Dialog mit Papst und Kurie

UNIAPAC nimmt Stellung zu äEvangelii Gaudiumô

Die Internationale Christliche Unternehmervereinigung (UNIAPAC), der auch der BKU angehört, hat mit einer umfangreichen Stellungnahme auf das päpstliche Rundschreiben „Evangelii Gaudium“ reagiert. Eine UNIAPAC-Delegation übergab das Dokument in Rom zwei wichtigen Beratern von Papst Franziskus: Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, Präsident von Caritas Internationalis und Koordinator des achtköpfigen Kardinalsrates zur Reform der Kurie, und Kardinal Peter K. A. Turkson, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden. Mit den beiden Kardinälen und einigen ihrer Mitarbeiter wurde die Stellungnahme in einem halbtägigen Workshop intensiv diskutiert. Für die UNIAPAC Europa gehörte deren Generalsekretär, BKU-Geschäftsführer Martin J. Wilde, der Delegation an. Gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Berater des BKU, Prof. Dr. André Habisch, hatte er die Redaktionsgruppe für die Stellungnahme koordiniert.
Papst Franziskus, Bischof Mario Toso (Justitia & Pax), JosÚ ┴ngel GurrÝa (OECD), Uniapac-Prńsident JosÚ Maria Simone, S. Helen Alford (Dekanin Angelicum Rom), eine Direktorin des IWF, NestlÚ-Vorstand Peter Brabeck und Prof. AndrÚ Habisch (v.r.).
Politische Ordnung und Wirtschaftsordnung hängen zusammen

Die UNIAPAC-Stellungnahme unterstützt das Anliegen von Papst Franziskus nach einer Wirtschaft, die die Armen nicht ausschließt. Es gehe dabei nicht nur darum, dass die Wirtschaft die Bedürfnisse der Armen mit günstigen Produkten und Dienstleistungen bedient und sie nur als Konsumenten sieht. Vielmehr sollen sie auch als Produzenten betrachtet werden, die mit ihrer Schaffenskraft das für sie und ihre Familien zum Leben Notwendige aus eigener Kraft – und damit in Würde – erwirtschaften können.
In der Stellungnahme weist UNIAPAC darauf hin, dass die weltweite Armut noch nie so stark zurückgegangen sei wie in den letzten 25 Jahren. Der Anteil der Armen ist in diesem Zeitraum von 47 Prozent der Weltbevölkerung auf 22% zurückgegangen. Dies sein ohne die innovativen und produktiven Kräfte der Marktwirtschaft nicht möglich gewesen, betont die UNIAPAC.

Die Stellungnahme hebt aber deutlich hervor, dass die Schaffung von produktiven Arbeitsplätzen und die Möglichkeiten der Armen, selbständig ökonomisch aktiv zu werden, nicht nur von den einzelnen Entscheidungsträgern in der Wirtschaft abhängt sondern ganz wesentlich auch von den poltischen Rahmenbedingungen. Das UNIAPAC-Dokument kritisiert vermachtete Strukturen von Politik und bestimmten wirtschaftlichen Partikularinteressen („Crony Capitalism“), Korruption und dadurch hervorgerufene Wettbewerbsverzerrungen  vor allem auf nationaler Ebene in vielen Ländern als die Haupthindernisse zu einer „Inclusive Economy“.

Dreiklang aus Wirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft

Entscheidend für eine wirtschaftliche Entwicklung hin zu „Wohlstand für alle“ ist aus Sicht der UNIAPAC neben einem ethischen Verhalten der Führungskräfte in der Wirtschaft daher die Gemeinwohlorientierung des staatlichen Handelns. Diese Falle aber nicht vom Himmel, sondern müsse  aus der Mitte der jeweiligen Gesellschaft immer wieder und neu eingefordert, erstritten und manchmal auch erkämpft werden. Die Stellungnahme weist in diesem Zusammenhang auf die große Bedeutung einer lebendigen und pluralen Zivilgesellschaft hin. Teil dieser Zivilgesellschaft müssen auch die Kammern und Verbände sein, in denen sich vor allem die kleinen und Mittelständischen Unternehmer zusammenschließen.  Für Christen sei er daher eine Pflicht, sich in solchen Organisationen zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen.

Internationale Konferenz in Rom

Die Ergebnisse des Dialoges mit den beiden Kardinälen flossen in eine vom Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden organisierte internationale Konferenz ein, in deren Vorbereitungsteam Prof. Habisch für die UNIAPAC berufen wurde. An der Konferenz im Juli nahmen u.a. der Präsident der englischen Zentralbank Frank Carney, der Nobelpreisträger und Gründer der Grameen Bank Muhamad Yunus, OECD-Generalsekretär José Ángel Gurría und zahlreiche weitere Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Weltkirche teil. Papst Franziskus selbst nahm sich einen halben Tag Zeit, um einen Impuls zu geben und um den Diskussionen zuzuhören. Prof. Habisch hatte gar die Gelegenheit, beim Mittagessen am Tisch des Papstes Kernerfahrungen der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland und Europa vorzutragen.

Martin J. Wilde


Stellungnahme der Uniapac zu Evangelii Gaudium zum Download


Uniapac-Beitrag zur Konferenz zum Download

Beitrag im BKU-Journal 3/2014 als pdf
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