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24.04.17 | Bericht von Richard Schütze

Was wollte und was bewirkte Luther?

„Ein großer Reformstau und immenser Reformbedarf mit erheblichen sozialen Krisen kennzeichnete den Beginn des 16. Jahrhundert im Deutschen Reich“, nicht wenige Orden waren „in keinem guten Zustand“, die Situation der Bauern in vielen Gegenden war schlecht, das Ansehen und die Bedeutung der Reichsritter sanken kontinuierlich ab und die Päpste waren seit ihrer babylonischen Gefangenschaft in Avignon auf finanzielle Einnahmen angewiesen; der Ablasshandel blühte und wurde zum Skandal.
Geistlicher Begleiter der DG Berlin-Brandenburg, Pfarrer Dr. Josef Wieneke und DG-Vorsitzender Richard Schütze (Foto: Norman Gebauer, bku)
Das Heilige Römische Reich deutscher Nation war krisengeschüttelt. Auch die Kirche war im Unterschied zu anderen Ländern weiter von einer innerer Reform entfernt. Im gesamten 15. Jahrhundert, so Wieneke, gab es keine Heiligen in Deutschland.

Der Lebensweg des Reformators

Der Geistliche Berater der BKU-Diözesangruppe Berlin-Brandenburg im Erzbistum Berlin, Pfarrer Dr. Josef Wieneke, hat sich in einer Promotion mit dem Leben und Wirken des Reformators Martin Luther auseinander gesetzt. Der Luther-Experte breitete vor den rund 30 Mitgliedern und Gästen bei der Abendveranstaltung der Diözesangruppe Berlin-Brandenburg am 24. April 2017 ein breites geistesgeschichtliches Panorama der Reformationszeit aus. Zum 500-jährigen Gedenken an das dritte Schisma nach der Trennung der orientalischen Kirchen im 4./5. Jahrhundert und dem morgenländischen Schisma 1054 mit der Abspaltung der griechisch-orthodoxen von der lateinischen Kirche skizzierte Wieneke die Ideenwelt, das Leben und die Wirkung Luthers. Der hochbegabte Jurist hatte nach einem Blitzeinschlag bei dem seitdem berühmten „Gewitter von Stotternheim“ im Juli 1505 gelobt, Mönch und Theologe werden zu wollen.

Allein auf die Gnade Gottes angewiesen

Immer in der Furcht vor dem „zürnenden Gott“ sah Luther sich auf seinem Lebensweg allein auf die Gnade Gottes angewiesen und hielt eine Mitwirkung des Menschen mit einem Wachstum in der eigenen Heiligkeit für ausgeschlossen. Ein entscheidender Knackpunkt war auch die Ansicht Luthers, dass nicht nur der Papst, den er als „Antichrist“ titulierte, sondern auch die kirchlichen Konzilien sich in Fragen der Glaubens- und Sittenlehre irren könnten und auch bereits geirrt hätten. Auch geriet er in den Strudel des politischen Konflikts zwischen Staat und Kirche, bei dem es vielen Fürsten vornehmlich auf die Erweiterung ihrer weltlichen Macht und den Zugang zu ökonomischen Ressourcen ankam.


Die Abspaltung von Rom
Immer in der Furcht vor dem „zürnenden Gott“ sah Luther sich auf seinem Lebensweg allein auf die Gnade Gottes angewiesen und hielt eine Mitwirkung des Menschen mit einem Wachstum in der eigenen Heiligkeit für ausgeschlossen. Ein entscheidender Knackpunkt war auch die Ansicht Luthers, dass nicht nur der Papst, den er als „Antichrist“ titulierte, sondern auch die kirchlichen Konzilien sich in Fragen der Glaubens- und Sittenlehre irren könnten und auch bereits geirrt hätten. Auch geriet er in den Strudel des politischen Konflikts zwischen Staat und Kirche, bei dem es vielen Fürsten vornehmlich auf die Erweiterung ihrer weltlichen Macht und den Zugang zu ökonomischen Ressourcen ankam.


Der Weg der Ökumene
Seit vielen Jahrzehnten bemühen sich die Kirchen um eine ökumenische Annäherung. Dabei „rollt sich alles“, so Pfarrer Dr. Wieneke, „von hinten auf“. Die Verständigung mit den orientalischen Kirchen ist teilweise schon sehr weit vorangekommen und mit den orthodoxen Kirchen finden intensive Gespräche statt. Der Prozess der Wiederannäherung mit den reformierten und lutherischen Kirchen verläuft mühsamer, doch er stagniert trotz mancher Rückschläge nicht.
66 Prozent der Katholiken und immerhin 38 Prozent der Protestanten in Deutschland sehnen sich, so zitierte  Wieneke eine aktuelle Untersuchung, nach der Einheit der Christenheit.
 Die Verfolgung aller Christen durch die Nazis im 3. Reich habe die Christen verstärkt zusammengeführt. Vielleicht müssten die Christen auch erst in der Diaspora und durch Verfolgung den Weg zur Einheit finden. „Wir brauchen wieder mehr Märtyrer“, sagt Papst Franziskus. Weltweit sind Christen die derzeit am meisten verfolgte religiöse Gruppe. Der Papst spricht in dem Zusammenhang von einer Ökumene des Blutes. So kann auch im Dunkeln ein Licht aufleuchten, das hoffen lässt.

„Ut omnes unum sint“
Zum Ausklang des Abends beteten die Teilnehmer die Fürbitte Jesu für die Glaubenden (Joh 17, 21-24): „Alle sollen eins sein: Wie Du, Vater, in mir bist und ich in Dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass Du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die Du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und Du in mir.“



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