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Gespräch vor Ort: BKU zu Gast in der Gemeinde St. Hildegard Frohnau

Christenverfolgung heute

Beim Thema „Christenverfolgung heute – was können wir von den verfolgten Christen lernen?“ konnte man schon ahnen, dass es nicht allein um Hilfsaktionen und Spenden gehen wird. Friedhelm Appel von der Hilfsaktion Märtyrerkirche gab den rund 30 Teilnehmer beim gemeinsamen Gesprächsabend des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) und von
Referent Friedhelm Appel beim BKU-Abend (Foto Norman Gebauer, bku)
Gemeindemitgliedern des Pastoralverbunds Berlin-Reinickendorf Einblicke in die aktuelle Christenverfolgung in 64 Staaten, in denen mehr als 200 Millionen Christen leben. Besonders betroffen seien die Christen in den islamischen, arabischen, kommunistischen und buddhistisch / hinduistischen Ländern, sagte der Diplom-Theologe. Die Verfolgung zeige sich durch staatliche Versammlungsverbote, den Einsatz einer Religionspolizei oder Familien- und Kulturausgrenzung, so Appel. 
 
In Syrien und im Irak hat der Exodus der orientalischen Christen mit Unterjochung, Vertreibung und Vernichtung Hunderttausender durch extremistische Islamisten begonnen. In diesem „Heiligen Krieg“ werden auch christliche Mädchen und Frauen entführt, vergewaltigt und versklavt. Der Referent, selbst Vater von vier Kindern, zeigte dazu Videointerviews mit Betroffenen, die ihren Peinigern entrinnen konnten. 
 
Besonders eindrucksvoll waren die persönlichen Verfolgungs-Berichte von zwei zufällig anwesenden Zeitzeugen, so des chaldäischen Diakons Fadi Mansoor aus dem Irak.  Der promovierte Pharmakologe hatte in Mossul eine Apotheke, bis die Islamisten sein Haus mit dem arabischen Zeichen „n“ für Nazarener markierten und ihn mit Schutzgelder-pressung und schlimmsten Drohungen zur Flucht zwangen. Sein Deutsch ist mittlerweile gut, augenblicklich absolviert er einen Fachsprachkurs. „Ich bemühe mich jetzt um die Anerkennung und möchte gern in die Pharma-Forschung gehen“ sagte Fadi. „Ein Zurück in die Heimat kann ich mir momentan nicht vorstellen, obwohl ich sehr darunter leide, dass meine Gemeinde in existentieller Gefahr ist und ich nicht bei ihnen sein kann“, antwortete der sympathische Mann auf Nachfrage. Täglich telefoniere er mit seinen beiden Geschwistern, die in der Nähe von Erbil Zuflucht gefunden haben und hoffen, bald  nach Deutschland kommen zu können.
 
Friedhelm Appel konfrontierte die Gäste mit provokanten Fragen: Sehen auch wir Gottes Wort als etwas Kostbares in unserem Leben an? Lesen wir regelmäßig die Heilige Schrift, bezeugen wir unseren Glauben? „Wir sollten von den bedrängten Christen lernen und anfangen zu glauben“, sagte Appel.  Nur so würden die Christen in Deutschland wahrgenommen und überließen die Kultur des christlichen Abendlandes nicht Extremisten. Bei einem Glas Wein wurden Erfahrungen bei der Flüchtlingsbetreuung und Kontakte ausgetauscht. 

Der BKU-Abend wurde von den Mitgliedern Johannes Kauka, Barbara und Ansgar Elfgen sowie Matthias Winkler aus den Gemeinden des Pastoralverbunds Berlin-Reinickendorf vorbereitet und interessierte Gemeindemitglieder eingeladen. Zuvor feierten die Teilnehmer die Heilige Messe mit Pfarrer Norbert Pomplun samt Messdienern und Gottesdienstbeauftragten in St. Hildegard. Die Kirche wurde ursprünglich als Turnhalle für eine Privatschule gebaut, später als Lazarett genutzt und 1930 als Katholische Kirche konsekriert. Die 5000 Gemeindemitglieder von St. Hildegard gehören zum Pastoralverbund Reinickendorf-Nord mit drei selbstständigen Gemeinden und sieben Gottesdienststellen. 

Die Veranstaltungsreihe „Gespräche vor Ort“ des Bundes Katholischer Unternehmer dient dem gegenseitigen Kennenlernen und zur Gewinnung neuer Mitglieder. 

Fides Mahrla



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kommentar Kommentare
18.02.2015 „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat - zu Gottes Lob" (Röm 15,7)
von Adelgund Lissy
  Von Herzen möchte ich Ihnen und dem ganzen Team Dank sagen. Mit so großer Offenheit haben sie sich alle von der Problematik der verfolgten Christen ansprechen lassen und den beiden anwesenden Betroffenen nicht nur zugehört, sondern sie auch Bereitschaft zur Hilfe erfahren lassen.
Es war gut, den Abend mit einem Gottesdienst zu beginnen. Wir brauchen diese Kraftquelle und Gottes begleitende Nähe für unseren Alltag. Da gibt es nicht nur die Pflicht zur Information, das Handeln hat uns vor Ort eingeholt. Vielmals konnte durch wohltätige Geldspenden geholfen werden, heute sind zunehmend wohltuende Zeitspenden vonnöten.
An diesem Gemeindeabend stand für mich wieder die Weisheit eines alten Rabbis im Raum, der auf die Frage eines Schülers: " Was tat Gott eigentlich am 8. Tag als er mit der Erschaffung der Welt fertig war und am Sabbat ausgeruht hatte ?" antwortete: " Am 8. Tag führte Gott die Menschen zusammen, die einander begegnen sollen."
09.02.2015 Ich hatte mit vielem gerechnet, nur nicht damit ...
von Ansgar Elfgen
  Ich hatte mit Vielem gerechnet, nur nicht damit, dass der Referent Herr Appel auf die Frage, wie wir verfolgten Christen helfen könnten, antwortete: Die verfolgten Christen fragen sich, warum wir, denen es in unseren Ländern so gut geht, nicht mehr das Wort Gottes lesen und beten?
Die vielen anschließenden Gespräche in kleinen Gruppen zeigten, wie sehr sich die Anwesenden von dem Thema Christenverfolgung hatten berühren lassen. Mossul war plötzlich nicht mehr nur eine Nachricht im abendlichen Fernsehen, sondern war real präsent.
Alles in Allem eine mehr als gelungene Veranstaltung.
06.02.2015 Die Verfolgung bekam ein menschliches Antlitz
von Holger Schwarz
  Dieser Abend war in vielerlei Hinsicht ein besonderer Abend, der dem BKU zur Ehre gereicht hat. Die Vorstellung der aktiv vor Ort handelnden Organisation "Märtyrerkirche" und nicht zuletzt die persönlichen Zeugnisse von 2 verfolgten Christen aus dem Irak und Ägypten hat den oft weit weg erscheinenden Berichten von der Christenverfolgung ein greifbares, menschliches Antlitz gegeben. Allen Organisatoren meinen Dank!!
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idea Spektrum Nr. 8 vom 22. Februar 2017
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