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Finanzmarktkolloquium zu ethischem Investment

Armutsbekämpfung der "Generation Warum"

Zum Thema „Investing for the Common Good“ fand am 12. Dezember in Paris das dritte internationale Finanzmarktkolloquium von Uniapac, dem Päpstlichem Rat für Gerechtigkeit und Frieden, der Konrad-Adenauer-Stiftung und weiteren Partnern statt.

Professorin Dr. Barbara Scheck, die an der Universität Hamburg Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Social Investment lehrt, beim Uniapac-Finanzmarktkolloquium in Paris.
Das internationale Expertenkolloquium war eine Folgeveranstaltung der Kolloquien im September 2012 in der Frankfurter Bundesbank („Towards reforming the International Financial and Monetary Systems in the Context of a Global Public Authority") und im Mai 2013 im Vatikan ("Banking for the Common Good, Finance for the Common Good"). In Paris diskutierten Finanzmarktexperten, Unternehmer, Politiker, Wissenschaftler und Kirchenvertreter Grundsätze und konkrete, praktische Aspekte ethischen Investments, das auf das Gemeinwohl ausgerichtet ist.

Papst Franziskus: Wirtschaft gefordert zur Überwindung der Armut


„Papst Franziskus fordert auch die Wirtschaft explizit auf dazu beizutragen, die bisher ausgeschlossenen Menschen stärker einzubinden und sich gegen Armut zu engagieren“, betonte Michael Czerny SJ, der dem Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden angehört. Die Karitas allein könne dieses Problem nicht bewältigen – es sei ein Thema für Wirtschaft und Finanzindustrie. Und zwar nicht nur durch das Angebot von Gütern und Dienstleistungen, sondern durch die Ermöglichung von Teilhabe.

„Es gibt einen Trend zu Sozialem Unternehmertum“, bekräftigte Professorin Dr. Barbara Scheck, die an der Universität Hamburg Betriebswirtschaftlehre mit Schwerpunkt Social Investment lehrt. Eine neue Generation von Gründern, die sie zur „Generation Warum“ zählt, verbinde traditionelles unternehmerisches Investment mit sozialem Anspruch. Sie wollten beides: Etwas bewegen, ohne auf anständigen wirtschaftlichen Erfolg zu verzichten.

In der Folge bildete sich an Stelle der früher existierenden zwei Säulen Wirtschaft und Hilfsorganisationen zunehmend eine beides verbindende dritte Säule. Das sei auch dringend erforderlich, da Entwicklungshilfe zunehmend an Grenzen stoße. Zugleich ermögliche gerade das sogenannte „Social Impact Investing“ echte Teilhabe und eine nachhaltige Verbesserung der wirtschaftlichen Situation armer Menschen.

Entwicklungshilfe manchmal nicht zielführend

Als ein Vertreter dieser Gründergeneration stellte Kim Tan seine Beteiligungsgesellschaft Spring Hill vor. Spring Hill unterstütze weltweit in unterschiedlichen Projekten Menschen, sich selbstständig zu machen, um Armut zu überwinden: Ihre eigene und die in ihrem Umfeld.  Er bestreite nicht, dass Entwicklungshilfe wichtig sei, betonte Tan.  Doch manchmal funktioniere dieses Modell nicht und stärke eher den informellen Sektor. Unternehmer und Investoren hingegen erhöhten die Steuerbasis. Sie könnten auf einer zusätzlichen Ebene entscheidend dazu beitragen, Armut zu verringern.

Auch die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation versuche, Menschen zu befähigen, ihr Schicksal selbst in die Hände zu nehmen, berichtete Dr. Karl-Peter Schackmann-Fallis, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes: In Bhutan unterstütze man etwa die Gründung von Spargemeinschaften, in Ghana vermittle man Kleinstunternehmern wirtschaftliche und buchhalterische Grundkenntnisse und in Mexiko schule man kleine Genossenschaftsbanken, damit sie von der Aufsicht lizenziert würden. Die Sparkassenidee sei auch in Europa zur Zeit der industriellen  Revolution entstanden, mit dem Gründungsgedanken, wirtschaftliche Schwächeren zu einem selbstbestimmten Leben zu verhelfen.

Zugleich habe sich das Geschäftsmodell in der Finanzkrise bewährt: Die kleinen, dezentralen Kreditinstitute in Deutschland seien ohne staatliche Garantien durch die Krise gekommen. „Bankenrettung aus Steuergeldern ist nicht gerade ein Königsweg zu mehr Gemeinwohl“, kritisierte er.
Dr. Werner Langen betonte, dass das Europäische Parlament die Regulierungsdefizite, die zu der Krise geführt hätten, erkannt und in Angriff genommen habe. Laut Langen, der seit 1994 für die CDU im Europäischen Parlament sitzt, hat das Parlament 29 Verbesserungen der Regulierung in Angriff genommen, von denen die Hälfte abgeschlossen sei.

Entscheidendes Problem seien die Staatsverschuldung und die starke Verflechtung von Banken und Staaten gewesen. „Es war eine gravierende Fehlentscheidung, Staatsanleihen mit dem Risikofaktor Null zu belegen“, kritisierte Langen. Die Europäische Zentralbank habe zwar mit ihrer Geldpolitik im Jahr 2012 einen Zusammenbruch der Eurozone verhindert. An diesem Problem trage sie jedoch eine entscheidende Mitschuld.

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