Wirtschaft N.E.U. denken
BKU-Jahresthema 2016 - 2018:
Wirtschaft N.E.U. denken - Wirtschaft kultivieren



Stand 27. März 2017

Das Jahresthema Wirtschaft neu denken des Bundes Katholischer Unternehmer umfasst zwei Phasen der Auseinandersetzung mit dem Thema. 2016 ging es darum, die Phänomene zu erfassen und zu analysieren, an denen sich zeigt, dass Wirtschaft neu gedacht werden muss. 2017 -18 soll auf dieser Basis erarbeitet werden, was neues Denken konkret bedeuten kann.

In der Analysephase ist ein Katalog von derzeit 84 vielgestaltigen Symptomen von Veränderung zusammengetragen worden (folgt im Anschluss). Der Katalog hat Werkstattcharakter: er ist ständig ergänzungs- und aktualisierungsbedürftig und -fähig. Es ist ein Panorama von Veränderungen, an denen in den letzten Jahren deutlich geworden ist, dass herkömmliche Vorstellungen, Strukturen, Grundannahmen nicht einfach weiter fortgeschrieben werden können, sondern dass sich ein grundlegender Wandel vollzieht. Die Veränderungen reichen tief in die Grundlagen unseres Gesamtverständnisses von Wirtschaft hinein. Die Beobachtungen lassen sich in 6 Themenfelder gliedern:

  • Digitalisierung
  • Kommunikation
  • Realität und Wahrnehmung
  • Globaler Handlungsraum
  • Markt- und Unternehmensverständnis
  • Gesellschaftlicher Rahmen

Was bedeutet das alles für die Wirtschaft? Digitalisierung ist die technische Grundlage für eine Allgegenwart und -verfügbarkeit von Information, die veränderten Kommunikationsprozesse vernetzen ständig alle mit allem. Digitalisierung ist mehr als Technik: es entstehen neue Chancen, neue Produktions- und Vertriebswege, neue Geschäftsmodelle und neue Formen der Zusammenarbeit in einem noch nicht absehbaren Ausmaß. Zugleich sind mit diesen Chancen aber auch gesellschaftliche Verlustrisiken verbunden. Viele Phänomene weisen auf Entgrenzung hin, weit über den bisher gebräuchlichen Sinn des Wegfalls der Grenze zwischen Berufs- und Privatleben hinaus. Gleichzeitigkeit und augenblicklich entstehende Handlungsoptionen verlangen ständige Beobachtung und ggf. Reaktion. Vorgaben, Ordnungen, Berechenbarkeiten verlieren ihre Grundlage. Realität und Virtualität stehen auf der Ebene der individuellen Wahrnehmung unterschiedslos nebeneinander. Das Phänomen der Überforderung ist nicht selten die Kehrseite der entgrenzten, grenzenloses Möglichkeiten.

Dies alles geschieht in einem globalen Kontext, der nach wie vor nicht überschaubar ist. Sehr grundsätzlich erhebt sich die Frage, wozu die neuen Möglichkeiten genutzt werden können und sollen. Die Nationalstaaten hinken strukturell der allgemeinen Entgrenzung hinterher. Global agierende Unternehmen erweisen sich demgegenüber als handlungs- und gestaltungsmächtiger. Zugleich sind dies in der Regel börsennotierte Gesellschaften, die finanzgetrieben agieren und von Börse und shareholder value Doktrin rein dem Inhabernutzen verpflichtet sind, und dies in der Regel in einem Kurzzeithorizont.

Ausgehend von dieser Diagnose stellt sich die Frage, wo zentrale Ansatzpunkte für ein neues Denken, für eine Neuentdeckung bewährter Erkenntnisse, für eine innovative Weiterentwicklung des Grundverständnisses von Wirtschaft zu finden sind. Dabei scheinen die folgenden drei Themen grundlegend zu sein:


1. Rückbindung der Wirtschaft an den Menschen und an die Gesellschaft

Wirtschaft ist Teil der menschlichen Kultur. Es geht in ihr nicht nur um das nackte Überleben, um Profit und finanziell-materielle Werte, sondern um einen Verwirklichungsraum für den persönlichen Beitrag, den jeder Mensch aufgrund seiner Identität zum Ganzen der Gesellschaft leisten kann. Wirtschaft ist nur ein Teil von Gesellschaft, ökonomische Rationalität nur einer der gesellschaftlich relevanten Steuerungsparameter. Wie bietet Wirtschaft dafür Raum, hat sie höhere Werte als Geld?

