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Auszeichnung für einen „Grenzgänger": Hennecke erhält ORDO-Preis 2012 der Jenaer Allianz

Der Sozialen Marktwirtschaft den Rücken stärken

Die gute Nachricht erreichte ihn im tiefsten Westfalen. Als sein Telefon klingelte, besichtigte er gerade das Westwerk des Mindener Domes, erinnerte sich Hennecke bei seiner Ansprache. Am Apparat: Prof. Dr. Joachim Starbatty. Der Sprecher der Jenaer Allianz teilte Hennecke mit, dass die Jury ihn 2012 als Preisträger auserkoren habe. Hennecke reagierte ebenso überrascht wie bescheiden: „Womit habe ich das verdient?"
Patrick Adenauer (rechts), Präsidiumsmitglied der Familienunternehmer - ASU, übergibt die Preisurkunde an Prof. Dr. Hans Jörg Hennecke (Mitte). Die Laudatio sprach Dr. Michael Borchard (links), Leiter der Hauptabteilung Politik und Beratung der Konrad-Ade
Die Antwort gab bei der Preisverleihung am 24. April Dr. Michael Borchard. Der Leiter der Hauptabteilung Politik und Beratung der Konrad-Adenauer-Stiftung lobte Hennecke als „Grenzgänger, der Wissenschaft, Wirtschaft und Politik miteinander verbindet". Dies bestätigt ein Blick in die Vita des Geehrten: Nach dem Studium der Politik und Geschichte promovierte sich Hennecke mit einer Biografie über den Ökonomen Friedrich August von Hayek. Es folgten Stationen als Privatdozent an der Universität Rostock, Referent in der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei und Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Seit 2010 ist Hennecke Abteilungsleiter bei der Handwerkskammer Düsseldorf.
Idealbild des Historikers

 „Hayek hätte nicht ohne Skepsis auf diese Wechselsprünge zwischen Wissenschaft und Politik geschaut", sagte Borchard in Anspielung auf Henneckes Dissertationsthema. „Eigentlich aber erfüllt er Hayeks Idealbild des Historikers." Hayek sei überzeugt, dass der Historiker seine Wertüberzeugungen offenlegen müsse. Zur Begründung, weshalb ein Philologe mit dem ORDO-Preis - einer Auszeichnung für ordnungspolitische Innovationen - geehrt wurde, sagte Borchard: „Die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft sind blutleer ohne ihre historische Herleitung."

Der frühere Chefvolkswirt der EZB,
 Prof. Dr. Jürgen Stark, hielt die
 Festrede bei der Verleihung des
 ORDO-Preises.















Wer den Reden bei der Preisverleihung in der Aula der Kölner Universität folgte, konnte indes den Eindruck gewinnen, dass die Auszeichnung nicht nur an eine Persönlichkeit sondern zugleich an eine bedrohte Wirtschaftsordnung ging - als eine Art Weckruf, um der Sozialen Marktwirtschaft den Rücken zu stärken. In seinem Festvortrag zu den „Prinzipien einer stabilitätsorientierten europäischen Geldpolitik" verlieh der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Prof. Dr. Jürgen Stark, seiner Hoffnung Ausdruck, die Finanz- und Staatsschuldenkrise möge helfen, die Bedeutung der Ordnungspolitik wieder stärker ins Bewusstsein zurückzubringen.

 Das scheint bitter nötig, wie Starks Ausführungen zeigten, der 2011 von seinem Posten bei der EZB zurückgetreten war, da er die Unabhängigkeit der Notenbank durch die Ankäufe von Staatsanleihen in Gefahr sah. „In einem Regime, in dem Geld nicht mehr an reale Werte wie Gold gebunden ist, ist das Vertrauen in die Zentralbank der wichtigste Anker", erklärte er und erinnerte an Walter Eucken, der in den berühmten „Grundsätzen der Wirtschaftspolitik" der Preisstabilität ein Primat zugewiesen hatte.

Drohende Inflation 

 Nun ist Geldwertstabilität kaum zu haben ohne Notenbanken, die unabhängig sind von Weisungen der Politik, und sich auf ihren eigentlichen Auftrag konzentrieren: die Bekämpfung der Inflation. Stark wies auf die enorme Aufblähung der Zentralbankbilanzen hin; das Bilanzvolumen der EZB etwa belaufe sich auf mehr als drei Billionen Euro. Das entspricht mehr als einer Verdreifachung seit 2007. Dieser Trend, gepaart mit einer expansiven Haushaltspolitik in der westlichen Welt, erhöhe das Inflationspotenzial enorm. Stark sprach sich deshalb vehement dafür aus, die Bilanzen der Zentralbanken wieder zurückzuführen und rief Euckens klaren Standpunkt in Erinnerung: „Inflation stellt die unsozialste Form der Umverteilung dar."



Der ORDO-Preis




Mit dem ORDO-Preis werden Leistungen prämiert, die auf dem Gebiet der Ordnungspolitik innovativ sind und zur Fortentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft beitragen. Der Preis wird alle zwei Jahre an Nachwuchswissenschaftler sowie an jüngere Menschen vergeben, die in Politik, Wirtschaft oder Zivilgesellschaft bedeutende innovative Ideen und Projekte vorzuweisen haben.

 Die Jury des ORDO-Preises besteht aus Vertretern der „Jenaer Allianz", einem Kooperationsnetzwerk von Organisationen, Institutionen und Persönlichkeiten, die sich der ordnungspolitischen Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft verpflichtet fühlen. Mitglieder sind

 der Bund Katholischer Unternehmer (BKU),
 die Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft e.V.,
 Die Familienunternehmer - ASU,
 das Institut für Wirtschaftspolitik an der Universität zu Köln (iwp),
 die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.,
 die Leipziger Wirtschaftspolitische Gesellschaft,
 das Walter Eucken Institut e.V. und das
 Wilhelm-Röpke-Institut e.V.

 Der in diesem Jahr vom Rheinischen Sparkassen- und Giroverband, der Sparkasse KölnBonn und der Kreissparkasse Köln gestiftete ORDO-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.


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