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23.10.17 | Hauptstadtforum von bku und KAS

Evolution statt Disruption: Experten diskutieren „Mobilität der Zukunft“

Verbrennungsmotoren stehen als Schadstoff-Quellen massiv in der Kritik. In Politik und Medien werden neue Antriebstechnologien gefordert. Elektromobilität gilt als Zukunftstechnologie, Carsharing und autonomes Fahren sind Megatrends. Neben hohen Schadstoffbelastungen in den Städten sind häufige Staus und Schienenersatzverkehr alltäglich. Die „Konrad Adenauer Stiftung“ (KAS) und der „Bund Katholischer Unternehmer“ (bku) diskutierten
Podiumsgäste beim Hauptstadtforum in der Akademie der Konrad Adenauer Stiftung (Foto: C. Brinckmann, KAS)
am 23. Oktober 2017 in einem  „Hauptstadtforum“ mit Vertretern aus Politik, Verbänden und Wissenschaft in der Berliner KAS-Akademie die „Mobilität der Zukunft“ mit Steffen Bilger, CDU-Bundestagsabgeordneter, Klaus Ulrich Becker, Vizepräsident für Verkehr des ADAC, und Dr. Irene Feige, Leiterin des „Instituts für Mobilitätsforschung“ (ifmo). Die Experten stellten sich den Fragen der Moderatoren Matthias Schäfer (KAS) und Richard Schütze (bku) und des Publikums mit rund 80 Teilnehmern.

„Jeder soll entscheiden können, wie er sich bewegt“
Wir alle sind täglich Nutzer von Mobilitätsangeboten. 800.000 Menschen arbeiten in der deutschen Autoindustrie. Um die Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit in dieser für den Wohlstand zentralen Branche nicht zu gefährden, mahnte Steffen Bilger, die Entwicklung neuer Technologien wie z.B. innovative Antriebstechnologien oder das automatisierte Fahren nicht zu verschlafen. „Die Autoindustrie darf sich nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen“, sagte der CDU-Politiker. Man dürfe nicht länger zusehen, wie Zukunftstechnologien nur in Kalifornien oder China entwickelt würden. Die Politik müsse die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit sich neue Technologien entwickeln und durchsetzen könnten. Bilger sprach sich gegen generelle Fahrverbote aus und forderte stattdessen eine Stärkung des Individualverkehrs: „Jeder soll auch weiterhin selbst entscheiden können, wie er sich von A nach B bewegt“. Anders als z.B. im Energiesektor nach der Katastrophe von Fukushima sieht Bilger im Bereich der Mobilität keine grundlegende Wende bevorstehen. „Wir haben es hier nicht mit einer Revolution, sondern mit einen stetigen Evolution zu tun“, so der Politiker.

„Die Digitalisierung wird alles verändern“
Die Leiterin des ifmo, Dr. Irene Feige, erforscht verkehrsträgerübergreifend verschiedene Zukunftsszenarien. Trotz einiger makroökonomischer Trendbrüche – wie bspw. der Wirtschaftskrise 2007/8 oder dem enormen Wirtschaftswachstum in China - sei die Entwicklung in den letzten Jahren innerhalb des erwarteten Zukunftskorridors linear verlaufen, sagte Feige. Für die Zukunft sieht sie jedoch „massive technologische Umbrüche“ mit großer Geschwindigkeit „auf uns zukommen“. Die Digitalisierung werde die Forschung und Entwicklung sowie die Arbeitsorganisation in den Unternehmen massiv beschleunigen. „Die Digitalisierung wird alles, auch Finanzierungsmodelle, verändern“, prophezeite die Mobilitätsexpertin. In wenigen Jahren würden innovative Technologien wie das automatisierte Fahren völlig neue Mobilitätsmuster hervorbringen.

Evolution statt Disruption
Auch wenn die Skepsis in der Gesellschaft noch groß ist und Fragen des Datenschutzes oder der Haftung noch lange nicht geklärt sind: „Das autonome Fahren wird kommen“, ist sich auch der Vizepräsident für Verkehr des ADAC, Klaus Ulrich Becker, sicher. Der Trend vom teilautomatisierten Fahren, wie es heute schon mit vielen Fahrzeugen möglich ist, bis hin zum wirklich autonomen Fahren werde jedoch noch einige Jahre dauern. „Diese Entwicklung wird nicht disruptiv, sondern evolutionär sein“, stimmte der ADAC-Vertreter dem Politiker Bilger zu. Carsharing-Modelle wie Car2Go oder DriveNow seien eine erfolgreiche neue Form der Nutzung des Automobils. „Es geht nicht mehr darum, zu besitzen, sondern zu nutzen“, sagte Becker.  Er forderte, neue Antriebstechnologien und Kraftstoffe intensiver zu erforschen, um Schadstoffemissionen zu reduzieren. „Über uns hängt das Damokles-Schwert der blauen Plakette“, stellte er fest. Auch wenn man in Städten mit dem E-Bike oder dem Öffentlichen Nahverkehr recht gut von A nach B komme, gerade im ländlichen Raum bleibe das Auto als Fortbewegungsmittel unersetzlich. „Wir müssen dafür sorgen, dass diese Mobilität auch weiterhin erhalten bleibt“, forderte Becker abschließend.

Constanze Brinckmann und Richard Schütze

> online Veranstaltungsbericht der KAS 
 
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