Hier ansetzend, ist das Verhältnis von Wirtschaft und Gesellschaft neu zu justieren. Es besteht ein verbreitetes Unbehagen in der Gesellschaft an bestimmten Formen ökonomischen Handelns, die nur maximalen Profit anstreben und dabei  - formal legal - rücksichtslose Verhaltensweisen entwickeln - gegenüber den Mitarbeitern, den anderen Marktteilnehmern, und die ihren Beitrag zum Gemeinwesen bewusst zu minimieren suchen. Dieses Unbehagen bezieht sich nicht auf die Marktwirtschaft als solche, sondern auf eine bestimmte kapitalistische Praxis, die zur Gemeinwohlbindung des Eigentums (Art. 14 Grundgesetz) nur Lippenbekenntnisse ablegt, den Menschen als bloßes Instrument betrachtet und bei eingeschränkter oder fehlender Leistungsfähigkeit ausschließt. „Diese Wirtschaft tötet“, hat Papst Franziskus die Kritik an den genannten Fehlformen zugespitzt formuliert.

Zu neuem Denken über die Wirtschaft gehört daher auch eine Portion Demut und Sachlichkeit. Bei allem Fortschritt und daraus resultierendem ökonomischem Erfolg sind auch die neu entstehenden Probleme zu sehen, die mit dem Fortschritt einhergehen. Maßstab kann nur sein, was dem Menschen dient - nicht der Erfolg von Geschäftsmodellen Einzelner.

Wie macht Wirtschaft lebendig? Eine Wirtschaft, die der Gesellschaft und ihrer Zukunft dient, statt einer weiteren Ökonomisierung der Gesellschaft ist gefragt. Wo gelingt dies bereits, und was folgt daraus? Wo sind Anreize zu setzen und wo zu vermeiden? Die jüngeren Generationen („Y“, „Z“) stellen allen Umfragen zufolge diese Fragen verstärkt. Sie erwarten von ihrem Beruf mehr als Karriere und Einkommen: persönlich und gesellschaftlich sinnvolle Beiträge. Unternehmen können diesen Fragen nicht mehr ausweichen. Wo und wie lässt sich in der Arbeit Sinn erleben?

Damit verbindet sich die Frage, wie eigentlich zukünftig die Leistung einer in die Gesellschaft voll integrierten Wirtschaft gemessen werden soll. Ökonomische Bilanzen sind nur ein Teil der Wirklichkeit. Wirtschaft neu zu denken, bedeutet, alle gesellschaftlichen Stakeholder mit einzubeziehen: Arbeitgeber und Unternehmer genau so wie die Arbeitnehmer und ihre Familien, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände, Kapitalgesellschaften und Familienunternehmen, Selbständige, Wissenschaftler und nicht zuletzt Politiker.

Notwendig ist eine langfristig tragfähige, am Gemeinwohl orientierte und dem Einzelnen dienende Wirtschaft. Als Faustformel ausgedrückt: was anthropologisch richtig ist (was dem Menschen entspricht), ist auch ökonomisch richtig – aber nicht umgekehrt.

