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BKU beim 10. Kongress christlicher Führungskräfte in Nürnberg

Mit Werten in Führung gehen

Namhafte Referenten aus Wirtschaft und Politik, inspirierende Seminare und interessante Begegnungen prägten den 10. Kongress christlicher Führungskräfte, der mit Unterstützung des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) vom 23. bis 25. Februar in Nürnberg stattfand. 2.900 Teilnehmer hatten sich zu dem Treffen unter dem Leitmotiv „Mit Werten in Führung gehen“ in der Frankenmetropole versammelt. Unter den Teilnehmern und Referenten waren wieder zahlreiche Mitglieder des Verbandes. Der Kongress christlicher Führungskräfte gilt als größter Kongress zum Thema Wirtschaft und Werte im deutschsprachigen Europa.
Am BKU-Stand: Die BKU-Mitglieder Thomas Günster, Cathrin Hauk und Dr. Achim Georg Deja, die Büroleiterin der BKU-Geschäftsstelle Gaby Jeroch, BKU-Mitglied Susanne Bregy und Ricarda Steinbach, Direktorin der Point Alpha-Stiftung Geisa (v.r.); Foto: Schoser
Marie-Luise Dött: Die Tore werden nicht auf der Tribüne erzielt

Christen sollten sich nicht über die Politik beklagen, sondern stattdessen in Parteien engagieren. Das forderte die BKU-Vorsitzende Marie-Luise Dött MdB bei einem Seminar auf dem Kongress christlicher Führungskräfte. Sie verglich die Politik mit einem Fußballspiel: Die Tore würden nicht auf der Tribüne, sondern auf dem Platz erzielt. Wer in der Gesellschaft etwas verändern wolle, müsse mitspielen statt nur zuzuschauen. Der Sendungsauftrag Jesu fordere Christen explizit dazu auf, die Gesellschaft mitzugestalten. Der christliche Glaube biete dafür eine gute Orientierung. Christen würden die Verfassungsrealität an übergeordneten Werten messen und daraus einen Impuls zur politischen Verbesserung verspüren. Ihr Jenseitsglaube mache sie zugleich ein Stück weit immun  gegen die Utopie der irdischen Paradiese und ermutige sie, vernünftige Kompromisse einzugehen, sagte Dött mit Verweis auf den Staatsphilosoph Josef Isensee. Dieser habe die in der Politik erforderliche Rolle des „bescheidenen Weltverbesserers“ geradezu auf den Christen zugeschnitten gesehen. Zudem mache das Bewusstsein, dass es neben dem Diesseits auch ein Jenseits gebe, gelassener, sagte die Bundestagsabgeordnete Dött: "Eine Fähigkeit, die Politikern gut ansteht!"

Viele Christen sähen die Parteipolitik als ein Haifischbecken, das von Intrigen, Machtstreben, Seilschaften und Lüge geprägt sei - und damit diametral christlichen Werten widerspreche. Trotzdem sollten Christen sich Dött zufolge auf die Politik einlassen. "Denn wem überlassen wir das Feld, wenn wir es nicht tun?", fragte sie. Politische Parteien böten ein hervorragendes Feld, für grundlegende christliche Ziele einzutreten – Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und Frieden. Diese Chance gelte es zu nutzen - als eine Tat der Nächstenliebe. Dazu hätten schon Papst Paul XI. (Gaudium et Spes 75,6, 1965) und Johannes Paul II. (Christifideles Laici 42, 1988) aufgefordert.

Rentrop: Christliche Führungskräfte als "dienende Leiter"


Christliche Führungskräfte sollten von Jesus Christus das Prinzip der dienenden Leiterschaft übernehmen. Dafür plädierte BKU-Mitglied und Unternehmer Norman Rentrop in einem Seminar beim Kongress. Er verwies auf Aussagen Jesu im Markusevangelium (10,44-45): „Wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“ Dienende Leiter multiplizieren laut Rentrop die Gaben ihrer Mitarbeiter. Sie machten sie nicht klein, sondern übertrügen Verantwortung und förderten so die Selbstständigkeit ihres Personals. Sie fragten nicht „Was können die Mitarbeiter für mich tun?“, sondern „Was kann ich für die Mitarbeiter tun, damit sie ihre Fähigkeiten einbringen können?“. Solche Führungskräfte seien Vorbilder für andere und setzten auf freiwillige Nachfolge statt auf Machtausübung. Dienende Leiter erkenne man auch daran, dass sie offen für Kritik seien. Um sein Anliegen zu verdeutlichen, bat Rentrop die Seminarteilnehmer, auf ihren Stuhl zu steigen. Sie sollten ihn als Thron betrachten, von dem sie anderen Menschen von oben herab Befehle erteilen. Dies stehe für ein veraltetes Verständnis des Leitens, so Rentrop. Dem Bild des dienenden Leiters entspreche es hingegen, seinen Mitarbeitern die Füße zu waschen, so wie Jesus es bei seinen Jüngern getan habe.

Auch BKU-Mitglied Stephan Werhahn stellte die Vorbildfunktion von Führungskräften in seinem Plenumsvortrag "Mut zur Führung" heraus. CEO und Führungsteam sollten christliche Werte vorleben - dies bilde die Grundlage für ein gesundes und erfolgreiches Unternehmen. Konkret heiße dies für ihn: Humankapital wertschätzen, sich gegenüber allen Stakeholdern fair verhalten, nachhaltige Unternehmenspolitik betreiben, verantwortlich und verlässlich handeln, eine offene und transparente Kommunikation führen und sich sozial und für das Gemeinwohl engagieren. Er verwies auf die Enzyklika „Laudato Si“ als Leitbild: „Die Erde ist unser gemeinsames Haus“, zitierte Werhahn. Dies gelte es gemeinsam in gegenseitiger Achtung zu bewohnen und zu bewahren.

