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Ein Forschungsbericht von Prof. P. Dr. Thomas Eggensperger OP, Institut Chenu Berlin

Europa zwischen Säkularisierung und der Rückkehr der Religiosität

Oft wurde Europa als säkular beschrieben. Heute zeigt sich ein vielschichtigeres Bild. Auf dieser Grundlage gehen sozialwissenschaftliche Analysen, systematisch-theologische Reflexionen und Rekonstruktionen zur franziskanisch-kapuzinischen Spiritualität der spannenden Frage nach: Woran glaubt Europa? Pater Thomas Eggensperger berichtete beim BKU-Abend am 23. Juni über das Forschungsprogramm „Glaubensvermittlung in gesellschaftlichen  und  religiösen  Transformationsprozessen“.
Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP und BKU-Vorstandsmitglied Fides Mahrla (Foto: Werner Sygnecki)
„Europa“ bezeichnet geographisch einen Kontinent, der sich vom Atlantik bis zum Ural erstreckt. Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und mit der Gründung der Europäischen Union entwickelt sich zunehmend ein Bewusstsein der Zusammengehörigkeit der Völker. Gleichwohl ist Europa noch auf der Suche nach sich selbst. Die Rolle der großen Religionen in Europa – Judentum, Christentum und Islam – ist in einer pluralen Gesellschaft umstritten: die Kirchen erinnern an die christlichen Wurzeln des Abendlandes, Humanisten betonen die demokratisch-säkulare Wertegemeinschaft und laizistische Gruppen argumentieren agnostisch. Oft ist Europa als säkular beschrieben worden.
 
Religionssoziologen zeichnen heute ein vielschichtigeres Bild. Betrachtet man jedoch die Kirchen – speziell im westlichen Europa – so erscheint der empirische Befund eindeutig: Die Kirchlichkeit nimmt ab. Zeitgleich sehen wir uns mit dem Phänomen einer Rückkehr des Religiösen in die Öffentlichkeit konfrontiert. Im Katholizismus haben wir es seit Johannes Paul II. und Benedikt XVI. mit einer globalisierten Eventreligiosität zu tun. Der deutsche Philosoph Jürgen Habermas hat dafür den Begriff „postsäkular“ geprägt.

Institut M.-Dominique Chenu, Berlin

Der Orden der Predigerbrüder hat Ende 2000 in Berlin ein neues Forschungsinstitut für Philosophie und Theologie in Europa gegründet. Es steht in enger Verbindung mit „Espaces“, dem Europa-Institut der Dominikaner in Brüssel. Das Berliner Institut trägt den Namen des französischen Dominikanerge­lehrten Marie-Dominique Chenu (1895-1990), des anerkannten Mediävisten, aufmerksamen Beobachters der sozioökonomischen ‚Zeichen der Zeit’ und engagierten Konzilstheologen. In seinem Geist möchte das Institut (vor allem junge) Wissenschaftler/-innen – nicht zuletzt aus dem Dominikanerorden – in verschiedenen Arbeitsprojekten zusammenführen. Die Arbeit des Instituts hat zum Ziel, von Berlin aus gesellschaftspolitische Praxisprozesse in Deutschland und Europa in ihren sozialen, politischen und kulturellen Auswirkungen wahrzunehmen, grundlegend zu analysieren und zu diskutieren. Dies geschieht im offenen Dialog mit allen interessierten Diskurspartnern wie zugleich mit kritischer, jedoch ausdrücklicher Bezugnahme auf die philosophischen und theologischen Gehalte der abendländisch-christlichen, und darin: der dominikanischen Tradition.


Thomas Eggensperger OP, Prof. Dr. theol., M.A.  
1963 in Wien geboren, aufgewachsen in Ludwigsburg
  • Studium der Kath. Theologie an den Universitäten Bonn (Dipl.) und Freiburg/CH (Doktorat) sowie Philosophie und Spanisch an der Universität Köln (M.A.) 
  • Professor  für  Sozialethik  an  der  Philosophisch-Theologischen  Hochschule OFMCap  Münster  und  Lehrbeauftragter  für  Theologie  an  der  Philosophischen Fakultät (Religionswissenschaften, LER) der Universität Potsdam 
  • Geistlicher Beirat des Katholischen Akademischen Ausländer-Dienstes, Bonn  
  • Verantwortlicher Co-Schriftleiter von „Wort und Antwort“, Consejo Asesor von „Ciencia Tomista“ (Salamanca)
  • Fachberater für die Deutsche Bischofskonferenz – Auslandssekretariat: Katholische Arbeitsgemeinschaft für Freizeit und Tourismus 
  • Studienregens der Dominikaner-Provinz Teutonia
  • seit 2001 Geschäftsführender Direktor des Institut M.Dominique Chenu


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