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Münsteraner BKU-Diözesangruppe und Redakteure der Tageszeitung „WESTFÄLISCHE NACHRICHTEN" trafen sich zur Diskussion

Als Gäste der Chefredaktion der größten Tageszeitung im Münsterland, die WESTFÄLISCHE NACHRICHTEN, hatte die BKU-Diözesangruppe Münster am 26. April 2012 im Hause des Verlag Aschendorff zu einem Erfahrungs- und Meinungsaustausch über „Werte-Verantwortung" Münsterländer Unternehmen geladen. Gastgeber waren Verleger und BKU-Mitglied Dr. Benedikt Hüffer sowie Chefredakteur Dr. Norbert Tiemann. Die breite berufliche Ausrichtung der Teilnehmer aus der regionalen Wirtschaft, Verwaltung, sozialen Organisationen, Kultur, Kirche und Politik bildete eine hervorragende Basis für eine lebendige Diskussion. Die wichtigsten Erkenntnisse sind hier zusammengefasst:
Besuch in der Redaktion der Westfälischen Nachrichten: Verleger und BKU-Mitglied Dr. Benedikt Hüffer (v.li.), Chefredakteur Dr. Norbert Tiemann, Dr. Ralf Hammecke sowie Tom Veltmann und Wolfgang Graf von Ballestrem vom Organisationsteam der Diözesangruppe
Spürbare Unterschiede zwischen „christlicher" und „weltanschaulich neutraler" Wertevorstellungen in Unternehmen

Schon im Ansatz sind das ethische Grundverständnis, das aus dem christlichen Glauben resultiert und das weltanschaulich neutraler Unternehmen unterschiedlich, berichtete Wolfgang Graf von Ballestrem vom Organisationsteam der Diözesanguppe Münster: Das zeigt eine Synopse der „Christliche Unternehmerverantwortung", die der BKU (www.bku.de) herausgegeben hat, mit dem von namhaften Unternehmern, Managern und Politikern geführten Verein „Wertekommission" (www.wertekommission.de):
Beide gehen gleichermaßen vom „ehrbaren Kaufmann" aus, dann aber stellt der BKU das christliche Menschenbild in den Mittelpunkt und hebt die Würde jeder Person hervor, die sie „als einmalig und unwiederholbar" erkennt. Die Wertekommission hat kein eigenes Persönlichkeitsbild: Bei ihr stehen sechs elementare Werte im Vordergrund (Nachhaltigkeit, Integri-tät, Vertrauen, Verantwortung, Mut, Respekt), die immer wieder neu gewichtet und um weitere Werte ergänzt werden können.

Die christliche Unternehmerverantwortung aus Sicht des BKU bejaht „die Sozialpflichtigkeit des Eigentums", die Wertekommission ist hier überraschend zurückhaltend: „Wir tragen Verantwortung in Wirtschaft und Gesellschaft."
Glaube und die Verinnerlichung des christlichen Menschbildes sind „Quellen der inneren Kraft", so unsere Auffassung im BKU. Für die Wertekommission helfen Werte „den Wert (Anmerkung: gemeint ist die Fähigkeit zur Wertschöpfung) zu bewahren".

Christliche Wertvorstellungen" Münsterländer Unternehmen sind als erkennbar eigenständige Werte nicht feststellbar. Es gibt im Münsterland kaum Wirtschaftsunternehmen, deren ethisches Verhalten als bewusst „christlich ethisch" zu deuten ist. Ethisches Verhalten, das den Ansprüchen eines aus dem christlichen/ katholischen Verständnis herrührenden Denken und Handeln genügt, ist auch in Firmen erkennbar, die sich hinsichtlich Glaube und Weltanschauungen neutral geben.