 

2. Menschenbild als Wettbewerbsfaktor

Daraus folgt unmittelbar: Eine rein funktionalistische Sicht der Mitarbeiter als Ressourcen ist oberflächlich und greift zu kurz. Sie sind Personen, nicht bloß Individuen. Sie empfinden es, vor allem im Westen, als Ideologie und Übergriff, auf Funktionen reduziert zu werden, und sind nur notgedrungen bereit, sich auf solche Bedingungen einzulassen. Partizipation und Freiheitsspielräume verursachen kurzfristig Kosten, langfristig sind sie lebensnotwendig und schließlich auch in den ökonomischen Resultaten überlegen: Der Mensch erwacht in unserer Zeit als Person – er lässt sich nicht mehr durch Anordnung von oben steuern, sondern nimmt sein Schicksal selbst in die Hand. Das kreative Potential der Mitarbeiter entfaltet sich am besten in einem Raum, der ihnen als Menschen gerecht wird. Freiheit und Verantwortung des Einzelnen zu stärken, ist auch ökonomisch der bessere Weg, als nur die Reproduktion vorgegebener Prozesse zu maximaler Effizienz zu führen.

Die Globalisierung stellt weitere Aufgaben im interkulturellen Kontext: Im globalen Rahmen treffen sehr unterschiedliche, kulturell geprägte Menschenbilder aufeinander: Individualismus, Freiheitsbetonung und freier Wettbewerb im angelsächsischen Kulturkreis, Kollektivismus und Funktionalismus in Asien, Personenbegriff als ausbalancierte Integration von Freiheit und Verantwortung in Europa. Es ist notwendig, sich mit diesen kulturellen Grundlagen intensiv auseinanderzusetzen: der globale Integrationsprozess ist nicht aufzuhalten. Wie gelingt es im interkulturellen Kontext, Gemeinsamkeit zu gewinnen?

Wiederum als Faustformel: Wer das realistischste Menschenbild hat, verfügt über die größte Integrationskraft - im globalen Meta-Wettbewerb geht es um kulturelle Grundlagen.

 

3. Umfassend gute Unternehmensführung

Gute Unternehmensführung bemisst sich nach alledem nicht bloß nach zahlenmäßig fassbaren Resultaten. Sie muss erlebbar dem Menschen dienen: der Einzelperson und der Gesellschaft. Dieser Dienst des Unternehmens schlägt sich in seinen Produkten nieder. Die Produkte sind der Beitrag des Unternehmens zum Leben der Gesellschaft, indem sie die verschiedenen Bedürfnisse im Wettbewerb um die beste Lösung erfüllen.

Die Arbeit am Produkt ist auch im Unternehmen intern die entscheidende Integrationsbasis. Die gemeinsame Arbeit an der besten Lösung stiftet Gemeinschaft und ruft den Einzelnen, seinen persönlichen Beitrag zu leisten. Nach dieser Logik ist jeder Beitrag zur Verbesserung des Produkts willkommen – egal, von wem auf welcher Hierarchieebene er kommt. Eine gute Positionierung des Unternehmens im Spannungsfeld von Kreativität und Effizienz gelingt am besten von dieser Basis her. Daraus ergeben sich hohe Ansprüche an die Unternehmenskultur.

Das Menschenbild, das der Praxis eines Unternehmens zugrunde liegt, spiegelt sich nicht in schriftlichen Bekundungen, sondern in den Organisationsprinzipien des Unternehmens wider. Die weit verbreitete Vorstellung von Organisation als „gut geölter Maschine“ greift zu kurz. Sie denkt zu mechanistisch und vernachlässigt menschliches Wachstum. Offene, agile Organisationsformen bieten mehr Entfaltungsräume und damit neue unternehmerische Chancen. Damit verbunden ist zugleich die Frage nach der Fairness in der Verteilung des erwirtschafteten Erfolgs.

Gute Unternehmensführung versteht das Unternehmen umfassend: nicht nur als Organisation zur Erzielung kurzfristig finanziell messbarer Resultate, sondern als Gemeinschaft von Personen, die durch das Produkt einen langfristig tragfähigen Beitrag zum Leben der Gesellschaft leistet.

 
In einem Satz zusammengefasst:  Wirtschaft neu zu denken bedeutet, auf der Ebene der Person, des Unternehmens und der Gesellschaft Wirtschaft zu kultivieren.

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Thema - persönlich, telefonisch, per Mail oder über die Kommentarfunktion am Ende dieser Seite.

 

Materialsammlung zum BKU Jahresthema 2016-18:
Wirtschaft neu denken

zum Abschluss der Bestandsaufnahme-Phase 2016

  

2016:       Warum ist Wirtschaft neu zu denken?
           
