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Virtuelle Rekonstruktion des gr÷▀ten Puzzles der Welt

Frauenhofer-Institut entwickelt sehende Maschinen

Seit fünf Jahren gehört das Stasi-Schnipsel-Projekt zu den Top-Pressemeldungen des Frauenhofer-Institutes für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK). Bertram Nickolay ist dort Abteilungsleiter für Sicherheitstechnik und gewährt am 25. November bei einem Vortrag in der Katholischen Akademie Einblick in die Welt der virtuellen Rekonstruktion von zerrissenen, geschredderten und beschädigten Dokumenten. Weltweite Bekanntheit erhielt es durch das „Stasi-Schnipsel-Projekt“.
Dr. Bertram Nickolay vom Frauenhofer-Institut IPK (Foto: F. Mahrla)
Berlin - Die vom Fraunhofer IPK entwickelte Rekonstruktionssoftware ePuzzler kann mithilfe komplexer Algorithmen der Bildverarbeitung und Mustererkennung gescannte Papierfragmente automatisiert zu vollständigen Seiten zusammensetzen. Die Wissenschaftler schickten daraufhin 1995 ein Angebot zur Aufarbeitung der Stasihinterlassenschaft an die damalige Gauck-Behörde. Ein Jahr lang passierte gar nichts. Erst durch die Unterstützung eines CDU-Abgeordneten, der im Kuratorium der BStU saß, nahm man das Knowhow zur Kenntnis und empfing Nickolay. Weitere sechs Jahre später wurde die erste Projektphase genehmigt. In dem Pilotverfahren werden 400 Papiersäcke mit  ca. 15 Millionen Schnipsel zerrissener Stasi-Akten virtuell rekonstruiert. „Die Technologie ist mittlerweile ausgereift und könnte in die automatisierte Umsetzung gehen, wenn es nicht nach wie vor massive Widerstände gäbe", erklärt der gebürtige Saarländer den Unternehmern.

Mit dieser Technologie kann aber auch ein wertvoller Beitrag zum Erhalt von Kulturgut, zur historischen Forschung und Aufarbeitung sowie für die Fo­rensik geleistet werden. Das interdisziplinäre Team um Dr. Nickolay rekonstruiert zerstörte Papyrus, Keilschriften oder zum Beispiel  nach der Zerstörung des Kölner Stadtarchivs wertvolle Handschriften und Urkunden. Derzeit wird an der Rekonstruktion des zerstörten Mosaiks aus Offenbacher Glaskeramik in der Begräbniskapelle Bredereiche bei Fürstenberg (Brandenburg) gearbeitet. Das Gut gehörte dem Generaloberst Erich Hoepner, einer der Widerstandskämpfer des Attentates vom 20. Juli 1944.

Im Frauenhofer-Institut werden alle Abteilungen als Profit-Center geführt. „Aus einem Euro Forschungsgeld werden drei gemacht", berichtet Nickolay stolz, der mittlerweile weltweit angefragt wird. Aktuelles Beispiel dafür ist ein Projekt für die Katholische Menschenrechtsorgansisation „La Vicaria de la Solidaridad" in Chile.


Zahlen und Fakten:
Das Frauenhofer-Institut hat 60 Institute mit 18.000 Mitarbeitern und ein Forschungsvolumen von jährlich 1,7 Milliarden Euro. 

Vier Prozent der Stasi-Unterlagen wurden „zerkleinert", das bedeutet 15.000 Säcke mit ca. 600 Millionen Schnipsel warten auf die maschinelle Aufarbeitung, die voraussichtlich 10 - 12 Jahre dauern wird.

 

Fides Mahrla
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