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2. Erfurter Debatte zu Wirtschaft und Glaube

Barmherzigkeit und UnternehmensfŘhrung

Papst Franziskus hat für 2016 das Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen und gefordert, dass sich Gläubige die Haltung des barmherzigen Samariters zu Eigen machen und Gottes Gericht im Licht der Barmherzigkeit betrachten sollten. Wie aber ist diese Aufforderung aus wirtschaftlicher Perspektive mit ihren Zielen der Gewinnmaximierung, Effizienz und steigernden Umsätzen zu verstehen? Was bedeutet Barmherzigkeit angesichts einer an Erfolg orientierten Unternehmensführung und wie könne ihre Umsetzung in der Praxis gestaltet werden? Kann tatsächlich mehr dahinter stecken als eine gezielt gesetzte Marketingstrategie?
Den Auswirkungen dieser Forderungen auf den Bereich der Wirtschaft, der Bedeutung von „Barmherzigkeit“ für unternehmerisches Handeln und dem Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Angestellten widmete sich die öffentliche Veranstaltung Erfolgreiche Unternehmensführung und Barmherzigkeit: Ein Widerspruch? an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt am 20. April 2016.
Der Einladung der Professur für Kirchenrecht, des Bildungspolitischen Forums Thüringen der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Bund Katholischer Unternehmer e.V. im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe Erfurter Debatte zu Wirtschaft und Glaube folgten neben den Studierenden der Studiengänge Theologie und Management (BA) sowie Theologie und Wirtschaft (MA) mehr als 120 Interessierte.
Zunächst veranschaulichte der christliche Sozialwissenschaftler, Prof. Dr. Clemens Dölken OPraem, dass die Beachtung unternehmens- und wirtschaftsethischer Anforderungen wie Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, denen verschiedenen Begründungsstrategien zugrunde liegen, nicht nur für Gläubige relevant sei. Indes müssen alle Beteiligten Verantwortung im wirtschaftlichen Handeln übernehmen, besonders der Unternehmer, der seinem Unternehmen die Reflexion über und Beachtung von ethischen Maßstäben „einspeisen“ müsse, sie aber auch ökonomisch-strategisch nutzen könne. Oftmals, so der Referent, leiten sich Unternehmens- und Wirtschaftsethik von den generellen Menschenrechten her, die im konkreten Einzelfall angewandt mit Leben gefüllt werden. Da Barmherzigkeit und damit verbunden Gerechtigkeit auf der Welt aber unterschiedlich aufgefasst werden, was nach Ansicht des Referenten nicht unproblematisch ist, sei eine Diskussion über die Umsetzung von Menschenrechten durch ethische Normen notwendig, vor allem in der Wirtschaft. In Würdigung kultureller und gesellschaftlicher Gegebenheiten sowie des strukturbedingten Wettbewerbs und dessen Bedingungen erfahren Unternehmer oft Dilemma-Situationen sowie die Kontingenz solcher ethischen Normen. Die Aufgabe sei eine institutionelle Implementation von Ethik bei gleichzeitiger Unterstützung durch gesellschaftlich wirkende Akteure, die Strukturen schaffen, damit Unternehmen und Unternehmer moralische Anforderungen auch autonom umsetzen können. Dann werde Barmherzigkeit im Zusammenhang mit wirtschaftlichem Handeln zu einer spezifischen Kompetenz und Verantwortung des Unternehmens für das Gemeinwohl und damit verbunden für die Gesellschaft.
Im zweiten Vortrag des Abends lehnte der katholische Unternehmer DDr. Thomas Rusche, Inhaber der SØR Rusche GmbH, die Begriffe „Gewinnmaximierung“ und „Kostenminimierung“ sowie die Betrachtung des Menschen als Kostenfaktor ab. Stattdessen gelte es, sich in der weit verbreiteten „Ellenbogenmentalität“ der Wirtschaft für solidarisches Handeln des Unternehmens als auch des Individuums einzusetzen. Er fordert, zunächst jeden Arbeitnehmer als Individuum wahrzunehmen, ihm zuzuhören und ihm in der Arbeit in einem Unternehmen Entfaltungsräume und  möglichkeiten zu bieten. Aus dieser Perspektive stellen Barmherzigkeit und Wirtschaftlichkeit im Sinn von Erfolg für Rusche auch keinen Widerspruch dar. Auch in Dilemma-Situationen und in Zeiten hoher Konkurrenz sei solidarisches Handeln möglich und notwendig, da dies Erfolg gewährleiste.
Die Unternehmerin Colette Boos-John der Bauer Bauunternehmen GmbH aus Walschleben griff in der Podiumsdiskussion die Thesen von Prof. Dölken auf. Das Leitbild, jeden zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte, impliziere bereits die Anwendung von Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit, auch wenn erfolgreiche Unternehmensführung auch weiterhin ein spannungsreiches Unterfangen sei – vor allem mit Blick auf Entscheidungen, die die Existenz des Unternehmens betreffen. Dölken merkte diesbezüglich an, dass Entscheidungen zwar im wirtschaftlichen Alltag getroffen werden müssten, man aber mit diesen durch Vorausschau und Kommunikation bereits gegenwärtig die richtigen Signale zur Verankerung von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sowie Erfolg setzen könne.

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