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18.07.2016 | Team um Sr. Margareta kümmert sich rund um die Uhr für Menschen unter 25 Jahren im Don-Bosco-Zentrum in Berlin-Marzahn

„Bei uns wird keiner aufgegeben"

„Hier bin ich mit meinem Glauben konfrontiert“, sagt Schwester Margareta Kühn, „und zwar immer: 7 Tage, 7 Nächte, das ganze Jahr über.“ Die Generalassistentin der „Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel“ lächelt verlegen in die Runde. Wie im Sturm gewinnt sie die Herzen der Anwesenden: „Dass Sie alle heute hier sind und sich das hier ansehen, wo Sie doch sicher sehr viel zu tun haben - das freut mich sehr.“
Sr. Margareta Kühn engagiert und redegewandt (Foto: Norman Gebauer, bku)
Rund 25 Mitglieder und Gäste der Diözesangruppe Berlin-Brandenburg im Erzbistum Berlin des „Bundes Katholischer Unternehmer“ (BKU) hatten gerade einen Rundgang durch das Don-Bosco-Zentrum „Manege“ in Berlin-Marzahn unternommen und sich die Unterkünfte und Ausbildungseinrichtungen für „Jugendliche in komplexen Lebenssituationen“ im Alter von 15 bis 25 Jahren angeschaut. Tief beeindruckt lauschten sie am 18. Juli genau wie auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits zuvor bei deren Besuch des Zentrums am 22. März den Worten der Schwester. Margareta Kühn hatte schon auf der Bundestagung des BKU im September 2015 über das gemeinsam mit den Salesianern und dem Jugendzirkus Cabuwazi  betriebene Projekt für sogenannte „Systemsprenger“ berichtet.

Für DG-Vorstandsmitglied Dominikus von Pescatore Grund genug, dran zu bleiben und eine BKU-Veranstaltung vor Ort mit Schwester Margareta abzustimmen. Bildungsferne und durch die Raster der üblichen Sozialleistungen gefallene, von den Jobcentern als „marktfern“ bezeichnete Jugendliche mit Angststörungen und Schulängsten, Depressionen, Sucht- und Drogenproblemen finden hier ein Zuhause und Menschen mit offenen Herzen und klugem Verstand. „Schön, dass Du da bist!“ lautet das Motto der Einrichtung, die in einer Plattenbausiedlung am Ende einer Sackgasse allein in Berlin mehr als 300 Jugendlichen offen steht. „Einkaufen – Dealen – Kriminalität, in diesen Rhythmus gleiten diese allein gelassenen Jugendlichen ab, wenn sich niemand kümmert“, sagt die Schwester. „Ohne Mama und Papa, ohne Vorbilder, ohne etwas zu lernen, ohne Arbeit und ohne einen sinnerfüllten Tag kann das Leben nicht gelingen“, fügt sie hinzu. „Nachts um zwei, wenn die Not dann am größten ist, dann sind wir einfach da.“ Von 20 aufgenommenen und betreuten Jugendlichen schaffen hier 16 einen Schulabschluss. Berufspraktische Erfahrungen können sie im Don-Bosco-Zentrum in den Bereichen Büro und Verkauf, in der Gastronomie und Haustechnik, in Hauswirtschaft und Service, einer Holzwerkstatt und einer Küche, aber auch in einer Malerei, einer Lackiererei, dem Metall- und Trockenbau sowie als Friseure und Kosmetiker sammeln. „Manege“ gehört zu den 18 Einrichtungen bundesweit, die als Modellprojekte eines Pilotprogramms mit der Bezeichnung „Respekt“ seit Oktober 2015 direkt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert werden.

Bei ihrem Rundgang durch die farbenfroh gestaltete Anlage stellen die BKUler tausend Fragen an die Betreuer und Ausbilder und kommen kaum aus dem Staunen heraus. Mit einer Heiligen Messe hatte der Abend in der Kapelle des Zentrums begonnen. Pater Albert und Pater Otto lassen die Türe immer offen stehen, damit die Jugendlichen hier ganz heimlich ihre Sorgen und Anliegen auf Zetteln nah beim Tabernakel ablegen können. „Die ganze Kapelle steckt voller Geheimnisse“, erzählt Schwester Margareta.

Egal, ob sie Opfer häuslicher Gewalt oder gar von Kindesmissbrauch sind, bereits eine Abtreibung hinter sich haben und dann danach dem getöteten Kind einen Namen geben und diesen auf einem Zettel in der Kapelle hinterlegen oder auch von der Polizei abgeholt werden, weil wegen Diebstahls oder Drogenhandel noch ein Haftbefehl vorliegt – Schwester Margareta und ihrer Helfer sind an ihrer Seite: „Bei uns wird keiner aufgegeben.“ Auch wer eine Jugendstrafe zu verbüßen hat, wird nicht fallen gelassen, sondern darf hier wieder neu starten. „Immer, immer wieder“, berichten die Jugendlichen ihren Gästen aus der Wirtschaft beim gemeinsamen Abendbrot, „bekommen wir hier neuen Mut gemacht und neue Energie“. Schätzungsweise eine halbe Million junger Menschen warten in Deutschland auf eine solche Unterstützung, die mal Mutterschutz für eine 16-Jährige, mal eine Psychotherapie oder auch ein ganz niedrigschwelliges Lern- und Schulangebot ist. Ein Beratungsbus, der auch regelmäßig vor dem Jobcenter in Marzahn-Hellersdorf steht, und eine Notübernachtungsmöglichkeit, „wenn gar nichts mehr geht“, täglich um 18 Uhr ein Abendessen und auch an Samstagen, Sonn- und Feiertagen ein Frühstück runden das Angebot für junge Menschen „hinein ins Leben, in Selbst- und Fremdachtung, in tragfähige Beziehungen und Lebensperspektiven und in Ausbildung und Arbeit“ ab. So kann Persönlichkeitsbildung und Integration gelingen. Tief bewegt und voll Dankbarkeit hinterlassen die BKUler eine erste Spende in dem Bewusstsein, dass dies nur ein Anfang sein kann.

von Richard Schütze

> weitere Informationen über das Don-Bosco-Zentrum oder die Manege gGmbH
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