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27.03.2017 | BER plus TXL. Eine Lösung für die Hauptstadtregion?

Ohne Sinn und Verstand

„Über den Wolken - muss die Freiheit wohl grenzenlos sein - alle Ängste, alle Sorgen - sagt man - blieben darunter verborgen - und dann - würde was uns groß und wichtig erscheint - plötzlich nichtig und klein.“  Dieser Refrain aus Reinhard Meys berühmter Ballade über das Fliegen muss den Initiatoren und Planern des im Bau befindlichen neuen Berliner Flughafens wohl in ihrem Höhenflug zu Kopf gestiegen sein und dabei die Vernunft versehentlich außer Betrieb gesetzt haben.

Referent Hans-Henning Romberg (r.) und bku-Beiratsmitglied Fritz Breitenthaler (Foto: Norman Gebauer, bku)
Anders ist die sich unaufhörlich munter fortschreibende Katastrophe um den Flughafen BER Berlin nicht zu erklären.

Staat und Politik erweisen sich als miserable Unternehmer

Wieder einmal bewahrheitet sich, dass die Politik der schlechtere Unternehmer ist. Berlin und Brandenburg hätten entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip sich auf das Politikmanagement beschränken und Generalunternehmer machen lassen sollen.

Noch beim Spatenstich zu dem Flughafenprojekt mit dem Beinamen „Willy Brandt“ im September 2006 nannte man den Airport hochtrabend „Berlin Brandenburg International“ und verwandte dafür das Kürzel BBI. Nun „jeht es“, wie der Berliner in derlei Fällen zu sagen pflegt, „ooch `ne Nummer kleener“. Und Demut ist absolut angesagt. Die Stadt sei „arm, aber sexy“ meinte damals jener Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und das Bundesland Brandenburg, beim Spatenstich im September 2006 vertreten durch seinen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, war auch nicht betuchter, dafür aber wohl weniger sexy. In den 11 Jahren danach ist es einer ansehnlichen Schar von professionellen Politikern im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft immer noch nicht gelungen, mehr als eine Bauruine in den Brandenburger Sand zu setzen. Die kostet die Steuerzahler tagtäglich mehr als eine Million Euro allein an Betriebs- und Instandhaltungskosten und verschlingt weitere Unsummen an Baukosten. Dutzende Unternehmer und Gewerbetreibende wurden bereits in oder fast in den Ruin getrieben und eine der wichtigsten Metropolen der Welt dem Gespött rund um den Globus preisgegeben. „Während die Chinesen im selben Zeitraum mehr als 50 Flughäfen gebaut haben, haben wir in Deutschland nur einen halben hingekriegt“, resümiert  der ehemalige Flughafen- und Lufthansa-Topmanager Hans-Henning Romberg frustriert.

Missmanagement ohne Ende

Die rund 30 Mitglieder und Gäste der Diözesangruppe Berlin-Brandenburg wissen an jenem sonnigen Abend des 27. März 2017 nicht, ob sie weinen oder lachen sollen; erschüttert lauschen sie den Ausführungen Rombergs. Der Experte jagt sein Publikum durch ein Wechselbad der Gefühle. Mit jedem Chart seiner Präsentation serviert Romberg seinem Auditorium, das sich in der Katholischen Akademie in Berlin versammelt hat, neue Qualen. So viel Unfähigkeit und Zumutung, Dreistigkeit und Unverstand scheinen an einem Abend nicht aushaltbar zu sein. „Das ist Sabotage, was da geschieht“, bricht es aus einem Teilnehmer in der sich an den Vortrag anschließenden Debatte hervor. Der Ruf nach Schadensersatz und dem Staatsanwalt lässt bei so viel Staatsversagen auch nicht lange auf sich warten. Begriffe wie „Schande“ und „Veruntreuung anvertrauter Steuergelder“ scheinen zu banal, um das Desaster in seinem vollen Ausmaß angemessen zu bewerten. Mal sind es die viel zu geringen Passagierzahlen, die die Planer für den BER als ausreichend deklariert hatten, mal ist es die Architektur, die vielleicht einem Baumarkt oder einem IKEA-Center angemessen gewesen wäre, aber mitnichten die vielen Reisenden samt Gepäck, die „Check-In“-Schalter oder die „Security“ beherbergen kann, mal ist es die vollkommen unzulängliche Anbindung mit Bus und Bahn oder gar Privatwagen und Taxis, die fassungslos macht. Allein die Fahrzeit von Berlin HBF mit öffentlichen Verkehrsmitteln raus zum BER summiert sich auf eine Stunde und dreizehn Minuten. Zum Vergleich: In München benötigt der Reisende vom HBF zum Flughafen nur 38 Minuten. > im PDFWege aus der Krise" weiterlesen 

Richard Schütze

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kommentar Kommentare
04.04.2017 BER= demokratisch legitimierter Betrug
von Henry Bren d' Amour
  Das Beispiel der Inkaufnahme von Personengefährdung bei Massenandrang im Ankunftsbereich (u.a. Rolltreppenproblematik) zeigt die Skrupellosigkeit, mit der beim BER vorgegangen wird. Die im Hinblick auf die Kapazitäten bewusste Fehlplanung einerseits und die Verhinderung des Weiterbetriebs von TXL andererseits, könnten ein Indiz dafür sein, dass es für Tegel im Hintergrund Immobiliendeals gibt, bei denen unter der Hand sehr viel Geld im Spiel ist. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, gegen alle Vernunft TXL zu schließen.
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