   Bestandsaufnahme und Analyse

2017/18:   Wie kann Wirtschaft neu gedacht werden?
               Grundlinien neuen Denkens aufzeigen und in den Diskurs einbringen

  

 

Leitfrage 2016:
An welchen Veränderungen zeigt sich, dass Wirtschaft neu gedacht werden muss, weil ein hergebrachtes Verständnis nicht mehr greift?

  

1.    Digitalisierung

(1)       Digitalisierung = Überführung analoger in binäre Information

(2)       Augenblickliche globale Verfügbarkeit und Verarbeitbarkeit von Information

(3)       Entprivatisierung, Demokratisierung von Information

(4)       Daten als Wertschöpfungs- und Produktionsfaktoren

(5)       Virtualisierung von Kontakten und Beziehungen

(6)       Nicht mehr Technik im Fokus, sondern deren Anwendung

(7)       Dematerialisierung der Wirtschaft

(8)       Umkehrung klassischer Geschäftsbeziehungen - Macht der Kunden

(9)       Neue Geschäftsmodelle (internetbasiert)

(10)    Neuer Begriff von Infrastruktur: nicht mehr Straßen und Parkplätze, sondern Bandbreite

(11)    Neue Qualität der Interaktion zwischen Mensch und Maschinen (Industrie 4.0), Maschinen und Maschinen, Menschen untereinander

(12)    Zunehmende Standardisierung, Zertifizierung, Dokumentarisierung


 

2. Kommunikation

(13)    Weltweite Kommunikation und Information ohne Zeitverzug

(14)    Vereinfachung und Beschleunigung zeitraubender Vorgänge

(15)    Kommunikation nicht mehr kontrollier- oder steuerbar

(16)    Weltweite Transparenz

(17)    Zunahme an virtueller,  Verlust an persönlicher Begegnung: Kommunikation wird auf medial gestützte Kommunikation verkürzt. Kommunikation als Begegnung (persönlich, direkt, live) gerät in den Hintergrund

(18)    Verlust von persönlichem Vertrauen – gesteigertes Bedürfnis nach Transparenz

(19)    Verschwimmen der Grenzen zwischen Beruf und Privatleben, permanente Verfügbarkeit

(20)    Infragestellung des ortsgebundenen Arbeitsplatzes

(21)    Manipulierbarkeit durch Informationskulissen und Falschinformationen

(22)    Kommunikation als Waffe

(23)    soziale Medien als nicht steuerbare Verbreitungsplattformen von Information und Desinformation

  

3. Realität und Wahrnehmung

(24)    Übermaß an Informationen, die den Einzelnen erreichen (800 pro Tag?) - Overflow

(25)    vorgefundene Realität ist volatile - uncertain - complex - ambiguous

(26)    Verarbeitung nur selektiv möglich - Orientierung erforderlich

(27)    einfache Fortschreibung gewohnter Handlungsansätze reicht nicht aus

(28)    Destabilisierung durch Häufung von echten oder bloß wahrgenommenen Krisen

(29)    Stärkeres Erleben von Krisen als früher - bei gleicher realer Dimension

(30)    „Zeitalter der Überforderung“ in mehreren Dimensionen: mengenmäßige Informationsflut, Komplexität der Zusammenhänge, Instabilität von Rahmenbedingungen, „1001 Möglichkeiten“ – Drang zur Vereinfachung

(31)    Umgang mit Ängsten: Altersarmut, Statusverlust, Verlust an Gestaltungsmacht, Identität

(32)    Projektion persönlicher Unzufriedenheit auf die Gestaltenden - Wutbürger

(33)    Überblick verschaffen: neue Dienstleistung

(34)    Deutung von Komplexität als Wettbewerbsfaktor in der Politik

(35)    „postfaktische“ Tendenzen: Ersatz der Wahrnehmung komplexer Realität durch Interessendenken auf der Basis „gefühlter Realität“

(36)    Im Diskurs: Ersatz faktenbasierter Argumentation durch plausibel angebotene emotionale Deutung


