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BKU-Unternehmertag bei SØR Rusche GmbH in Oelde

„Christliche Spiritualität und Erfolgsverantwortung“

Rund 40 Unternehmerinnen und Unternehmer nahmen am 28. März am Unternehmertag des BKU-Arbeitskreises „Christliche Spiritualität“ in Oelde teil. Gastgeber war der Textilunternehmer Drs. Thomas Rusche, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens SØR Rusche GmbH. Der Kunstsammler begrüßte die Gäste in der der SØR-Galerie im Stammhaus und erläuterte eine kleine Auswahl Alter Meister und zeitgenössischer Kunst. Er setzt dies in Verbindung mit der Unternehmensgeschichte: Der Urgroßvater sei noch schlichter Postkutscher im Westfälischen gewesen, der Großvater sei mit dieser Kutsche über Land gefahren und habe mit Klamotten gehandelt, die er auch schon mal gegen das eintauschte, was die Bauern so auf ihren Böden horteten: Zinnpötte, Möbel aus deutscher Eiche, barocke Herdplatten – und alte Gemälde. Sie bilden den Grundstock einer heute eindrucksvollen Sammlung.
(v.l.) Dr. Thomas Rusche, Birgit Kelle, Mrsg. Prof. Peter Schallenberg und Michael Bommers; Foto: Gödde
Der Feier der Heiligen Messe in St. Johannes folgte im SØRVICECENTER sein Eingangsreferat zu `Christ und Unternehmer - ein auflösbarer Widerspruch?`. Man müsse seine unternehmerischen Tätigkeiten hinterfragen und herauszufinden, nach welchen moralischen Grundsätzen die Geschäfte zu führen seien, wie mit Partnern umzugehen sei und welchen Stellenwert die Mitarbeiter genießen sollten. Der Mensch sei mehr als eine Ressource, er stehe im Mittelpunkt. Im Dialog der Liebe seien wir berufen, so Rusche: „Gott ist die Liebe, Gott ist der Geist“. Die katholische Soziallehre zeige, wie man daraus ein erfolgreiches Miteinander gestalten könne. Dabei sei die Subsidiarität wesentlich: „Jeder muss mit seinen Talenten so viel aus seinem Leben machen, wie er kann!“ Letzter Maßstab und der Grund für unternehmerisches Wirken dürfe nicht Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein. Vielmehr müsse die Mühe um Gerechtigkeit im Vordergrund stehen. Natürlich brauche ein Unternehmer auch Erfolg, damit er gestalten könne, aber Erfolg müsse dem Maßstab der Gerechtigkeit, dem Willen zum Recht und dem Verstehen des Rechts untergeordnet sein. In dem Dilemma, dass es letztlich bei der Gerechtigkeit nicht nach `Schema F` gehen könne, trage als Letztes die Barmherzigkeit.


Foto: Schoser

Michael Bommers, Leiter des BKU-Arbeitskreises „Christliche Spiritualität“, ging als Organisator des Unternehmertages im Hinblick auf das BKU-Jahresthema „Zum Unternehmer berufen!“ insbesondere auf die Publikation des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden vom 30. März 2012 ein, in der es heißt: „Führungskräfte in der Wirtschaft sollten … auf etwaige Zweifel und Verzagtheiten nicht mit Angst und Zynismus reagieren, sondern mit den Tugenden, die aus ihrer Berufung erwachsen.“ (Tz. 82). Sein besonderer Hinweis galt dem „Unternehmerspiegel“ im Anhang, eine Gewissensprüfung für Führungskräfte in der Wirtschaft in 30 Fragen. Es sei der Verdienst dieses Dokumentes, die Katholische Soziallehre bodenständig begreifbar zu machen, ohne irgendwelche konkreten Empfehlungen wirtschaftspolitischer Art nahezulegen. Allerdings verlange das Leben der Berufung von Geschäftsleuten auch religiöse Bildung. In diesem Zusammenhang erinnert Michael Bommers an den jungen König Salomon, der Gott um „ein hörendes Herz“, nicht um Reichtümer oder Erfolg gebeten hat. Für Führungskräfte sei es nötig und gut, regelmäßig „spirituelle Tankstellen“ anzufahren.

In seiner Hinführung zum Themenfeld „Familie – Unternehmer – Familienunternehmer, wie gelingt das im Alltag?“ wies Mrsg. Professor Peter Schallenberg, Universität Paderborn, besonders auf die Unterscheidung in neutrale, gebotene und verbotene Handlungen hin. Im Zusammenhang mit unternehmerischen Aspekten seien Fragen etwa des Mindestlohns, der Miethöhen und der Krankenpflege geboten. Bei der Frage „Was sollen wir jetzt tun“ nennt Professor Schallenberg folgende Mittel der Glaubensstärkung: viel Gebet, der häufige Besuch der Heiligen Messe sowie die regelmäßige Beichte.

Es fehlt vermehrt an Sekundärtugenden

Birgit Kelle, Journalistin und Buchautorin, fordert für eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mehr Zeit und Raum für die Familie zu schaffen. Es fehle bei jungen Menschen, so auch Auszubildenden, vermehrt an Sekundärtugenden wie Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Diese würden gefördert, wenn die Eltern mehr Gelegenheit erhielten, Vorbilder zu sein. Wenn beide Elternteile im Beruf stehen müssten, hätten Sie kaum Zeit, ihre Kinder selber zu erziehen. Unternehmer sollten sich fragen: `Wie gehen wir mit den Menschen um, die Verantwortung für andere tragen?`. Wenn Eltern und Kinder zu sehr in Kollektive gesteckt würden, liefe dies dem Freiheitsstreben entgegen und ersticke die Eigeninitiative. Gerade Jungen, so die vierfache Mutter, liefen oftmals nicht konform, hätten einen Drang aus der Gruppe ausbrechen und würden so oft verhaltensauffällig. Ihnen dann Medikamente zu geben, um sie wieder in die Gruppe zurückzuführen, sei keine Lösung. Unternehmer sollten auch die Politik fordern, etwa um Entscheidungswege beim Errichten von Betriebskindergärten abzukürzen. Auch mit Blick auf das Betreuungsgeld findet es Frau Kelle erstaunlich, dass Erziehung von Kindern in der Gesellschaft generell als wertvoll angesehen werde – zuerst Erziehung durch Lehrer oder Tagesmütter, nicht aber durch die eigenen Eltern.  

Im Namen des BKU und aller Anwesenden dankt Herr Bommers Herrn Dr. Rusche sehr herzlich für seine großzügige Einladung in sein Haus und bittet die Teilnehmer, dem Wunsch des Gastgebers nach einer großzügigen Spende für den in Oelde beheimateten Orden der „Dienerinnern der Armen“ zu entsprechen.

Einige Impressionen zum Unternehmertag in Oelde finden Sie hier.

Dr. Martin Schoser


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