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Treffen der AG Ruhr des AEU und der DG Ruhrgebiet

Globalisierung - "Diese Wirtschaft t÷tet"

Die regionale Arbeitsgruppe Ruhr des AEU (Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer in Deutschland e.V.) und die Diözesangruppe Ruhrgebiet des BKU luden zu ihrer diesjährigen gemeinsamen Veranstaltung am 15. Juni 2016 in die 700 Jahre alte Salvatorkirche in Duisburg ein unter dem Thema Globalisierung – „Diese Wirtschaft tötet“. Zu diesem Urteil kommt Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium – Freude am Evangelium (Ziffern 52 – 60). (Der Text ist leicht im Internet beim googeln unter Evangelii Gaudium zu finden.)
Christiane Underberg in der Salvatorkirche
Eine Einschätzung aus unternehmerischer Sicht lieferte Christiane Underberg, Unternehmerin und Geschäftsführerin der H. Underberg-Albrecht GmbH. Eine wirtschaftsethische Einordnung nahm Prof. Dr. Martin Büscher, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftswissenschaften/ Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel, vor. Im Anschluss wurde lebhaft in Kleingruppen diskutiert. Den Abschluss bildete eine ökumenische Andacht mit Orgelmusik.

Papst Johannes Paul der II. hat in seiner Sozialenzyklika Centesimus annus 1991 in Tradition seiner Vorgänger betont: „Der freie Markt scheint das wirksamste Instrument für den Einsatz der Ressourcen und für die Befriedigung der Bedürfnisse zu sein.“ Und heute hingegen sprechen wir über Papst Franziskus: „Diese Wirtschaft tötet!“ Die spannende Frage ist jedenfalls: Was hat der Papst konkret gemeint? Wen hat er mit „Wirtschaft“ überhaupt gemeint? Die Wirtschaft in Argentinien? Auswüchse des egoistischen Verhaltens Einzelner, je nach Ordnungsrahmen auch vieler einzelner Marktteilnehmer?

Auf allgemeines Erstaunen stieß die Tatsache, dass die Ungleichheit heute erheblich geringer ist als vor Jahren: 1820 war die globale Ungleichheit gering, aber die Lebensbedingungen überall auf sehr niedrigem Niveau. Die Ungleichheit, gemessen am Gini-Koeffizient, stieg dann seit dem neunzehnten Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung vieler westlicher Länder bis 1980 stark an. Doch inzwischen wuchs die Wirtschaft auch in immer mehr Schwellenländern, vor allem in großen wie China und Indien. In den letzten 30 Jahren hat sich die Mittelschicht weltweit von 1 Mrd. Menschen auf 2,3 Mrd. weit mehr als verdoppelt. Lebten 1990 noch 36 % der Weltbevölkerung in absoluter Armut, so sind es heute nur noch knapp 10 % der Menschen. Die Ungleichheit ist seit 1990 so stark zurückgegangen, wie sie seit 1900 (!) zugenommen hatte.

In ihrer Begrüßung betonte die Vorsitzende der DG Ruhrgebiet im BKU, Elisabeth Schulte: „Immer wieder hören wir: 800 Mio. Menschen hungern auf dieser Welt. Jeder einzelne ist einer zu viel. Aber liegt es an der Globalisierung? Wie sähe eine protektionistische Welt aus? So wie auf Kuba, wo alle gleich arm sind? Vor 25 Jahren, als die Globalisierung zumindest elektronisch noch nicht so weit fortgeschritten war, gab es aber noch 2 Mrd. Hungernde auf dieser Welt! Und vor 200 Jahren lebten rund 94 % aller Menschen dieser Erde in ärmlichen Verhältnissen. Wie das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen 2015 feststellen konnte, ist es weltweit seit 1990 gelungen, die Kindersterblichkeit von damals 12,7 Millionen Kindern unter fünf Jahren zu halbieren.“ Schulte betonte: „Wirtschaft als solche kann nicht töten, sondern wenn, dann nur die Menschen, die dahinter stehen und die Ordnungsbedingungen für die Wirtschaft gestalten: Unternehmer, Arbeitnehmer, Konsumenten, Kapitalgeber und -nehmer, Journalisten, Wissenschaftler, Kirchenvertreter sowie vor allem auch Politiker.“

Die engagierte Unternehmerin Christiane Underberg, langjähriges tragendes Mitglied des BKU, fasste die Papstworte zusammen: „Man kann nicht den Wohlstand genießen und die Armen darben lassen. Jedenfalls nicht als Christ.“ Papst Franziskus vollziehe keine Kehrtwende in der katholischen Soziallehre, sondern kritisiere die Fehlentwicklung in vielen Ländern. Es gehe ihm um ein „Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen“. Er wende sich gegen Gleichgültigkeit und Unfähigkeit zu Mitleid. Der Mensch gehe vor Struktur, und Struktur müsse Menschen helfen, das gelte auch für ein Unternehmen. Frau Underberg erinnerte auch an die Enzyklika Centesimus Annus (CA) von Papst Johannes Paul II. (1991): „...Wird mit „Kapitalismus“ ein Wirtschaftssystem bezeichnet, das die grundlegende und positive Rolle des Unternehmens, des Marktes des Privateigentums und der daraus folgenden Verantwortung für die Produktionsmittel sowie die freie Kreativität des Menschen im Bereich der Wirtschaft anerkannt, ist die Antwort sicher positiv. ...“ Mit Prof. Clemens Dölken O.Praem. wies sie auf die Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit eines Wirtschaftssystems hin, die an der wirtschaftlichen Freiheit und der Möglichkeit der Entfaltung zu messen sind.

In seiner Arbeitsgruppe diskutierte Dr. Andreas Noé, Sprecher der AEU Regionale Arbeits- gruppe Ruhr und Geschäftsführung der BWG Bergwerk- und Walzwerk-Maschinenbau GmbH, Ansätze für globale Standards in der Unternehmensethik, z.B. SA8000 und ISO 26000. Ein Grund, warum die Norm SA8000 sich bisher nicht global durchsetzen konnte, ist, dass ihr vorgeworfen wird, hauptsächlich auf westlicher/christlicher Ethik zu basieren. Man wolle dem Rest der Welt westliche Ethik aufzwingen (Kulturimperialismus). Während die westlichen Staaten für die universalen Menschenrechte gemäß der UN-Charta von 1948 eintreten und auf der individuellen Würde des Menschen basieren, steht beim kollektivethischen chinesischen Ansatz die Lebensqualität der Bevölkerung vor den Menschenrechten Einzelner. Wirtschaftliche Erfolge sind wichtiger als der Schutz des Einzelnen vor Menschenrechtsverletzungen. Ein dritter Ansatz für die Menschenrechte ist der muslimische: die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam wurde von 45 islamischen Staaten der Organisation islamischer Staaten (OIC), darunter der Türkei, unterzeichnet. Als Gegenpol zu den UN-Menschenrechten betont sie die Vorrangstellung der islamischen Umma vor der verwirrten ungläubigen Menschheit. Alle Rechte und Freiheiten unterstehen der islamischen Scharia. Frauen haben keine gleichen Rechte wie Männer. Ein Recht auf Religionswechsel fehlt. Fazit: Alle drei Gruppen sprechen von Menschenrechten, meinen aber Unterschiedliches. Öffentlich thematisiert wird diese Problematik bisher nicht.
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