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BKU-FrŘhjahrstagung 2014 in Altenberg zu wertorientiertem Unternehmerhandeln in verńnderter Medienwelt

Keine Pressefreiheit ohne Religionsfreiheit

Ein Blog, ein Kommentar in den sozialen Netzwerken, ein Wiki-Eintrag: Das alles sei heute schnell gemacht und für jeden möglich. Die Einordnung und Kommentierung des gesellschaftlichen Lebens aber sollte weiterhin professionellen Journalisten überlassen bleiben. Das war das Fazit des Vortrages von Helmut Heinen, Herausgeber der Kölnischen Rundschau und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), auf der zweitägigen Frühjahrstagung "Medienlandschaft und Unternehmerverantwortung" (16./17. Mai) des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) in Altenberg.
Foto: Schoser
Heinen wandte sich gegen `Jedermann-Publizisten` im Internet. Sie hätten nicht die gleiche Bedeutung wie der Qualitätsjournalismus. Blogs, Wikis und Social Media könnten zwar als zusätzliches Korrektiv wirken. „Aber die immer wieder zu hörende These, dass im Internet jeder Journalist sein kann, dass wir uns gar auf dem Weg in eine 'redaktionelle Gesellschaft' befinden, empfinde ich als naiv“, so Heinen.

Die veränderte Medienlandschaft sei Chance und Herausforderung zugleich. Niemals zuvor sei die Konkurrenz größer gewesen als heute. Qualitätsprüfung, relevante Inhalte generieren, strukturieren und aufbereiten, das könne nur von talentierten und gut ausgebildeten Journalisten gemacht werden. Auch die fragwürdige Rechtslage bei Veröffentlichungen privater Nutzer sprach Heinen an. Der Idee des Soziologen Jürgen Habermas, die Qualitätspresse etwa durch öffentliche Zuwendungen unter staatlichen Schutz zu stellen, erteilte er eine Absage: "Das ist nicht mit dem Selbstverständnis unabhängiger Arbeit vereinbar."

Religions- und Pressefreiheit stünden in einem engen Zusammenhang. „Kirche wie Medien können ihren jeweiligen Dienst an der Gesellschaft nur in Freiheit positiv erfüllen. Das verbindet uns in besonderer Weise“. Überall dort, wo es keine Freiheit für Religionen und Kirchen gebe, leide auch die Meinungs- und Pressefreiheit, oder sie existiere überhaupt nicht.

Zu Beginn hatte der Gründer der OBI-Bau- und Heimwerkermärkte und Vorsitzende der Kölner BKU-Gruppe, Professor Manfred Maus, betont, dass Unternehmerinnen und Unternehmer für ein werteorientiertes und verantwortungsvolles Handeln auf Informationen angewiesen seien. In der anschließenden Podiumsdiskussion "Entwicklung und Chancen christlicher Medien" standen Vertreter christlicher Medien den Unternehmern Rede und Antwort. Im Gespräch zwischen dem Pressesprecher der deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, dem kaufmännische Verlagsleiter des Gemeinschaftswerkes evangelischer Publizistik, Bert Wegener, und dem Politikwissenschaftler und Journalist Andreas Püttmann standen besonders die zahlreichen medialen Engagements der Kirche im Spannungsfeld zur abnehmenden Zahl der Kirchenmitglieder im Mittelpunkt. Christliche Medien hätten trotz schwieriger Rahmenbedingung auch in Zukunft eine Chance, betonte Wegener.

Zu Frage, warum es wichtiger sei, ein neues Geschäftsmodell für den Journalismus zu finden, als auf den Mond zu fliegen, wies Miteigentümer und Verleger der Funke-Gruppe, Dr. Stephan Holthoff-Pförtner, darauf hin, dass die Bürger Vertrauen in die Zeitungen hätten und die Struktur schätzen würden. Online sei man oftmals orientierungslos und bekomme sehr viel `Datenmüll`. Den Redaktionsschluss verglich er mit einem Nachtgebet, es sei der Zeitpunkt, bei dem Fachleute die Fakten ordnen. Für Brigitte Haertel ist wichtig, dass man im Journalismus auch der Schönheit und Romantik Rechnung tragen könne, das sei bei ihrem katholischen Magazin „theo“ möglich: „Religion und Poesie gehören für mich zusammen“.

Sonia Mikich, WDR-Chefredakteurin Fernsehen, wies beim Thema "Objektive Darstellung oder subjektive Meinung bei den Nachrichtensendungen" besonders auf die Problematik der Perspektive des Nutzers hin. Die sei von Alter, Geschlecht, Professionalität und vielen weiteren Kriterien abhängig. Oft seien mehrere Darstellungen richtig, der Blick unterscheide sich. Sie wies besonders auf das zunehmende Diktat der Geschwindigkeit im Journalismus hin. Das führe im Extrem dazu, dass man Live-Berichterstattung von aktuell stattfindenden Bombenabwürfen erwarte.

Abschließend fasste Hermann-Josef Johanns, Mitglied des BKU-Vorstandes in Köln, das Ergebnis der Tagung zusammen: „Die `Marke` BKU steht für Bildung, Kommunikation und Unternehmertum und hat damit in der Medienwelt eine eigene Identität.“

Dr. Martin Schoser

Foto: Einige Teilnehmer nahmen an der Wanderung nach Schloss Strauweiler und dem Gespräch mit Hubertus Prinz zu Sayn-Wittgenstein (Bildmitte) teil; Foto: Schoser.


Weitere Impressionen der BKU-Frühjahrstagung in Altenberg 2014 finden Sie hier.

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