Knoblauch: „Mit Herz, Hand und Verstand“ bei der Sache

Motivierte Mitarbeiter sind für christliche Unternehmen der Schlüssel zum Erfolg. Diese Ansicht vertrat BKU-Mitglied und Unternehmer Professor Jörg Knoblauch auf dem Kongress. Firmenchefs sollten deswegen große Sorgfalt auf die Auswahl von Arbeitnehmern verwenden, sagte er in seinem Seminar mit dem Titel „Das Geheimnis der Champions. Wie exzellente Unternehmen die besten Mitarbeiter finden und binden“. Ein Vorbild seien stark wachsende Konzerne wie Google, Apple und Microsoft. Sie führten mit Bewerbern nicht nur ein Vorstellungsgespräch, sondern rund 30 Interviews, bevor sie über die Einstellung entschieden. Ihr Ziel sei, nur Beschäftigte zu haben, die „mit Herz, Hand und Verstand“ bei der Sache seien. Knoblauch ist geschäftsführender Gesellschafter der tempus Unternehmensgruppe und stellvertretender Vorsitzender des Kongresses christlicher Führungskräfte.

Rösler: Werte sind weltweit ein Wettbewerbsvorteil

Deutsche Unternehmen würden weltweit geschätzt, weil sie werteorientiert handeln, betonte Philipp Rösler, Geschäftsführer der Stiftung Weltwirtschaftsforum. Der frühere FDP-Bundesvorsitzende und Vizekanzler berichtete, in seiner heutigen Position treffe er viele Menschen aus der ganzen Welt. Sie schwärmten in den Gesprächen regelrecht von deutschen Unternehmen. Das liege nicht nur an der hohen Qualität ihrer Produkte, sondern auch an deren Umgang mit Geschäftspartnern. Die Deutschen gälten als fair, anständig und nicht korrupt. Die Ursache sei ihre Orientierung an Werten wie Solidarität, Gerechtigkeit und Menschenwürde. Sie hätten „ihre Wurzel unzweifelhaft im Christentum“ und auch die Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wesentlich geprägt. Für dieses „beste Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, das sich denken lässt“ werde Deutschland in der ganzen Welt bewundert. Mit Blick auf die Wahlerfolge von Populisten in Europa und den USA rief Rösler dazu auf, Werte auch dann zu verteidigen, „wenn der Trend gerade anders ist“.

Einen stärkeren Einsatz für Religionsfreiheit in der Türkei hat der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, beim Abschluss des Kongresses christlicher Führungskräfte angemahnt. „Wenn die Türkei sagt: Interne Vorgänge sind unsere Sache, sage ich: Aber der Einsatz für Christen in diesem Land ist unsere Sache“, sagte er. Zu Plänen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, im März in Deutschland auf einer Veranstaltung für seine umstrittene Verfassungsreform zu werben, sagte Kauder, das könne man wohl nicht verhindern. Aber Deutschland werde das aushalten. Denn das unterscheide eine Demokratie und einer Diktatur.

Große Nachfrage nach Seelsorge unter christlichen Führungskräften

Auf reges Interesse unter den Teilnehmern des Kongresses stießen auch die Gebets- und Seelsorgeangebote, sagte der Pastor für Führungskräfte und Unternehmensleitungen der hannoverschen Landeskirche, Peer-Detlev Schladebusch. Die rund 40 Seelsorger, darunter auch Pater Johannes Zabel OP, Geistlicher Berater der BKU-Diözesangruppe Düsseldorf, hätten während des dreitägigen Kongresses rund 250 Gespräche geführt. Das Besondere an dem Angebot: Ratsuchende können sich melden, ohne ihren Namen zu nennen. Schladebusch: „Einige Besucher sagten uns, dass sie seit zwei Jahren – also seit dem letzten Kongress – auf dieses Angebot warteten.“ Hintergrund sei, dass Führungskräfte die Seelsorge in Gemeinden einer Umfrage zufolge relativ selten in Anspruch nähmen aus Furcht, sich bloßzustellen. Die Themen in den Gesprächen reichten von Eheproblemen über Sorgen im Beruf bis hin zum Verlust von Arbeitsplatz oder Angehörigen. Als Seelsorger stünden Männer und Frauen mit verschiedenen beruflichen Hintergründen bereit.

Wechsel an der Kongress-Spitze: Scheuermann folgt auf Marquardt

Der scheidende Vorsitzende des Kongresses, Pastor Horst Marquardt (Wetzlar), erklärte, eine Gesellschaft ohne Werte habe keine Zukunft. Ethisches Handeln sei in Politik und Wirtschaft unverzichtbar: „Ethik ist kein Luxus!“ Basis für ein erfolgreiches und soziales Handeln seien die Maßstäbe Gottes für die Menschen, wie sie beispielhaft in den Zehn Geboten zum Ausdruck kämen. Marquardt wurde nach 18 Jahren an der Spitze des Kongresses verabschiedet. Auf den 88-Jährigen folgt der Direktor des Gästezentrums Schönblick in Schwäbisch Gmünd, Martin Scheuermann.

Nächster Kongress christlicher Führungskräfte 2019 in Karlsruhe

Der Kongress christlicher Führungskräfte findet seit 1999 alle zwei Jahre statt. Ziel ist es, Christen in Führungspositionen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und Werte zu leben. Veranstalter des Kongresses ist die Evangelische Nachrichtenagentur idea in Kooperation mit der Firma „tempus Akademie & Consulting“. Der BKU unterstützt die Planung im Trägerkreis. Der nächste Kongress findet vom 28. Februar bis 2. März 2019 in Karlsruhe statt.


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