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Türkische und katholische Unternehmer fördern Potenzial von Flüchtlingen

Gemeinsame Diskussionsveranstaltung des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) Diözesangruppe Ruhrgebiet und des Vereins türkischstämmiger Geschäftsleute in Duisburg und Umgebung (TIAD e.V.).

Als unternehmerisch Tätige mit Herkunft verschiedener Nationen haben sich erstmals türkischstämmige Geschäftsleute aus Duisburg und Umgebung (TIAD e.V.) und katholische Unternehmer der Diözesangruppe Ruhrgebiet (BKU) in Duisburg im Agnesheim der Herz-Jesu-Gemeinde gemeinsam über die Lage der Flüchtlinge am Beispiel der Landesaufnahmeeinrichtung im ehemaligen St.-Barbara-Hospital in Duisburg-Neumühl informiert.
v.l.n.r.: Elisabeth Schulte, Vorsitzende der DG Ruhrgebiet des BKU, Zehra Yilmaz, Leiterin der Zentralen Unterbringungseinrichtung St. Barbara-Landesasyl, Özcan Yavuz, Vorsitzender des TIAD e.V., Pater Tobias, Geschäftsführer des Projektes LebensWert
In das Thema führte Zehra Yilmaz vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) ein, die seit einem Jahr die Zentrale Unterbringungseinrichtung im ehemaligen St. Barbara-Hospital leitet. Sie schilderte an Hand konkreter Beispiele die aktuelle Situation der Unterbringung von Flüchtlingen und betonte, dass der Mensch im Vordergrund stehe und nicht die Statistik. Das sei in Anbetracht der steigenden Zahlen allerdings immer schwieriger, denn aus anfangs 50 seien inzwischen 800 Menschen geworden. Da die Flüchtlinge höchstens sieben Tage hier verbrächten, werde jede Minute für die Versorgung mit Nahrung bzw. Kleidung und Logistik für Fahrten zur gesundheitlichen Versorgung und Weiterleitung in die kommunale Unterbringung benötigt.

Organisiert hatten die Veranstaltung Özcan Yavuz, Vorsitzender des TIAD e.V., Elisabeth Schulte, Vorsitzende der DG Ruhrgebiet des BKU, sowie Pater Tobias aus der Abtei Hamborn als Geistlicher Berater des BKU und Geschäftsführer des Projektes LebensWert.

In der Diskussion erläuterte Yilmaz, dass sie aufgrund des deutschen Sozialstaates für die Flüchtlinge kein Geld als Spenden benötigten, da dieses ausreichend in Form des Taschengeldes oder später auch Hartz IV an die Menschen gezahlt werde. Die Flüchtlinge, die zu mehr als 70 % aus jungen Männern bestünden, würden hier mit allem notwenigen Materiellem versorgt, wenn sie zum Teil völlig mittellos hier einträfen und als einziges ein Handy besäßen, das die Verbindung zur Familie und Heimat sicherstelle. Auch die Kommunikation untereinander beispielsweise über den aktuell besten Fluchtweg sichere das Handy.

Nach den Beweggründen gefragt, warum die Menschen sogar aus arabischen und afrikanischen Ländern vorrangig nach Deutschland kämen, nannte Yilmaz die finanzielle Ausstattung mit Taschengeld und Hartz IV bzw. den Wohlstand und die gute Behandlung von Ausländern in Deutschland, aber auch die Freiheit und Demokratie. Derzeit wollten allerdings auch immer mehr Flüchtlinge weiter in skandinavische Länder, in denen die finanzielle Versorgung noch besser sei.

Die Unternehmer diskutierten auch die Frage, ob man den Flüchtlingen, die in ihrer Heimat unternehmerisch tätig gewesen seien, helfen könne, in Deutschland ebenfalls selbständig zu werden. Schulte wies darauf hin, dass rund 80 % der Flüchtlinge keine Ausbildung hätten, viele sogar Analphabeten seien. Die IHK habe soeben eine Studie herausgebracht, der zufolge es zwar einen hohen Anteil an Migranten unter den Existenzgründern gebe, diese aber zum größten Teil bereits in zweiter oder sogar dritter Generation in Deutschland lebten. Realistisch sei es daher, erst einmal zu helfen, dass die Flüchtlinge überhaupt die deutsche Sprache einigermaßen beherrschten, denn daran scheiterten schon jetzt die meisten Ausbildungsverhältnisse junger Flüchtlinge. Sprachkurse, Praktika und Ausbildung bzw. Beschäftigung seien die vorrangigen Aufgaben, bevor später einmal der ein oder andere Flüchtling unternehmerisch tätig werden könne. Dabei lägen die Vorkenntnisse in der Regel im handwerklichen Bereich, in der Gastronomie und im Einzelhandel. Bei der Vermittlung in Praktika, Ausbildung und Beschäftigung stellten sich derzeit die Agenturen für Arbeit gut auf, die über den Arbeitgeberservice Flüchtlinge vermittelten (bundesweite kostenfreie Telefonnummer: 0800 45 555 20).

Pater Tobias berichtete über die Situation der Flüchtlinge in der Kommunalen Unterkunft in der Turnhalle in Neumühl, wo rund 80 junge Männer untergebracht sind. Neben den ehrenamtlich durchgeführten Deutschkursen sei es wichtig, dass die Flüchtlinge das Erlernte auch im Alltag anwenden und umsetzen könnten. Bisher hat das Projekt LebensWert 5 junge Flüchtlinge in verschiedenen Unternehmen untergebracht, auch mit der Aussicht auf eine spätere Ausbildung. 

Spontan meldeten sich anschließend mehrere Unternehmer, junge Flüchtlinge aus Kommunalen Flüchtlingsunterkünften der der Region als Praktikanten aufzunehmen.

Es war ein gelungener Abend für den BKU und TIAD e.V. wie auch für die Flüchtlinge, die nun in Praktika kommen.

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