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27.06.2016 | Nicht Schlauheit, sondern Klugheit macht erfolgreich

Wie tugendhaft darf ein Unternehmer sein?

„Wie können wir glücklich sein und werden, wie ein gelungenes Leben hinkriegen?“ Diese Sinnfrage ist für den Dominikanerpater Thomas Grießbach eng verknüpft mit der Frage: „Wer bin ich?“ anstatt „was mache ich?“

Vortrag von Pater Thomas in der Bibliothek des Domikanerklosters St. Paulus in Berlin-Moabit (Foto: Norman Gebauer)
Den an der Stuttgarter „Hochschule für Musik und Darstellende Kunst“ lehrenden Rhetoriker und promovierten Theologen interessieren am modernen Manager und Unternehmer weniger Statussymbole oder Funktionen, sondern die menschliche Person. Nur wer auch zweckfrei über Seins- und Essenzfragen reflektiere und vor aller Aktivität zunächst das Gute zu erkennen suche, sei wahrhaft klug. Der einfach nur Schlaue hingegen frage bloß nach dem Nutzen einer Person oder Sache und werde nur in einem kurzfristigen Sinne „erfolgreich“ sein.

Trotz der Fußball-EM in Frankreich fand die BKU-Abendveranstaltung in der Bibliothek des Dominikanerklosters der Pfarrei Sankt Paulus in Berlin am 27. Juni 2016 große Resonanz: Rund 25 Mitglieder und Gäste feierten zum Auftakt mit Pater Thomas eine Heilige Messe und durchschritten die „Heiligen Pforte“ der Kirche.

Schon in seiner Predigt fokussierte Pater Thomas das provozierende Thema des Abends: „Wie tugendhaft darf ein Unternehmer sein?“ Liebe als göttliche Verhaltens- und Seinsweise und damit übernatürlich-göttliche Tugend bedeute mehr und sei größer als alle Gerechtigkeit. Wenn Gerechtigkeit und Recht auch Voraussetzungen und Grundlage der Liebe seien, so bedeute „eine Diskussion mit Gott vorwiegend über Gerechtigkeit“ doch immer auch einen „Verlust an Vertrauen“ und bewege sich auf der Ebene von Krämerseelen.

„Leben wie die Ketzer und nah bei den Ketzern sein und zugleich zu lehren wie die Kirche“ - dies sei das Motto, nach dem die Dominikaner die Menschen von innen heraus zu verstehen suchten. In seiner Tätigkeit als Unternehmensberater, bspw. im Auftrag der Boston Consulting Group, fordere er Unternehmer und Manager immer wieder zu einem Perspektivwechsel heraus. Es gehe „nicht um Be- und Verurteilen, sondern um Verstehen“.

Glücklich zu werden entstehe nicht durch Haben und Besitzen, sondern zuvörderst durch die Erkenntnis des Guten. Pater Thomas bringt dies so auf den Punkt: „Der reiche Mann sagt: ‚Ich habe mir einen Garten gekauft‘ – der Gärtner aber lächelt“.

Die klassische Lehre der sog. natürlichen oder menschlichen Kardinaltugenden fußt denn auch auf der Klugheit als Leittugend. Mit Tapferkeit könne dann das als klug und richtig Erkannte durchgesetzt werden. Mit Aristoteles gelte es, immer die goldene Mitte zu finden und maßvoll zu agieren, eine Balance zwischen Tollkühnheit und Feigheit zu halten. Maßhalten sei die Kunst der Beherrschung auch der eigenen Emotionen und Begierden. Wahrhaft genießen bedeute, zu-, weg- und loszulassen, um auch mit Wenigem auskommen und dies in der Tiefe auskosten zu können. Der Hunger nach Glück sei „nicht durch Konsum zu befriedigen“.

Selbst die Liebe bedürfe der Klugheit. Denn wer liebe, habe damit „keinen Freischein für Intelligenzverzicht“. Gerecht zu sein bedeute, „das Gute in der Welt zu verwirklichen“. Wer gerecht sei, sei auch dankbar für alles Empfangene und wisse um seine Grenzen. Dankbarkeit aber erzeuge Freundlichkeit und beinhalte zugleich das Streben, auch dem Anderen Gutes zu tun und damit dem Wohl aller zu dienen.

In der Diskussion war man sich einig, dass Klugheit und Gerechtigkeit es aber auch erfordern können, in schwierigen Situationen als hart empfundene Maßnahmen wie bspw. Kündigungen oder Werksstilllegungen zu beschließen und mit der entsprechend erforderlichen Tapferkeit auch gegen Widerstände durchzuführen.

Für Pater Thomas gibt es „weder eine Sittenethik, noch eine Ghettomoral“. Nur Personen könnten sich ethisch und tugendhaft verhalten. Statt einer Unternehmensethik plädiere er für eine „Unternehmerethik“, bei der jeder Einzelne für sein Verhalten in der Verantwortung stehe. Damit sprach er seinen Zuhörern aus dem Herzen.

Richard Schütze

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