus; Grundlage: Personbegriff; ausgewogenes (Wirtschafts-) verständnis,
      das Freiheit und soziale Verantwortung miteinander verbindet

4.   Markt- und Unternehmensverständnis
a.   Weiter wachsende Dominanz der Finanzwirtschaft gegenüber der Realwirtschaft
b.   Zunehmende Dominanz der Informationswirtschaft (Digitale Plattformen wie
      z.B. Facebook, Instagram) gegenüber produzierenden Unternehmen
c.   Zweigeteilte und weiter auseinander driftende Unternehmenswelt: oligopolistische
      Strukturen bei börsen-, d.h. finanzgetriebenen Großunternehmen, Vielfalt
      und Produktorientierung bei Familienunternehmen
d.   Geschäftsmodelle, die auf Abschöpfung statt Wertschöpfung zielen
e.    Einseitige Kapitalorientierung über die Vermachtung von Märkten und Kunden
f.    Profitmaximierung als selbstverständliches oberstes Ziel des Unternehmens:
      Solidarität und Subsidiarität verblassen
g.   Sicht der Mitarbeiter als „Ressource“ und Instrument statt als Person
h.   Wandel der Geschlechterrollen
i.    Rasante Zunahme befristeter Beschäftigungsverhältnisse
j.    Forcierte Verbindlichkeit nur kurzfristigen Handelns und Berichtens
k.   Materieller Wohlstand wichtiger als ethische Ziele („keine höheren Werte als Geld“)
l.    Entkoppelung von Eigentum und Verantwortung als Strukturprinzip der Aktie;
      Eigentum am Unternehmen wird bloße Finanzanlage/Spekulationsobjekt
m.   Zurückdrängen der Gemeinwohlverpflichtung auf formale Compliance-Regeln
n.    Compliance, CSR u.a. als dünnes Surrogat umfassender Verantwortung
o.    Diskussion Managergehälter: Maßstab Arbeitsentgelt oder Shareholder-Anteil?
p.    Wettbewerbsordnung für regionale und globale Märkte tritt zurück vor
       Marktmacht und nationalen Interessen

5.    Gesellschaftlicher Rahmen
a.    Deutschland: Wiedervereinigung, europäischer Binnenmarkt, Wirtschafts-
       und Währungsunion, Finanzkrise, Demografie, Flüchtlinge und Migranten
b.    Jahrzehntelange Wohlstandsgesellschaft: nicht selten Einüben einer reinen
       Konsumentenrolle
c.    Zunehmende ethisch-moralische Defizite
d.    Trend zur Trivialisierung und Banalisierung des Lebens in den Medien
e.    Hoher Zeit- und Aufmerksamkeitsbedarf für das Erwerben und Ausüben
       zivilisatorischer Grundfähigkeiten wirkt sich zu Lasten geistig-kultureller
       Themen/Bildung aus
f.     Kernthema Identität: (Interkulturelle) Dialogfähigkeit setzt ausgeprägte Identität
       voraus: verbreitete Mängel in der Grundlagenbildung der nachwachsenden
       Generationen, besonders was die geistigen Grundlagen Europas betrifft
g.    Demographischer Wandel: Wettbewerb um Arbeitnehmer abzusehen
h.    Gestiegenes Bewusstsein für die Notwendigkeit nachhaltiger und ökologisch
       verantwortbarer Handlungs- und Gestaltungsweisen
i.    Generation Y: Wunsch nach personaler Mitwirkung im Unternehmen statt bloßer
      Vorgaben-Erfüllung; Interesse an immateriellen Werten (Solidarität, Kollegialität,
      soziale Verantwortung und Sinnhaftigkeit)
j.    Neubetonung des Wertes Familie


Den Beitrag
"Wirtschaft N.E.U. denken - Das BKU-Thema"
aus BKU-Journal 1-2/2016, S.4/5 finden Sie hier.

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