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28.11.2016 | Gemeinsame Veranstaltung von BKU und KAS im Katholischen Tagungszentrum

Wohlstand für alle durch mehr Marktwirtschaft

„Donnerwetter! Ich hätte nicht gedacht, dass ein katholischer Geistlicher mit so viel Vernunft und Sachverstand über die Grundlagen einer erfolgreichen Wirtschaftsordnung sprechen kann!“ Fast ungläubig gratuliert der Projektentwickler den Veranstaltern, der DG Berlin-Brandenburg des „Bundes Katholischer Unternehmer“ (BKU) und der „Konrad Adenauer Stiftung“ (KAS), zu der als sehr gelungen empfundenen Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit dem provokativen Titel: „Wohlstand für alle – warum Kapitalismus und Marktwirtschaft sozial sind“.
Referent Prof. Dr. Martin Rhonheimer (Mitte), Gastgeber Matthias Schäfer (KAS) links und Richard Schütze (BKU) rechts.
Rund 60 Teilnehmer sind der Einladung des BKU und der KAS am 28. November 2016 in die „Katholische Akademie“ in Berlin gefolgt und lauschen wie gebannt den Ausführungen von Martin Rhonheimer.

Der Professor für Ethik und politische Philosophie an der „Päpstlichen Universität Santa Croce“ in Rom und Gründungspräsident des „Austrian Institute of Economics an Social Philosophy“ in Wien bekennt sich zu den Grundprinzipien der Marktwirtschaft als der nach seiner Auffassung dem Menschen gerecht werdenden Wirtschaftsordnung: „Das Soziale an der sozialen Marktwirtschaft ist der Markt, d.h. unbehinderter Wettbewerb, der dazu führt, dass jeder Bürger in Freiheit und selbstverantwortlicher Unabhängigkeit zu dem ihm durch seine eigene Arbeit und Leistung zustehenden Wohlstand gelangt.“

Flucht aus der Eigenverantwortung führt zu mehr Staatsabhängigkeit

Mit Berufung auf die bereits 1957 veröffentlichte berühmte Schrift von Ludwig Erhard mit dem verheißungsvollen Titel: „Wohlstand für alle“ kritisiert Rhonheimer eine expandierende sozial- und wohlfahrtsstaatliche Umverteilung mit der Folge einer zunehmenden „Flucht vor der Eigenverantwortung“. Die Überantwortung des eigenen Schicksals an den Staat oder ein Kollektiv führe zu einer gesellschaftlichen Ordnung, in der mit den Worten Erhards „jeder die Hand in der Tasche des anderen“ habe und die Bürger immer mehr von Staat und Politik abhängig würden.
Als Folgen beklagt Rhonheimer eine immense Aufblähung der öffentlichen Haushalte. Schuld an einer immer größeren sozialen Ungleichheit auch innerhalb der reichen Industrienationen seien nicht allzu freie und nichtregulierte Märkte, die der sogenannte Neoliberalismus angeblich propagiere, sondern ein falsch verstandener Primat der Politik. Mit immer neuen staatlichen Eingriffen und einer weitgehend ungehemmten Planungseuphorie übernehme der Staat eine ihm nicht zustehende Führungsrolle im Wirtschaftsgeschehen. Dieser staatliche Interventionismus führe zu weniger persönlicher Risikobereitschaft der Bürger, einer politischen Verfilzung insbesondere der größeren Unternehmen, Kartell- und Monopolbildungen und dem kostspieligen Erhalt unrentabler Firmen.

Falsche markt- und kapitalismuskritische Legenden
 

Nach Rhonheimer werden in einer allgemeinen Verwirrung – an der auch Vertreter der kirchlichen Soziallehre mitgewirkt hätten – die „wirtschaftlich und sozial angeblich verderblichen Auswirkungen eines ungezügelten Kapitalismus und nichtregulierter Märkte“ falsch erzählt. Entgegen historisch unbewiesenen Behauptungen sei es beispielsweise im 19. Jahrhundert trotz eines gewaltigen Bevölkerungswachstums und regelmäßig wiederkehrender Wirtschaftskrisen zu einem „unaufhaltsamen technologischen Fortschritt und einer gewaltigen Steigerung der Produktivität und damit der Reallöhne und des Lebensstandards bis in die untersten Gesellschaftsschichten“ gekommen.

Die „Sündenfälle“ des Kapitalismus im 19. und 20. Jahrhundert und die sich daraus ergebenden Wirtschaftskrisen resultierten gerade nicht aus einem ungebändigten Laissez-faire Kapitalismus, sondern weitgehend aus staatlichem Interventionismus; hier werde ein fatal falsches Narrativ verbreitet. In einer detaillierten Auflistung vieler historischer Beispiele illustriert Rhonheimer, wie es beispielsweise 1873 in den USA durch eine staatlich-politische gesteuerte Landvergabe zu absurden und durch „politisches Prestigedenken und Lobbying verursachten Überangebot an unrentablen Eisenbahnlinien“ gekommen sei, in deren Folge die New Yorker Bank „Jay Cook & Company“ mit der Konsequenz einer weltweiten Wirtschaftskrise zusammengebrochen sei. 

Politökonomien führen zu Verarmung

Anhand einer beeindruckend langen Liste historischer Ereignisse mit Wirtschaftskrisen und staatlichen Interventionen geißelt Rhonheimer jene „Kathedersozialisten“, die das „Manchestertum“ verteufelten, einer tragischen „Selbstüberschätzung der Politik und ihrer Orientierung an falschen Paradigmen“. Wohlstand und Fortschritt seien „nicht das Werk des Staates, der regulierend und korrigierend in das Spiel der Marktkräfte“ eingreife. Rhonheimer stellt dieser Fehleinschätzung als These gegenüber: „Wohlstand kann allein durch einen richtig verstandenen, in einer funktionierenden Rechtsordnung eingebetteten Kapitalismus und durch Marktwirtschaft geschaffen werden.“ Immer wieder beruft er sich, wenn auch kritisch, auf Ordoliberale wie Alexander Rüstow oder Alfred Müller-Armack, vor allem aber auf Friedrich August von Hayek und die von im mitgeprägte Österreichische Schule der Nationalökonomie......
> Bericht von Richard Schütze weiterlesen oder ausdrucken


Kleine Auswahl an Veröffentlichung von Prof. Dr. Martin Rhonheimer
NZZ vom 05.04.2016 „Business ist die Lösung"
FAZ vom 17.05.2016 „Welche Wirtschaft tötet?"
NZZ vom 08.11.2016  „Barmherzig seien die anderen"
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