 

4. Globaler Handlungsraum

(37)    Wohlstand und Notstand werden global transparent

(38)    Gleicher Zugang für alle weltweit – echte globale Diskurse entstehen

(39)    Neue Produktionsmethoden, Produkte, Verhaltensweisen, Moden werden weltweit ausgetauscht: beginnender Prozess der Nivellierung, Vereinheitlichung

(40)    Zunahme von Risiken durch externe Faktoren, die aufgrund globaler Vernetzung direkt oder indirekt auf die Unternehmen durchschlagen

(41)    Globalisierung erzeugt lokale Gegenbewegungen (etwa im Konsum)

(42)    Ungekannte Dimensionen von Migrationsbewegungen zeichnen sich ab

(43)    Nationalstaaten und Grenzen verlieren langfristig an Relevanz, werden aber kurzfristig vielfach betont

(44)    Einzelne Nationalstaaten sind global agierenden Unternehmen nicht gewachsen – gravierendes Defizit in der Wahrnehmung der dem Staat nach der Soziallehre zukommenden Funktionen (Rahmen für alle sichern)

(45)    Interkulturelle Kompetenz und Integrationsfähigkeit gewinnen Bedeutung

(46)    „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ einerseits, Wunsch nach Geborgenheit und Abgrenzung andererseits - „Heimat und Aufbruch“

(47)    Diskussion „Arm und Reich“ von wachsender Bedeutung

(48)    Globale Blockbildung auf Basis der Durchsetzung von nationalen Eigeninteressen

(49)    Projekt Europa gefährdet: zwar von nationalen Volkswirtschaften zum europäischen Binnenmarkt (28 Länder) übergegangen, Schritte zu einer Wirtschafts- und Währungsunion, aber Krisen, Brexit, unübersehbare Erschöpfungserscheinungen

(50)    Nicht ausgefüllte strategische Rolle Europas im globalen Kontext: vermittelnde Position zwischen (angelsächsischem) Individualismus und (asiatischem) Kollektivismus; Grundlage: Personbegriff; ausgewogenes (Wirtschafts-)verständnis, das Freiheit und soziale Verantwortung miteinander verbindet



5.      Markt- und Unternehmensverständnis

(51)    Weiter wachsende Dominanz der Finanzwirtschaft gegenüber der Realwirtschaft

(52)    Zunehmende Macht der Informationswirtschaft (Digitale Plattformen wie z.B. Facebook, Instagram) gegenüber produzierenden Unternehmen

(53)    Zweigeteilte und weiter auseinander driftende Unternehmenswelt: typischerweise oligopolistische Strukturen bei börsen-, d.h. finanzgetriebenen Großunternehmen („Typ A“), Vielfalt und Produktorientierung bei Familienunternehmen (aber nicht durchgehend)

(54)    Geschäftsmodelle, die auf Abschöpfung statt Wertschöpfung zielen, Bsp. Webangebote mit intransparenten Algorithmen, die als Transparenz-Anbieter auftreten

(55)    Typ A: Einseitige Kapitalorientierung über die Vermachtung von Märkten und Kunden

(56)    Typ A: Profitmaximierung als selbstverständliches oberstes Ziel des Unternehmens: Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohlorientierung verblassen

(57)    Typ A: Sicht der Mitarbeiter als „Ressource“ und Instrument statt als Person – je messbarer die Resultate, desto geringer der Spielraum für den Mitarbeiter

(58)    Andererseits: je kreativitätsbetonter die erwartete Leistung, desto mehr Freiheiten und Spielräume für die Mitarbeiter – Entfaltung der Personalität wird ernster genommen

(59)    Zunahme befristeter Beschäftigungsverhältnisse – Ambivalenz zwischen erlittener Unsicherheit und gewünschter Bindungslosigkeit

(60)    Industrie 4.0 könnte mittel- bis langfristig zu Rekordarbeitslosigkeit führen – Trend zu weniger, aber „brain intensive“ Jobs – Klassengesellschaft?