Unternehmen können in bester Absicht ethisch anspruchsvolle Leitlinien oder Verhaltens-Codices einführen, entscheidend ist, was praktisch herauskommt, etwa im Umgang mit Mitarbeitern (von der Förderung bis zur Entlassung) und Lieferanten, familienfreundliche Ar-beitsbedingungen, Ladenöffnungszeiten, Einsatz für das Gemeinwesen, Ressourcen-Schonung etc.
Das Festschreiben ethisch akzeptabler Leitlinien oder die Verfolgung einer Corporate Social Responsibility-Politik besagen noch nichts, sie können öffentlichkeitswirksamen Zwecken dienen oder als „Lockvogel" für neue Mitarbeiter. Es gibt aber auch „leise" Unternehmen, die ohne Aufhebens traditionell einen würdigen und ausgeprägt persönlichkeitsachtenden Umgang mit ihren Mitarbeitern pflegen, daher in- und außerhalb der Belegschaft anerkannt und geschätzt sind und in Zeiten mangelnder Fachkräfte sich besser stellen als etwa Firmen, die in schwierigeren Zeiten als Erstes die Personalkosten reduzieren.
 Nicht eindeutig ist, ob inhabergeführte Unternehmen gegenüber „anonymen" Kapitalgesellschaften ethisch besser geführt werden. Auch hier gibt es gute wie weniger gute Beispiele für beide Gesellschaftsformen.
Ethische Werte in Unternehmen als „taktische Schachzüge"?

Seitens der WN Westfälische Nachrichten-Wirtschaftsredaktion kam die Frage, ob nach christlicher Anschauung geführte Unternehmen „Exoten" in der Wirtschaft seien. Das ist nicht erkennbar und dafür wurde auch kein Beispiel gebracht. Eher ist es so, dass in der Gesellschaft - durchaus beeinflusst von Politik und Medien (für die die „bad news" „good news" sind) - oft oberflächlich das tatsächliche oder vermeintliche und „sensationelle" Mangelhafte oder Fehlverhalten kritisiert werden. Auch werden Erwartungshaltungen entwickelt, die zu Zerrbildern über Wirtschaft, Unternehmen und Arbeit führen. Beispielhaft ist die Forderung Unternehmensgewinne und „Millionäre" besonders hoch zu besteuern. Dies kann zur Geschäftsaufgabe oder Abwanderung führen. Damit entgehen dann der staatlichen Gemeinschaft Steuereinnahmen, Arbeitsplätze und sonstige Leistungen dieser Unternehmen. Leider wird dies in der politischen Verführung oft nicht bedacht.

Schließlich wurde diskutiert, ob Unternehmen, die dringend gute Arbeitskräfte suchen, zu ethisch freundlicherem Verhalten „gezwungen" sein können. Andernfalls sind diese Arbeitgeber für Mitarbeiter nicht attraktiv. Im Wettbewerb um gutes Personal ist das legitim und kann klug sein, wenn dieses „ethische Verhalten aus der Not heraus" Bestand hat!
Eine Stunde „Themen-Anstoß" offenbart großes Potenzial!

Natürlich reicht eine Stunde Gespräch nicht aus, um das Thema der ethischen Unternehmerverantwortung umfassend und in der Tiefe zu durchleuchten. Lebendigkeit, Kenntnisse und unterschiedliche Erfahrungen und das ernsthafte Interesse, die in dieser einen Stunde zu einer gelungenen Diskussion führten, zeigen ein großes und kompetentes Potenzial bei den Mitgliedern und Gästen des Münsteraner BKU: Die Voraussetzungen sind da, dass die Diözesan-gruppe zum Thema „Ethik in Unternehmen" einen konstruktiven Beitrag leisten kann!
 Am 26. Juni 2012 setzen die Diözesangruppe und die DKM Darlehnskasse Münster das Gespräch unter dem Titel "Unternehmerische Verantwortung in der Gesellschaft" fort. Danach wird sich herauskristallisieren, welche Arbeitsschwerpunkte der BKU im Bistum Münster für die kommenden Monate sich setzen wird, um das gesamtgesellschaftliche Interesse an ethisch guter Unternehmensführung zu fördern.

Martina Lohaus-Selmer

Tom Veltmann

Wolfgang Graf von Ballestrem
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