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26.09.2016 | Der BKU engagiert sich

Flucht, Zuwanderung und Integration

Hauptsache: Warm und trocken. Für’s Erste. Seit Oktober 2015 betreut die Malteser-Flüchtlingshilfe rund 7.000 Flüchtlinge in Berlin, zunächst in Messe- und Turnhallen, dann im Internationalen Congress-Centrum (ICC) und in einem ehemaligen C&A-Kaufhaus in Neukölln.  Eine Notunterkunft zu bieten bedeutet aber mehr als den Geflüchteten nur ein Bett, Nahrung und saubere Wäsche zur Verfügung zu stellen“, erklärte Matthias Nowak, Projektleiter der Malteser Flüchtlingshilfe, zu Beginn seines Vortrags.
Scheckübergabe durch Norman Gebauer (r.) und Harald Imig (l.) an Matthias Nowak von der Malteser Flüchtlingshilfe.
Interessiert am und berührt vom Schicksal der Flüchtlinge lauschten die rund 30 Mitglieder und Gäste der Diözesangruppe des BKU in Berlin-Brandenburg der Präsentation des Projektleiters der Malteser und dem anschließenden Vortrag von Michael Haas, dem Netzwerkkoordinator für die Flüchtlingsarbeit im Erzbistum Berlin. Die neuen Räumlichkeiten der Firma Ahlberg Metalltechnik GmbH in Berlin-Adlershof boten einen imponierenden und idealen Rahmen für die Abendveranstaltung am 26. September 2016, die nach einem Rundgang durch die Fertigungshallen des von BKU-Mitglied Mario Ahlberg geleiteten Unternehmens dann dem Thema „Flucht, Zuwanderung und Integration“ gewidmet war.

„2015 kamen in Berlin 79.034 Flüchtlinge an, 54.325 blieben in der Stadt; in 2016 rechnen wir mit weiteren 24.000 Flüchtlingen“, führte Michael Haas aus. In Brandenburg rechne man mit 47.000 Flüchtlingen, die in 2015 angekommen seien; 28.000 seien dort geblieben. Weitere 19.000 Flüchtlinge würden in 2016 erwartet. Nach Schätzungen sind 1.500 Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe im Einsatz sowie rund 70 hauptamtliche Malteser-Helfer. Für eine langfristige Begleitung und Betreuung der Flüchtlinge würden immer mehr qualifizierte „Flüchtlingslotsen“ benötigt, skizzierte Nowak den Bedarf.

Auch die Gemeinden würden den Flüchtlingen Unterkünfte anbieten und sie zu Festen, aber auch zu Gottesdiensten einladen, ergänzte Haas. Wie bei den Maltesern werden auch von den Gemeinden vor allem Deutschkurse angeboten. Dabei würden junge Schüler als Dolmetscher für die Eltern agieren und diese motivieren, ebenfalls Deutsch zu lernen. Mehr und mehr gehe es nun aber darum, neben sinnstiftenden Freizeit- auch qualifizierte Beschäftigungsangebote zu machen. In sogenannten „Begegnungscafés“ würden Kontakte hergestellt und „Lotsenprogramme“ mit Paten für eine enge Begleitung der Flüchtlinge entwickelt.

Zuweilen schwindet aber auch bei den Helfern die Motivation und weicht einer Erschöpfung, manchmal aus Enttäuschung über die Reaktionen der Geflüchteten auf Angebote und Hilfen, zuweilen aber auch, weil es noch zu wenig Arbeitsstellen für die Geflüchteten gibt. Nun komme es vor allem auf einen „langen Atem“ an. Die Helfer dürften sich nicht übernehmen und könnten ihrerseits auf eine psychologische Beratung und Supervision zurückgreifen.

Weiter gelte es, sich verstärkter zu vernetzen, sowohl „im eigenen Stadtteil als auch über den eigenen Kirchturm hinaus“, meinte Haas. „Vor uns liegt ein langfristiger Prozess der Integration, der viel Arbeit erfordert“, stimmte Nowak zu.

Von einem verstärkten Engagement der Unternehmer und der Firmen würden vor allem mehr Praktika- und Ausbildungsplätze erhofft. Viele engagierte BKU-Mitglieder wie Ansgar Elfgen bereicherten mit eigenen Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit die Diskussion. „Ich sehe meine Aufgabe auch darin, einem Flüchtling neues Selbstbewusstsein zu vermitteln“, so Elfgen. Sowohl Elfgen als auch Mario Ahlberg haben gute Erfahrungen mit dem Arbeitswillen, dem Fleiß und auch der Zuverlässigkeit und dem handwerklichen Geschick sowie den intellektuellen Fähigkeiten der in ihren Unternehmen tätigen Flüchtlinge gemacht, deren Leistungsbereitschaft zum Teil überdurchschnittlich sei. Allerdings berichtete Ahlberg auch von Problemen, die sich aus den Vorschriften zum Mindestlohn oder auch einem fehlenden Gesundheitspass ergeben würden. Hier seien die staatlichen Behörden zum Teil mit der Bearbeitung noch immer überfordert.

In den kirchlichen und Malteser-Einrichtungen darf jeder seinen Glauben leben und wird auch nicht nach seinem Bekenntnis gefragt. Zuweilen wollten Flüchtlinge sich aber taufen lassen oder sie kontaktierten die in den Malteser-Einrichtungen tätigen Geistlichen, berichteten die Referenten, die mit ihrem Engagement und voll Hoffnung das Publikum begeisterten.

Zum Abschluss der gelungenen Veranstaltung überreichte der BKU-Vorstandsmitglied und Künstler Norman Gebauer als Spende einen Scheck über 700 Euro, die er aus der Kunstausstellung im Rahmen der BKU-Bundestagung 2015 erlöst hatte, an die Malteser.

von Richard Schütze


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