(61)    Verkürzung der Produktzyklen – jede Mode generiert neuen Absatz

(62)    Demographischer Wandel: in bestimmten Berufen Wettbewerb um Arbeitnehmer abzusehen, in anderen Freisetzung vieler gering qualifizierter Arbeitskräfte

(63)    Daran anknüpfend: Diskussion um ein „bedingungsloses Grundeinkommen“

(64)    Wie gelingt es, weniger Qualifizierte im Arbeitsprozess zu halten?

(65)    Forcierte Verbindlichkeit nur kurzfristigen Handelns und Berichtens

(66)    Materieller Wohlstand wichtiger als ethische Ziele („keine höheren Werte als Geld“)

(67)    Entkoppelung von Eigentum und Verantwortung als Strukturprinzip der Aktie; Eigentum am Unternehmen wird bloße Finanzanlage/Spekulationsobjekt

(68)    Zurückdrängen der Gemeinwohlverpflichtung auf formale Compliance-Regeln

(69)    Compliance, CSR u.a. als dünnes Surrogat umfassender Verantwortung

(70)    Global tätige Unternehmen: wer übernimmt persönlich Verantwortung, insbesondere soziale Verantwortung? Organisation kann Verantwortung faktisch auflösen

(71)    Diskussion Managergehälter: Maßstab Arbeitsentgelt oder Shareholder-Anteil?

(72)    Wettbewerbsordnung für regionale und globale Märkte tritt zurück vor Marktmacht und nationalen Interessen

  

6.      Gesellschaftlicher Rahmen

73)    Dynamik der Veränderung in Deutschland: Wiedervereinigung, europäischer Binnenmarkt, Wirtschafts- und Währungsunion, Finanzkrise, Demografie, Flüchtlinge und Migranten

(74)    Jahrzehntelange Wohlstandsgesellschaft: nicht selten Einüben einer reinen Konsumentenrolle

(75)    Neubetonung des Wertes Familie, zugleich Neudefinition der Familie

(76)    Streben nach maximaler Individualität im gesellschaftlichen Normalbereich

(77)    Zunehmende ethisch-moralische Defizite

(78)    Trend zur Trivialisierung und Banalisierung des Lebens in den Medien

(79)    Fortschreitende Ökonomisierung der Gesellschaft

(80)    Hoher Zeit- und Aufmerksamkeitsbedarf für das Erwerben und Ausüben zivilisatorischer Grundfähigkeiten, wirkt sich zu Lasten geistig-kultureller Themen/Bildung aus

(81)    Kernthema Identität: (Interkulturelle) Dialogfähigkeit setzt ausgeprägte Identität voraus: verbreitete Mängel in der Grundlagenbildung der nachwachsenden Generationen, besonders was die geistigen Grundlagen Europas betrifft

(82)    Gestiegenes Bewusstsein für die Notwendigkeit nachhaltiger und ökologisch verantwortbarer Handlungs- und Gestaltungsweisen

(83)    Generation Y:  Wunsch nach personaler Mitwirkung im Unternehmen statt bloßer Vorgaben-Erfüllung; Interesse an immateriellen Werten (Solidarität, Kollegialität, soziale Verantwortung und Sinnhaftigkeit)

(83)    In vielen Zusammenhängen sind die Bürger/Konsumenten nicht nur Betroffene der Entwicklungen, sondern zugleich Treiber und Akteure – wenn sich etwas ändern soll, bedeutet dies häufig: wir müssen uns ändern





Ansprechpartner ist der BKU-Arbeitskreis Jahresthema: Dr. Franz Schoser, Stephan Teuber, Dr. Hans Günther Ullrich (Verf.), Reinald Wolff (Kontakt über die BKU-Geschäftsstelle).

Den Beitrag
"Wirtschaft N.E.U. denken - Das BKU-Thema"
aus BKU-Journal 1-2/2016, S.4/5 finden Sie hier.

Den Beitrag
"Jahresthema Wirtschaft N.E.U. denken - Arbeitskreis stellt Zwischenstand vor"
aus BKU-Journal 4/2016, S.20 finden Sie hier.





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