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21.03.2017 | Pilot-Workshop bku•YouthClub gestartet

Werte als Maßstab für das Denken und Handeln

Innerweltliche Heilslehren und Fanatismus haben viele Menschen in ihren Bann gezogen. Grundbegriffe wie Mensch und Person, Staat und Gesellschaft, Gerechtigkeit und Gemein- wohl, Wahrheit und Recht verschwimmen. In dem neu gegründeten bku•YouthClub wollen wir mit Schülern, Studenten und jungen Berufstätigen mit Vorträgen, anhand von Text-Studien sowie in einer moderierten Reflexion die Grundlagen einer menschen- gerechten und auch christlich geprägten Soziallehre und -philosophie erarbeiten.

Alles politische Gestalten orientiert sich an Werten. Gerade im Dialog mit anderen Kulturen, wie etwa der islamisch geprägten Welt, treten aber unterschiedliche Wertvorstellungen zu Tage. So wird die Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht überall akzeptiert und in politisches und gesellschaftliches Handeln umgesetzt. Mit welchem Recht und welcher Berechtigung aber können fundamentale Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität postuliert werden?

Wie kann Demokratie gelebt und differenziert diskutiert, wie politische Mitwirkung bei gesellschaftlichen Fragen, die jedermann betreffen, auf der Basis von hinreichenden Informationen und Wissen wahrgenommen werden? Angesichts von immer mehr Desinformation und Propaganda, Zensur und der Verkürzung von Informationen durch Tweeds und Fake-News, Denkverboten und Versuchen, die öffentliche Meinung zu manipulieren, lautet die spannende Frage: Was beinhalten Werte, was ist wahr und wie kann man Wahrheit überhaupt erkennen?

Der neu gegründete bku•YouthClub und die von Berliner Unternehmern gegründete Initiative „Werte-Colloquium“ hatten mehr als 20 Studenten, junge und ältere Berufstätige und Unternehmer am 21. März in den FNC-Club in Berlin eingeladen, um über „Werte als Maßstab für das Denken und Handeln im postfaktischen Zeitalter“ intensiv nachzudenken und miteinander zu diskutieren. Für den bku•YouthClub war dieses Treffen zugleich die Auftaktveranstaltung.

Der Mensch ist wahrheitsfähig

Seine Vernunftnatur befähigt den Menschen zur Erkenntnis der Wirklichkeit. Die Angleichung des menschlichen Denkens an das Sein der Welt und seiner Umwelt nennt man Wahrheit. Der Mensch nimmt die ihn umgebende Wirklichkeit geistig wahr und reflektiert seine Erkenntnisse. So gelangt er auch zu Schlussfolgerungen und Urteilen, die sein Handeln leiten. Ihrem Wesen nach ist jede ‚wahre‘ Aussage auch absolut und allgemeingültig, also allgemein verbindlich, end- und letztgültig. Als allgemeinverbindlich anerkannte Werte setzen also das Erkennen absoluter und allgemeingültiger Wahrheiten voraus. Ganz unabhängig von religiöser Offenbarung oder einem religiösen Bekenntnis ist jeder Mensch befähigt, die „Wahrheit der Dinge“ (Josef Pieper) zu erkennen und sein Handeln danach auszurichten.

Alle Werte gründen im Sein

So sind beispielsweise die im menschlichen Sein fundierten Werte wie die unverfügbare und einzigartige Würde des Menschen erkennbar und können als ‚wahre‘ Aussagen über den Menschen gesellschaftlich verpflichtend in Gesetzen formuliert und in der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ der Vereinten Nationen deklariert  werden.

Rechte und Werte gehören zusammen

Recht und Ethik gehören untrennbar zusammen. Recht wird in Normen formal und materiell gefasst. Normen sind aber nur dann gerecht und rechtens, wenn ihr materieller Gehalt den Werten, wie sie sich aus der Seinsordnung ergeben, entspricht. Diese Werte (personale, geistige, vitale, materielle) sind die sogenannten Rechtsgüter.

Grundwerte sind Rechtsgüter von besonderer Art, unverzichtbar für das Wohl des Menschen als Person. Sie sind im Grundgesetz in den Grundrechten normiert und geschützt. Sie sind die Wert- und Rechtsgrundlagen von Staat und Gesellschaft.

Das Bewusstsein von Wahrheits- und Wertüberzeugungen, das sich auf das Sein von Mensch und Welt beziehen, ist Voraussetzung und Kompass für das ethische Handeln und das politische Gestalten. Alle Wahrheits- und Wertüberzeugungen aber bedürfen einer ständigen Be- und Hinterfragung im Dialog mit anderen ‚erkennenden Menschen‘ und einer immer neuen Anreicherung durch neue und weitere Erkenntnisse, um ein immer vollständigeres Bild von Mensch und Welt zu erhalten. Das erfordert immer neue Anstrengungen um Differenzierung und Auseinandersetzung – um den Versuchungen der Blendung durch verkürzte Informationen und der Manipulation durch Desinformation zu widerstehen. Nur der Mensch hat die Freiheit und den Willen zur Wahrheit.

Richard Schütze


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