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Glaube spielt die entscheidende Rolle

Gespräch mit dem US-Botschafter Philipp D. Murphy

Auf Einladung des BKU (Bund Katholischer Unternehmer) fand am Montag, 22. April 2013, im Thomas-Morus-Saal der Wilmersdorfer Pfarr-gemeinde St. Ludwig eine Veranstaltung mit dem bald aus Berlin scheidenden Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika, Philipp D. Murphy statt.
Nach einer kurzen Einführung durch den Diözesanvorsitzenden Mario Ahlberg (BKU-Vorsitzender der Diözesangruppe Berlin), der an die frühere Tätigkeit von Herrn Murphy als Leiter des Goldman Sachs-Büros in Frankfurt am Main erinnerte, ergriff der Botschafter das Wort und trug in beiden Sprachen (deutsch und englisch) vor, was der Glaube in seinem Leben für eine Rolle spielt, sowohl privat als auch in seinem Amt als Vertreter eines großen Landes.
So konnten die Anwesenden erfahren, dass Botschafter Murphy praktizierender Katholik ist und sich mit seiner Familie in seiner Dahlemer Gemeinde stark engagiert. Zwei seiner vier Kinder wurden dort gefirmt, die beiden jüngeren sind Messdiener. Über seine Zugehörigkeit zur katholischen Kirche hinaus pflegt Botschafter Murphy aber auch freundschaftliche Beziehungen zum Judentum und zum Islam.
Überhaupt bedeutet ihm als Amerikaner Religionsfreiheit sehr viel. Sein Land sei aus dieser Prämisse entstanden: Angefangen von der Unabhängigkeitserklärung über die Abschaffung der Sklaverei bis zu den Kämpfen für Zivilrechte seien viele Reformbewegungen in Amerika ausdrücklich von gläubigen Menschen initiiert oder unterstützt worden (man denke nur an Martin Luther King). Auch Präsident Obama seien die vom Glauben tradierten Werte stets ein Anliegen.
Mehr denn je sei heutzutage interkulturelles und auch interreligiöses Gespräch ein Muss, wenn man Instabilität und Extremismus vorbeugen wolle. Die „goldene Regel“ („Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst“) habe religionsübergreifend und in allen Lebensbereichen (auch in der Wirtschaft) zu gelten.

Neben seinen Betrachtungen über Präsident Obamas Gesinnung und Politik und das Unverständnis, das Amerika oft in der Welt für seine verschiedenen Interventionen erntet, erwähnte Botschafter Murphy seine große Liebe zum Fußball (er unterstützt in seiner Heimat eine Frauenmannschaft), ließ aber auch seine doppelt tiefe Betroffenheit (als Bostoner und als Marathonläufer) nach dem furchtbaren Attentat in Boston spüren und bedankte sich dabei für die zahlreichen Sympathie-Bekundungen aus Deutschland. Darüber hinaus plädierte er für ein aktives Engagement eines jeden von uns: wir sollten „Täter des Wortes und nicht Hörer allein„ sein. Auch zitierte er die Worte des Heiligen Augustin: „Bete, als hinge alles von Gott ab. Arbeite, als hinge alles von dir ab.“

Seine Rede schloss er auf deutsch mit folgenden Worten: „Auch während wir die großen Diskussionen unserer Zeit führen, müssen wir daran erinnert werden, was wir jeden Tag durch kleine Taten in unserem täglichen Leben bewirken können. So wichtig Regierungspolitik bei der Gestaltung unserer Welt auch sein mag – wir werden daran erinnert, dass es die zahlreichen Gesten der Freundlichkeit und des Mutes, der Güte und der Liebe, des Respekts und des Edelmuts sind, die wir einander tagtäglich erweisen, die uns durch schwierige Zeiten bringen werden. Dies ist eine der wichtigsten Lektionen, die ich als Botschafter gelernt habe.“
In der sich anschließenden Diskussion wurden einige weitere Themen erörtert: die unterschiedliche Gewichtung des Glaubens im öffentlichen Leben diesseits und jenseits des Atlantiks, die abweichende Kultur der Mitbestimmung im Unternehmen, die Verschiebung der amerikanischen Interessen Richtung Pazifik und was dies für Europa bedeuten könnte.

Der Abend klang aus mit einem kleinen Umtrunk. Alle Anwesenden wünschten Botschafter Murphy eine gute Rückkehr in seine Heimat und weiterhin eine segensreiche Tätigkeit.

Pascale Schulte


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