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Die Atmosphńre als globales Gemeinschaftsgut

Klimawandel durch wirksamen Schutz vermeiden

Seit der Industrialisierung ist ein enges Zusammenspiel zwischen Wohlstand, Bevölkerungswachstum und der stetig steigendenden Verbrennung fossiler Energieträger zu verzeichnen. Bedeutet das, Wohlstand wäre ohne die hohen Kohlendioxidemissionen nicht möglich gewesen?
„Ja, historisch ist das eine zutreffende Beobachtung, denn alle Länder, die im Zuge der Industrialisierung zu Wohlstand gekommen sind und die Massenarmut überwinden konnten, haben intensiv Kohle, Öl und Gas genutzt, für eine nachhaltige Zukunft wird es darauf ankommen, Wohlstand und Klimaschutz als zwei Seiten ein und derselben Münze zu sehen,“ sagte Prof. Ottmar Edenhofer, stellvertretender Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in einem Vortrag zum Thema „Die Atmosphäre als globales Gemeinschaftsgut – Anmerkungen zur universalen Widmung der Erdengüter“ vor 35 Unternehmern des BKU in der großen Kuppel des Michelson-Hauses, dem 1879 gegründeten Königlichen Oberservatorium für Astrophysik auf dem Potsdamer Telegrafenberg.

Natur- und Sozialwissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) widmen sich dort wissenschaftlich und gesellschaftlich relevanten Fragestellungen zu den Themen „Globaler Wandel, Klimawirkung und Nachhaltige Entwicklung“. Ihre Forschungsergebnisse sind weltweit Grundlage für Entscheidungen von Regierungen, Organisationen und Unternehmen, z.B. über Erkenntnisse und Konsequenzen der Erderwärmung und deren Folgen für das Klima.

Wie die Welt enden soll
Der katholische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Edenhofer, der auch einer der Vorsitzenden der Arbeitsgruppe III des Weltklimarates IPCC ist,  stellte die Utopien der Ökonomen Karl Marx, John M. Keynes, Joseph Schumpeter und die Dystopie von Max Weber sowie Garrett Hardin – bekannt durch seine „lifeboat etics“ – dem Paradigma von Elinor Ostrom gegenüber. Die US-amerikanische Professorin für Politikwissenschaft Elinor Ostrom erhielt 2009 als erste Frau den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften und genießt weltweit hohes Ansehen als Forscherin im Bereich der Umweltökonomie. Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen, setzt sie in ihrer Forschung auf den Erfolg einer nachhaltigen Nutzung der lokalen und globalen Gemeinschaftsgüter. Fragen wie diese treiben auch die Wissenschaftler im PIK um.

Die große Transformation
„Bislang ist eine Entkopplung des Emissionswachstums vom Wirtschaftswachstum in der Tat noch nicht gelungen“, sagte Ottmar Edenhofer. „Aber genau das ist für einen ambitionierten Klimaschutz notwendig: Soll er gelingen, müssten die Emissionen bis zum Jahr 2020 ihren Höhepunkt erreicht haben, um dann durch geeignete Klimaschutz-maßnahmen zu sinken. Bis 2080 müsste die Weltwirtschaft praktisch CO2-frei sein.“  Diese Transformation sei aber nur möglich, wenn neben den erneuerbaren Energien, auch Techniken wie die Kohlenstoffabscheidung und -einlagerung im Untergrund (CCS) oder die Nutzung von Biomasse in großem Maßstab eingesetzt würden, die neben Chancen allerdings auch Schwierigkeiten und Risiken mit sich brächten.



Nur ein weltweiter Preis für  CO2 kann das Erdklima nachhaltig schützen
Der Chefökonom Edenhofer fordert, dass „die Atmosphäre als globales Gemeinschaftsgut ‚Global Common‘ zu schützen ist und Emissionen zu begrenzen sind“. Leider werde das gegenwärtige globale Energiesystem immer noch durch fossile Energieträger dominiert. Da der Öl-Gas-Preis höhere Wachstumsraten hat als der Kohlepreis, ist die Kohleverstromung nach wie vor attraktiv. Auch die Kohleverflüssigung nimmt zu und erfährt weltweit eine regelrechte Renaissance. Trotz aller Klima-Diskussionen und das umfangreiche Wissen zum Thema steigt die Konzentration des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre kontinuierlich an. Das entscheidende Problem dabei: Die Speicherkapazität der Atmosphäre ist nur sehr begrenzt! Und daher muss die knappe, kostbare und kostenlose Ressource Atmosphäre viel stärker geschützt werden. Edenhofer fordert, dass dieser Knappheit Rechnung getragen werden muss, z.B. durch eine weltweite CO2-Steuer oder ein globales Emissionshandelssystem. So ließe sich das Erdklima nachhaltig schützen.

Die BKU-Mitglieder der Diözesangruppe Berlin und ihre Gäste – Unternehmer aus katholischen und evangelischen Gemeinden Potsdams – hörten einen engagierten und charismatischen Edenhofer. Nach dem einstündigen Vortrag entspann sich eine angeregte kontroverse Debatte, bei der der stellvertretende Direktor des PIK alle Fragen ausführlich beantwortete. Viele Teilnehmer hatten sich vor dem Vortrag zum Abendlob in der Westkuppel des PIK-Gebäudes versammelt – einem imposanten, mit Hightech ausgestatteten Seminarraum, ein ehemaliger Beobachtungsturm des Astrophysikalischen Observatoriums.

Fides Mahrla und Dr. Barbara Urban (fidesmahrla+)


Zur Person
Prof. Dr. Ottmar Edenhofer (Jahrgang 1961, geboren in Bayern, verheiratet, 2 Kinder) studierte Wirtschaftswissenschaften und Philosophie an der Universität München. Während seiner Studienzeit gründete er sein eigenes Unternehmen und leitete von 1991 bis 1993 eine humanitäre Hilfsorganisation in Bosnien.  Es folgte 1999 die Doktorarbeit im Bereich Wirtschaftswissenschaften („summa cum laude“). Den Ruf an die Technische Universität Berlin nahm er 2008 an und ist seither  Lehrstuhlinhaber für die Ökonomie des Klimawandels .

Edenhofer ist einer der Vorsitzenden der Arbeitsgruppe III des Weltklimarates IPCC, dem 2007 der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Als stellvertretender Direktor und Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung leitet er gegenwärtig den Forschungsbereich III - Nachhaltige Lösungsstrategien, dessen Forschung sich auf das Gebiet der Ökonomie der Klimastabilisierung konzentriert. 2012 wurde Edenhofer zum Direktor des gemeinsam von der Stiftung Mercator und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung im gleichen Jahr in Berlin gegründeten Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) ernannt.


Weitere Informationen:
  • „Global aber gerecht“ - Klimawandel bekämpfen, Entwicklungen ermöglichen.  Autoren: Ottmar Edenhofer, Johannes Wallacher, Michael Reder, Hermann Lotze-Campen, Verlag C.H. Beck  > Kurzfassung
  • Vortrag von Prof. Dr. Edenhofer beim Kongress des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) 2012 „Rettet der europäische Emissionshandel uns vor dem Klimakollaps?“ > hier 
  • Webseite von Prof. Edenhofer > hier



Fotos: Hans-Jürgen Krackher
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