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BKU-Interview mit dem Gründungsvorsitzenden und seinem Nachfolger

30 Jahre Ordo socialis

Die wissenschaftliche BKU-Tochter Ordo socialis wird im kommenden Jahr 30 Jahre alt. Der BKU sprach mit dem Gründungsvorsitzenden Cornelius G. Fetsch und seinem vor wenigen Monaten gewählten Nachfolger Professor Dr. Ralph Bergold über die Kernaufgaben des Vereins und Visionen für die Zukunft.
Generationswechsel im Vorstand: Professor Dr. Ralph Bergold (l.), Direktor des Katholisch-Sozialen Instituts (KSI), wurde im September zum Vorsitzenden von Ordo socialis gewählt. Er ist Nachfolger des Gründungsvorsitzenden Cornelius G. Fetsch.
BKU: Herr Fetsch, im kommenden Jahr wird Ordo socialis 30 Jahre alt. Was ist die Kernaufgabe dieser BKU-Tochter?
Fetsch: Die Hauptaufgabe unserer wissenschaftlichen Vereinigung ist, christliches Ordnungsdenken zu verbreiten, das Freiheit und Verantwortung als Einheit versteht. Damit wollen wir zu Freiheit und Gerechtigkeit in der Welt beitragen. Wir übersetzen wichtige Werke der Katholischen Soziallehre, um international Anstoß zu geben, die Entwicklung der Gesellschaftspolitik und der Wirtschaftsethik in der globalisierten Welt aus dieser Sicht und Erfahrung mitzugestalten.

BKU: Hat sich diese Aufgabe in den vergangenen 30 Jahren verändert?
Fetsch: Zunächst waren vorwiegend die Entwicklungsländer das Ziel unserer Publikationen in Englisch und Französisch, dann folgte Spanisch. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus 1989 öffnete sich ein neues Feld von besonderer Dringlichkeit. Seitdem übersetzen wir in fast alle Sprachen Mittel- und Osteuropas. Auch bei der Verbreitung hat sich etwas verändert: Bis Ende 2007 veröffentlichten wir ausschließlich gedruckte Hefte oder Taschenbücher. Inzwischen bieten wir die Texte digital auf unserer Website an – und somit global und ohne Kosten für den Nutzer.
 
BKU: Wer sind die vorwiegenden Nutzer dieser Datenbank?
Fetsch: Das sind vorwiegend Meinungsbildner wie Politiker, Journalisten, Lehrer und Professoren, Priester, Unternehmer und Manager sowie (Theologie-)Studenten. Die Zugriffe pro Jahr schwanken im sechsstelligen Bereich. Die meisten kommen aus Deutschland, der Russischen Föderation und der Türkei. Auf jede zehnte Nachfrage aus Deutschland kommt ein Besucher aus Japan.

Christliche Sozialethik international verbreiten

BKU: Sie bezeichnen Ordo socialis als „wissenschaftliche Tochter“ des BKU. Wie ist der Zusammenhang?
Fetsch: Ordo socialis wurde 1985 von BKU-Unternehmern gegründet. Wir verstehen uns als Verein zur internationalen Wissenschaftskommunikation Christlicher Sozialethik und Wirtschaftsethik und möchten international eine Orientierung für unternehmerisches Handeln in einer sich wandelnden Welt vermitteln. Die Erfahrungen aus unseren eigenen Betrieben sollen zu praxisbezogenen Lösungen führen. Das christliche Menschenbild und die Globalisierung stehen dabei im Vordergrund.

BKU: Sie betonen neben dem wissenschaftlichen Diskurs die Bedeutung des praxisbezogenen Diskurses. Wie kann das aussehen? Bietet hier die Nähe zum BKU besonderes Potenzial?
Fetsch: Interkulturelle Verständigung ist nur partikular durch die Übersetzung von Texten zu leisten. Wir müssen das unterschiedliche Verständnis der Probleme auch in persönlichen Begegnungen diskutieren. Auf wissenschaftlicher Ebene durch unseren Beirat – aber auch auf unternehmerischer Ebene. Den BKU-Hintergrund können wir für die Vermittlung fi fi von Praktika als Soft-skill-Kursen nutzen. Die unternehmerische Perspektive kann das Theologiestudium bereichern. Ordo socialis ist eine geeignete Plattform für einen solchen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis über Unternehmensethik.


