Pressemitteilungen

Gastbeitrag von Andreas PŘttmann im BKU-Journal 1-2/2014

Warum noch Kirchensteuer?

Das spezifisch deutsche System staatlichen Kirchensteuereinzugs wird zunehmend infrage gestellt. Dr. Andreas Püttmann, Politikwissenschaftler und freier Publizist (u.a. „Gesellschaft ohne Gott“), hinterfragt die Kritik und wägt das Für und Wider der Kirchensteuer ab. Seine These: Dir Kirche brauche das System weniger als der Staat.
Die Kritik am staatlichen Kirchensteuereinzug kommt aus zwei Richtungen: Militante Laizisten sehen darin einen Verstoß gegen die Trennung von Kirche und Staat und erhoffen sich von der Abschaffung eine finanzielle Schwächung der Kirche. Die würde auch eintreten, wenn nur noch freiwillige, selbstbemessene Beiträge zu entrichten wären und der kostengünstige Einzug durch die staatlichen Finanzämter entfiele.

Freiwillig nicht so tief in die Tasche greifen?
„Stark belastet“ fühlen sich laut Allensbach durch die Kirchensteuer zwar nur zehn von 100 Deutschen (54 aber durch die Mineralölsteuer, 50 durch die Mehrwertsteuer). Da jedoch nur etwa jedes dritte Kirchenmitglied Kirchensteuer zahlt, also 20 Prozent der Bevölkerung, betrachtet die Hälfte der Zahler diese Pflicht als lästig und würde freiwillig sicher nicht so tief in die Tasche greifen.

Auf der anderen Seite ist die religiöse Rechte in beiden Konfessionen genervt von der Herrschaft lauer Kirchenfunktionäre in aufgeblähten Ordinariaten und Kirchenämtern. Sie erhofft sich von einer Zerschlagung des Systems die Revitalisierung eines behäbigen Gewohnheitschristentums, aber wohl auch eigenen Machtzuwachs. Eine spendenfinanzierte Kirche müsste sich stärker auf fromme Entscheidungschristen bürgerlich-konservativer Provenienz stützen  und würde dadurch selbst zu religiös wie politisch konservativeren Positionen tendieren. Eine nicht unrealistische Annahme, wenn man an das hohe Spendenaufkommen christlicher Medien und Hilfswerke mit dezidiert „recht(s)gläubigem“, missionarischem Profil denkt, obwohl diese ohne bischöflich eingeworbene Kollektengelder auskommen müssen.

Sektiererische Krankschrumpfung statt Gesundschrumpfung?
Ultrakatholische Kritiker der Kirchensteuer verstehen Papst Benedikts Impuls zur „Entweltlichung“ als Wasser auf ihre Mühlen, statt sich selbstkritisch zu fragen, ob es nicht auch ein spezifisch konservatives Klammern an irdische Realitäten und Äußerlichkeiten gibt, das der Entweltlichung bedürfte. Für diese Kirchenfraktion könnte sich der Heilige Geist im Konklave 2013 eine pontifikale Therapie gegen Selbstgerechtigkeit und institutionellen Narzissmus ausgedacht haben. Denn die erhoffte „Gesundschrumpfung“ der Kirche auf einen glühenden Kern könnte sich leicht zur sektiererischen Krankschrumpfung entwickeln, wenn man auf den Beitrag der „Lauen“ und derer an der „Peripherie“ meint verzichten zu können. Zum Verständnis des Evangeliums durch die Kirche haben manchmal sogar ganz säkulare Kräfte beigetragen, etwa bei der Entwicklung der Menschenrechte.

Eine arme Kirche ist kein Selbstzweck. Vielmehr hat sie ihre finanziellen und organisatorischen Ressourcen im Licht ihres missionarischen und humanitären Auftrags für die ganze Gesellschaft zu sehen. Der rechten „Armut vor Gott“ kann sich auch eine begüterte Glaubensgemeinschaft bewusst bleiben. Ein hohes Kirchensteueraufkommen ermöglicht es nicht nur, weltweit hilfreich zu sein, sondern auch daheim Strukturen einer „Geh-hin-Kirche“ (Joseph Kardinal Höffner) zu erhalten, die wenigstens eine Ahnung von christlicher Kultur und Nächstenliebe unter Menschen vermittelt, die von sich aus keinen Kontakt zur Gemeinde suchen würden.

Der Legitimationsdruck auf die Kirche wird steigen
Eine striktere Trennung von Kirche und Staat fand 2011 laut „Infratest dimap“ nur noch eine knappe Mehrheit der Deutschen (50:44 Prozent) „nicht notwendig“. Die Jüngeren wollen dem Christentum keine „bevorzugte Stellung“ mehr zubilligen (29:46 Prozent). Der Legitimationsdruck auf die Kirchensteuer wird steigen. Man kann mit guten Argumenten gegenhalten, denn das bewährte System ist einfach, kostengünstig, gerecht und sichert die Unabhängigkeit der Kirche von Großspender- und Gruppeninteressen.

Dabei ist aber immer klarzumachen: Brauchen tut die Kirche es weniger als der Staat. Er könnte die ineinander verwobenen finanziellen und ideellen Beiträge der Christen zum Gemeinwohl nicht ersetzen, selbst wenn er durch eine allgemeine Kultursteuer nach italienischem Vorbild auch konfessionslose Bürger zur Kasse bitten würde. Mit Geld allein ist ein menschenwürdiges soziales Klima im Land nicht zu sichern.

Dr. Andreas Püttmann

erschienen im BKU-Journal 1-2 2014 (Artikel als pdf)

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