Zum Unternehmer berufen!

Zum Unternehmer berufen

Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden ermutigt Unternehmer zum verantwortlichen Führen

„Führungskräfte der Wirtschaft sind dazu berufen, die Wirtschaft entsprechend der Würde des Menschen und mit Blick auf das Gemeinwohl zu gestalten. Ein Grundprinzip ist es dabei, Menschen mit Gütern zu versorgen, die wirklich gut sind, und mit Dienstleistungen, die wirklich dienen.“ Dieses Wort stammt aus der jüngsten Schrift des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden: "Zum Unternehmer berufen! Eine Ermutigung für Führungskräfte in der Wirtschaft". Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden stellte jetzt in Frankfurt die deutsche Fassung der Expertise vor. Der BKU ist Mitherausgeber der deutschen Fassung des Textes, der unter dem englischen Originaltitel „Vocation of the Business Leader“ erschienen ist. Kurienkardinal Peter Turkson diskutierte die Rolle von Führungskräften der Wirtschaft in Unternehmen und in der Gesellschaft mit Vertretern von UNIAPAC Europe, BKU und der Deutschen Kommission Justitia et Pax. Sie hatten zu einem Panel eingeladen, um das Dokument der Öffentlichkeit vorzustellen.

Prof. Dr. André Habisch (rechts), Wissenschaftlicher Berater des BKU, war an der Übersetzung des Grundsatzpapiers maßgeblich beteiligt und moderierte die abendliche Podiumsdiskussion.

Weiterentwicklung der Katholischen Soziallehre

Erstmalig beschäftigt sich die Weltkirche in der Schrift umfassend mit der Verantwortung von Führungskräften. Sie fasst darin die Ergebnisse einer internationalen Konferenz des Päpstlichen Rates in Februar in Rom zusammen. Vor dem Hintergrund der jüngsten Sozialenzyklika „Caritas in Veritate“ von Papst Benedikt XVI. hatten Unternehmer, Wissenschaftler und andere Experten „Die Logik des Schenkens und seine Bedeutung in der Wirtschaft“ diskutiert und versucht, die katholischen Soziallehre weiter zu entwickeln: Das globalisierte Wirtschaftsleben werfe Fragen nach Ethik in Wirtschaft und Gesellschaft auf, die neue Antworten erforderten.

Globalisierung, neue Informationstechnologien und eine zunehmende Dominanz der Finanzmärkte eröffneten Chancen für Wohlstand und unternehmerischen Erfolg, betont der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden. Sie brächten jedoch zugleich Belastungen mit sich, die Unternehmern ihren Dienst am Gemeinwohl erschweren können. Geschäfts- und Entscheidungsabläufe würden rasant beschleunigt und der Finanzsektor sei auf Kurzfristigkeit ausgerichtet. Kulturelle Veränderungen hätten zu einer zunehmenden Ich-Bezogenheit geführt. Werte hätten sich relativiert, Rechte seien vielen Menschen wichtiger geworden als Pflichten. Vielen Mitarbeitern, deren Motivation und Führung Kernaufgabe der Unternehmer sei; jedoch auch vielen Unternehmern selbst. Die Bereitschaft, dem Gemeinwohl zu dienen, sei oftmals verloren gegangen.

Die Kirche ruft dazu auf, persönlichen Glauben und alltägliche Unternehmenspraxis nicht zu trennen. Eine solche Trennung führe zu Unausgeglichenheit und einem fehlgeleiteten Tanz um das „goldene Kalb des wirtschaftlichen Erfolges“. Eine „dienende Führung“ hingegen, die vom Evangelium inspiriert sei, erweitere den geistigen Horizont und ermögliche es, den Unternehmensalltag mit sozialethischen Zielen zu vereinbaren.

Praktische Leitlinien für den Unternehmensalltag

„Zum Unternehmer berufen“ soll christliche Führungskräfte dazu anregen, die Herausforderungen und Chancen ihrer Arbeit zu sehen, sie anhand sozialethischer Prinzipien zu beurteilen und als Entscheider, die Gott dienen, zu handeln. Die Gliederung der Schrift erarbeitet für diese drei Stufen Leitlinien für verantwortungsvolles Führen im unternehmerischen Alltag. Dazu gehören eher abstrakte Anforderungen wie Respekt vor der Menschenwürde und der Dienst am Gemeinwohl, die Berücksichtigung der Belange der Armen und die sorgfältige Nutzung von Ressourcen. Dazu gehören jedoch auch praktische Leitlinien, die diese abstrakten Anforderungen für die Anwendung im Unternehmensalltag übersetzen. Beispielsweise durch eine subsidiäre Organisation des Unternehmens und der Arbeitsabläufe. Menschen verwirklichten sich in ihrer Arbeit dann am besten, wenn sie sich aktiv einbringen könnten. Arbeitnehmer sollten in ihrer Arbeit ein Mitspracherecht haben, auch und gerade im betrieblichen Alltag. Dies stärke Eigeninitiative, Innovationskraft und Kreativität. Zugleich eröffne das Subsidiaritätsprinzip Führungskräften neue Einsichten. Es ermutige sie, eigene Vollmachten in den Dienst ihrer Mitarbeiter zu stellen. Es ermutige sie gemeinsam zu hinterfragen, ob sie ihre Autorität in den Dienst der Entwicklung und Entfaltung aller Beschäftigten stellen. Damit Arbeitnehmer diese Aufgaben gut erfüllen zu könnten, erfordere das Subsidiaritätsprinzip sie fortzubilden und zu qualifizieren, um sie mit den notwendigen Werkzeugen, Techniken und Erfahrungen auszustatten.


Bischof Dr. Stephan Ackermann, Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax (r.), und Kardinal Turkson vor der Pressekonferenz im Haus am Dom in Frankfurt. Neben weiteren berichteten der Spiegel und die FAZ.
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