Dialog zwischen den Religionen

BKU:
Herr Professor Bergold, Sie haben den Gründungsvorsitzenden Herrn Fetsch im September vergangenen Jahres als Vorsitzender von Ordo socialis abgelöst. Was sind Ihre Visionen für die Vereinigung?
Bergold: Ich möchte unsere europäische Ausrichtung verstärken. Ordo socialis hat einen grenzübergreifenden Blick und kann als Plattform europäische Akteure zusammenbringen, die sich mit der sozialen Frage auseinandersetzen. Viele Probleme und Ungerechtigkeiten können nicht allein national diskutiert werden. Eine zweite Herausforderung ist der Dialog mit anderen Religionen. Wir müssen uns auseinandersetzen mit den islamisch geprägten Gedanken zu Werten wie Freiheit und Verantwortung. Eine wesentliche organisatorische Herausforderung ist es, neue und vor allem jüngere Mitglieder zu gewinnen. Über unseren wissenschaftlichen Beirat haben wir den Kontakt zu Nachwuchswissenschaftlern. Die müssen wir für uns gewinnen. Auch an die Lehrer wollen wir stärker herantreten. Viele unserer Texte könnte man als Unterrichtsmaterial für die Schule aufbereiten – etwa zu den Grundlagen von Demokratie und Verantwortung und den Prinzipien der Katholischen Soziallehre oder der Lage in anderen Ländern. An dieser Aufbereitung für den Bildungsbereich sollten wir mitarbeiten – denn Bildung ist der Schlüssel dafür, den Begriff Freiheit mit Inhalt zu füllen.

Soziallehre anwenden und herunterbrechen

BKU: Sie sind Wissenschaftler, und der Ordo-socialis-Beirat ist mit mehr als 40 Lehrstuhlinhabern für Katholische Soziallehre und Christliche Gesellschaftslehre aus der ganzen Welt besetzt. Wird Ordo socialis sich künftig neben der internationalen Verbreitung von Schriften zur Christlichen Soziallehre und zur Sozialen Marktwirtschaft verstärkt an einer Weiterentwicklung der Christlichen Gesellschaftslehre beteiligen?
Bergold: Die aktuelle wissenschaftliche Herausforderung ist das Herunterbrechen, Übersetzen und Anwenden der Katholischen Soziallehre. Das ermöglicht eine theologische Einordnung aktueller Probleme und Herausforderungen. Wir müssen wegkommen von einer ständigen Wiederholung der Grundlagen und uns stärker auf ihre Anwendung auf den aktuellen Kontext konzentrieren: Was bedeuten sie im Hier und Heute, in einer globalisierten und pluralisierten Welt?

BKU: Im November 2012 hat Ordo socialis in Brüssel gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle eine internationale Tagung zu „Wirtschaftsordnung und Soziale Gerechtigkeit in Zeiten der Globalisierung“ veranstaltet, um Wissenschaftler, Kirche und Gesellschaft darüber ins Gespräch zu bringen. Sind weitere internationale Konferenzen geplant?
Bergold: Unsere nigerianischen Gäste in Brüssel möchten mit unserer Unterstützung eine ähnliche Konferenz in Afrika organisieren. Die Grundlagen werden wir bei einer Vortagung in Europa schaffen. Ich könnte mir auch Tagungen zur Bedeutung der Kirche und zu Gestaltungsoptionen nach gesellschaftlichen Umbrüchen in anderen Kulturkreisen vorstellen. Teils befinden sie sich in ähnlichen Situationen wie Deutschland in der Nachkriegszeit. Wir wollen Gelegenheiten schaffen, über sozialethische Fragen nachzudenken und sich auszutauschen.

Finanzierung über Spenden

BKU:
Das kostet Geld – genau wie die Pflege der Datenbank, Übersetzungen, der im vergangenen Jahr erstmals vergebene Ordo-socialis-Preis, … Wie finanziert sich Ordo socialis?
Fetsch: Unsere Aktivitäten werden bereits seit der Gründung von Ordo socialis durch Spenden engagierter BKU-Mitglieder und durch Mitgliedsbeiträge finanziert. Das Übersetzen aus und in immer mehr Fremdsprachen verursacht allerdings steigende Kosten. Der ehrenamtlich tätige Vorstand ist daher noch zunehmend auf Spenden angewiesen. Wir hoffen, innerhalb und außerhalb des BKU weitere Mitglieder zu gewinnen, die dieses wichtige Projekt unternehmerisch unterstützen.

BKU:
Herr Fetsch, Herr Professor Bergold, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Die Fragen stellte Dr. Vera Bünnagel.


Spenden
Wer die wissenschaftliche Arbeit von Ordo socialis mit einer Spende unterstützen möchte, kann dies tun bei der Pax Bank Köln, IBAN: DE93 3706 0193 0013851018, BIC: GENODED1PAX. Für Spenden und Mitgliedsbeiträge werden Zuwendungsbestätigungen ausgestellt.

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